Kolumne vom BörsenparkettLogbuch eines Börsianers: Chili, Tesla und das Inflationsgespenst

In seinem wöchentlichen "Logbuch eines Börsianers" bilanziert der erfahrene Kapitalmarktexperte Josef Obergantschnig das aktuelle Börsengeschehen.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Josef Obergantschnig
Josef Obergantschnig © © Ethico
 

Josef Obergantschnig ist Präsident des Wirtschaftsethikklubs Ethico und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen. In seinem "Logbuch eines Börsianers" schildert der erfahrene Kapitalmarktexperte für die "Kleine Zeitung" seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in diesem - auch auf dem Börsenparkett - ereignisreichen Zeiten und zieht jeweils eine Wochenbilanz.

Samstag, 16. Oktober: Die Macht der Marke

Es ist kalt. Saukalt sogar. Mein Blick schweift in die nebulöse Ferne. Laubbäume verfärben sich bunt und die Baumkronen haben sich schon etwas gelichtet. Mein Blick schweift zu den Chili-Pflanzen meines Schwagers Markus. Fein säuberlich nummeriert und nach Schärfegrad geordnet. Seine Chili-Passion erfordert Akribie, Durchhaltevermögen und ein breites Basiswissen über die Pflanzen und deren Verarbeitung.
Schlagartig wird mir bewusst, dass auch erfolgreiche Investoren ähnliche Attribute wie der Chili-Mann meines Vertrauens aufweisen.

In diesem Zusammenhang muss ich an Warren Buffet denken, der sein Imperium über Jahrzehnte aufgebaut hat. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Stunden er damit verbracht hat, Unternehmen zu analysieren und Aktien mit Potenzial ausfindig zu machen. Mit technologischem Fortschritt ist das viel einfacher geworden. Neben seiner Fachkompetenz und seiner Akribie brauchte Buffet vor allem auch Durchhaltevermögen, um einer der reichsten Männer der Welt zu werden. Der alte Börsen-Guru ist ein Außenseiter. Im Ranking der Milliardäre tummeln sich viele amerikanische Tech-Unternehmer. Mit Aktien von Apple, Microsoft, Google, Facebook, Amazon oder auch Tesla konnte man in den letzten Jahren wahrlich ein Vermögen machen. Das Ranking der Milliardäre wird von Elon Musk angeführt, der aktuell über ein geschätztes Vermögen von 228 Milliarden Dollar verfügt. Das ist immerhin um stolze 30 Milliarden mehr als jenes von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Elon Musk kann sich die Finger reiben. E-Autos sind voll im Trend.

Buchtipp

Der Finanzmarktexperte Josef Obergantschnig hat die dramatischen Entwicklungen an den Börsen ab März in Form eines – auch via Kleine Zeitung online geführten – Tagebuchs
festgehalten.

Seine pointierten und hintergründigen Kolumnen sind unter dem Titel „Tagebuch eines Börsianers – Corona Crash 2020 – Wie alles begann“ nun auch in Buchform erschienen (SCEN.Zeitwertverlag.ruhr; 500 Seiten; 20,20 Euro).

Hier geht's zum Video Buchpräsentation

Vor allem der stark wachsende chinesische Markt spült riesige Geldsummen in die Kassen. Im Shanghaier Tesla-Werk gingen im September 56.000 Autos vom Band. 54.000 gingen direkt an chinesische Kunden. Etwa jedes fünfte verkaufte Auto in China ist ein E-Auto. Tendenz wahrscheinlich stark steigend. Dass Elon Musk gerne gegen den Strom schwimmt, hat er schon oft bewiesen. Der Firmensitz wird vom kalifornischen Silicon Valley in die texanische Hauptstadt Austin verlegt. Texas wirbt aktiv mit Steuererleichterungen um Unternehmen. Die Tech-Giganten Oracle und Hewlett-Packard sind dem texanischen Ruf auch schon gefolgt. Es würde mich nicht wundern, wenn Texas mit dem Zugpferd Elon Musk Silicon Valley gehörig einheizt.

