Lob und KritikAus für Kapitalertragssteuer auf Aktien? Vorstoß lässt Wogen hochgehen

WKÖ und Pensionskassen: Positiv für Altersvorsorge. Gewerkschaft GPA warnt vor "Umverteilung von unten nach oben". Attac gegen "Geschenk für die Reichsten".

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© (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
 

Auf Zustimmung und Ablehnung stößt Absicht von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) für eine mögliche Abschaffung der Kapitalertragssteuer (KESt) auf Wertpapiere. WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf sprach von einer Win-Situation für Kapitalmarkt und Eigenvorsorge, auch der Fachverband der Pensionskassen äußerte sich positiv. Die GPA warnte dagegen vor einer Umverteilung von unten nach oben, Attac forderte, Kapitalerträge gleich zu besteuern wie Arbeitseinkommen.

Ein Aus für die Wertpapier-KESt bzw. eine Wiedereinführung der Behaltefrist, um reiner Spekulation vorzubeugen, hätte positive Effekte für den Wirtschaftsstandort Österreich, meinte Kopf in einer Aussendung. Zudem werde damit dem Altersvorsorge-Aspekt Rechnung getragen.

Der Pensionskassen-Fachverband bezeichnete die Ankündigung Brunners als "gutes Signal zum Jahresauftakt" - eine steuerliche Entlastung für Investitionen in die eigene Vorsorge sei ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky in einer Aussendung.

Kritiker sprechen von "Geschenk"

Die GPA meinte dagegen, im Jahr 2020 seien durch die KESt 1,34 Milliarden Euro eingenommen worden - und ein Ende der Besteuerung von Kursgewinnen im Ausmaß von 27,5 Prozent, wie sie seit 2016 besteht, würde jährlich 200 bis 300 Millionen Euro kosten. Die Teilnahme am Aktienmarkt sei "sehr ungleich verteilt", im obersten Einkommensfünftel hätten 11,3 Prozent der Haushalte Aktien, im untersten nur 1,6 Prozent und im zweitniedrigsten 1,8 Prozent.

Attac erklärte, der Plan, Kapitalerträge aus Wertpapieren nach einer Behaltefrist steuerfrei zu stellen, wäre "ein weiteres Steuergeschenk für die Reichsten". Schon derzeit seien "leistungslose Kapitalgewinne" gegenüber Arbeitseinkommen ohnedies schon jetzt privilegiert, da sie niedrigen Sätzen von 25 bzw. 27,5 Prozent unterlägen. Diese Privilegien noch auszuweiten, "wäre ein riesiges Geschenk für die Reichsten im Land, da sie die höchsten Kapitalerträge lukrieren".

Die Arbeiterkammer Oberösterreich warnte vor einem "ökonomisch unsinnigen Steuergeschenk an die reichsten zehn Prozent der Haushalte". Dabei habe die Pandemie Personen mit höherem Vermögen und höheren Ersparnissen weniger betroffen als jene, die von ihren monatlichen Arbeitseinkommen abhängig seien. Denen jetzt noch etwas zu schenken, wäre "ein Schlag ins Gesicht für den Großteil der Bevölkerung", der über keine wesentlichen Kapitalanlagen verfüge. Die SPÖ kündigte bereits an, sich gegen die Abschaffung stemmen zu wollen.

Behaltefrist soll reiner Spekulation vorzubeugen

Zu einem möglichen Aus für die Wertpapier-KESt hatte Brunner in einem Interview mit dem Magazin "trend" gemeint: "Ja, das ist ein ganz wichtiger Schwerpunkt für dieses Jahr. Eine steuerliche Entlastung für Investitionen in die eigene Vorsorge muss und wird kommen - und zwar mit einer Behaltefrist für Wertpapiere, um reiner Spekulation vorzubeugen."

Wann es mit dem Ende der Wertpapier-KESt konkret so weit sein werde, sei "Gegenstand von Verhandlungen mit dem Koalitionspartner", sagte der Minister zum "trend". Als konkrete Ansage, dass diese Steuer noch heuer fällt, wollte der Minister seine Aussagen nicht verstanden haben, hatte es am Donnerstag aus seinem Büro zur APA geheißen.

Kommentare (6)
allack
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Reichensteuer?

Herr TS hat einen korrekten Mitarbeiter gerügt, indem er ihn aufmerksam machte, dass er ja in seiner türkisen Partei als Hure der Reichen arbeitet! Scheinbar ändert sich jetzt nicht viel.

point of view
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Wertpapiere bieten JEDEN die Möglichkeit langfristig vorzusorgen: Wichtig nicht zocken, sondern investieren!

Ab der Summe eines Bausparers, welchen lt. Statistik beinahe jeder Österreicher besitzt, macht es Sinn langfristig sein Geld in Wertpapieren anzulegen.
Gerade für Kindervorsorge ideal - da kann das Geld 16 - 18 Jahre lang sich vermehren, oder als Altersvorsorge 35 - 45 Jahre lang.
Wenn man auf Branchen wie (Baby)Nahrung, Hygieneartikel, Energie, Gesundheit / Medizin, Technik / IT, (Sport)Kleidung... setzt investiert man in Bereiche des täglichen Lebens. Die Produkte solcher Firmen werden auch gekauft - warum soll ich nicht von Wachstum solcher Firmen mitprofitieren?
Wichtig: Anlagedauer >10 Jahre, Branchenmix, 10 —12 Positionen, Geduld und nicht wg Schwankungen verrückt machen lassen
Wo sonst können Anleger kleinerer Beträge im Verhältnis zu Anlegern grosser Summen gleich profitieren?

user1234
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Doppelt- und Mehrfachbesteuerung - Wahnsinn pur

Wir als Arbeitnehmer haben gar nicht die Möglichkeit die Besteuerung unseres Einkommens zu optimieren. Dann legen wir noch unser bereits initial versteuertes Erspartes auf ein Aktienkonto und bekommt als Lohn noch eine Steuer aufgedrückt.

Gleichzeitig darf man bei jeglichen Gütern eine Besteuerung zur Kenntnis nehmen.

Hast du im Gegensatz nix - wird dir auch nix abgezogen.....

melahide
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Erträge

aus Kapital gehört gleich hoch besteuert wie durch Arbeit. Es gibt Experten die sagen, dass man den Staat nur durch Steuern auf Arbeit und Konsum nicht mehr lange finanzieren kann. Die empfehlen den Faktor Arbeit massiv zu entlasten und Steuern im Finanzsektor zu erhöhen. Dies sei interessant, weil dort ein Vielfaches an Geld liegt, als das BIP ausmacht. Die ÖVP will weiterhin die Arbeit besteuern und das Kapital komplett steuerfrei stellen. Und reden dennLeuten ein, es wäre wegen der Altersvorsorge. Dabei haben wir ja schon das staatliche Pensionssystem, die betrieblichen Vorsorgekassen, Private Vorsorge. Und jetzt alles rein in den Kaputalmarkt

pescador
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"Geschenk für die Reichsten"

Wieso, Aktien kann ja jeder kaufen.
Auch Kleinanleger profitieren davon beim Kapitalaufbau.

melahide
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Ein

Kleinanleger profitiert nie davon! Der investiert wenig Geld in risikoarme Fonds. Der kann nicht breit streuen. Der macht ein paar Netsch.