Kommentare (11)
robertrr
3
45
Lesenswert?

Phillips Kurve

Die Nachfrage nach Arbeitskräften, die auch wirklich wertschöpfend sind, wird spätestens nach der Corona Krise explodieren. Das ist ein gesellschaftliches Problem, dass wir keine Leute mehr finden die echte Arbeit verrichten.

TrailandError
13
34
Lesenswert?

Wie deppert is die Menschheit

geworden..... die da alle spekulieren bilden sich nich ein das sei reelle Arbeit und trägt zur gesunden Wirtschaft bei?! Einige Wenige bekommen viel Geld auf Kosten vieler Sparer-abartig!!!

melahide
2
5
Lesenswert?

Das ist

die Welt die sich die „Mächtigen“ erschaffen haben. Und immer wenn von Links jemand schreit „höhere Steuern auf Kapitalerträge, Vermögen“ nimmt der brave Hackler die armen Aktionäre, die sich an seiner Arbeitskraft dumm und dämlich verdienen, auch noch in Schutz! „Brauch ma nicht“

LaPantera69
11
20
Lesenswert?

Marktanalyse

Ich würde mir eher eine wöchentliche Analyse des Marktes erwarten, und keinen Schwank aus dem Leben...

duerni
7
67
Lesenswert?

Sell in May and go away ........

. das kann ich aber erst, wenn ich vorher gekauft hatte. Aktien und Anleihen sind aktuell ohnehin das einzige Mittel gegen Kaufkrafteinbuse des Ersparten. Dass Aktien etc. immer mit Risiko verbunden sind und die Börse 2020 - covidbedingt - ohnehin alle Regeln ausser Kraft gesetzt wissen wir.
Dieser Artikel ist entbehrlich - er sagt nur Triviales, das jeder weiß, der sich mit der Börse beschäftigt. Was wichtig wäre ist, der Bevölkerung ein Grundwissen über die Geldanlage an der Börse zu vermitteln, um Angst vor Verlusten zu nehmen.
Das sollte in der Mittelschule beginnen!

joiedevivre
16
8
Lesenswert?

Fondsparen ist das Stichwort

Das Sparbuch ist tot. Wer Geld durch die Inflation verlieren möchte der kann es dort anlegen.
An investieren in Aktien, breit gestreut in einem Fonds führt kein Weg vorbei.

Als Tipp sei hier das Fintech Startup Own360 genannt.

melahide
0
1
Lesenswert?

Own360

Hab ich auch seit ähhh… 2019 hab ich das probiert. Geht immer schön rauf und runter. Man weiß dann bald, wann man kaufen und wann man verkaufen muss …

zweigerl
29
44
Lesenswert?

Zockergeneration

Diese "Bildung" scheint mir gleichfalls entbehrlich, da sie das Zeug hat, nicht mehr wirkliche Bildung zu vermitteln, sondern eine Zockergeneration zu züchten, die wirklich des Glaubens ist, nicht die Real-, sondern die Börsenwirtschaft besitze eine ökonomische Effizienz.

pescador
18
46
Lesenswert?

zweigerl

Geld in Aktien zu veranlagen hat mit zocken nichts zu tun. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, braucht es eben Finanzbildung.

heku49
4
19
Lesenswert?

Sehr richtig! Aber sich ein breites Basiswissen vor dem Handeln mit Aktien

aneignen ist wichtig!
Etwas leichter der Einstieg ins Fondssparen.....aber zum Aufbau eines kleinen Vermögens gut geeignet....und der Start ist mit 30 Euros im Monat möglich....

melahide
0
6
Lesenswert?

30 Euro im Monat

möglich. Dann lege Sie im Jahr heiße 360 Euro auf die Seite. Ein sehr kleines Vermögen ..