Kolumne vom BörsenparkettLogbuch eines Börsianers: Bulle, Bär und Mozartkugel

In seinem wöchentlichen "Logbuch eines Börsianers" bilanziert der erfahrene Kapitalmarktexperte Josef Obergantschnig das aktuelle Börsengeschehen.

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Josef Obergantschnig
Josef Obergantschnig © © Ethico
 

Josef Obergantschnig ist Präsident des Wirtschaftsethikklubs Ethico und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen. In seinem "Logbuch eines Börsianers" schildert der erfahrene Kapitalmarktexperte für die "Kleine Zeitung" seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in diesem - auch auf dem Börsenparkett - ereignisreichen Zeiten und zieht jeweils eine Wochenbilanz.

Samstag, 4. Dezember: Börsen-Euphorie ist verflogen

Es ist düster. Zappenduster. Bis vor wenigen Tagen konnten die wenigsten von uns etwas mit dem Begriff „Omikron“ anfangen. Ausgenommen jene, die schon irgendwann einmal die Omikron Inseln in der Antarktis besucht haben. Aber davon werden vermutlich nur sehr wenige berichten können. Ein Schluck von meinem Espresso. Ich stelle mir gerade die Frage, ob ich ihn in der arktischen Kälte gegen eine Thermoskanne Tee eintauschen würde? Aber das ist ein anderes Thema. Astronomen unter uns werden wissen, das Omikron den 15. Stern einer Sternenbildgruppe bezeichnet. Und alle Griechen werden in Omikron den 15. Buchstaben des Alphabets, welcher als kleines „o“ übersetzt werden kann, wiedererkennen. Für mich bedeutet Omikron dieser Tage nichts Gutes. Schließlich wird damit eine neue, aggressive Mutation des Corona-Virus bezeichnet. Omikron sorgt auch an den Börsen für Ungemach. Die Euphorie scheint weitestgehend verflogen zu sein. Bulle und Bär kriegen sich wieder kräftig in die Haare und blicken in eine nebulöse Zukunft.

Diese Woche wurden wieder die aktuellen Inflationszahlen veröffentlicht. In Deutschland ist die Inflation mit 5,2 Prozent auf den höchsten Wert seit 1992 geklettert. Ausschlaggebend dafür war unter anderem auch der starke Anstieg der Energiepreise. Der Global Commodities Index ist durch die Omikron-Unsicherheiten um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Ob das zu einer Entspannung der Lage führt, wage ich im Gegensatz zu EZB-Präsidentin Christine Largade aber zu bezweifeln. Naja, zumindest Fed-Präsident Jerome Powell sieht die Entwicklungen ebenfalls mit entsprechender Skepsis. In Österreich liegt die Inflationsrate mit „nur“ 4,3 Prozent noch etwas unter der 5-Prozent-Marke, aber immerhin deutlich über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent. Da ist guter Rat teuer. Das gilt sowohl für Notenbanker aber auch für uns Private.

Buchtipp

Der Finanzmarktexperte Josef Obergantschnig hat die dramatischen Entwicklungen an den Börsen ab März in Form eines – auch via Kleine Zeitung online geführten – Tagebuchs
festgehalten.

Seine pointierten und hintergründigen Kolumnen sind unter dem Titel „Tagebuch eines Börsianers – Corona Crash 2020 – Wie alles begann“ nun auch in Buchform erschienen (SCEN.Zeitwertverlag.ruhr; 500 Seiten; 20,20 Euro).

Hier geht's zum Video Buchpräsentation

Uneinigkeit gibt es darüber, wie die zukünftige Notenbankpolitik ausgerichtet werden soll und ob die aktuellen Zahlen nur eine Momentaufnahme sind oder wir uns auf eine längere Phase mit höheren Inflationszahlen einstellen müssen. Jeder von uns steht vor dem Problem, den realen Erhalt seines Vermögens sicherzustellen. Um das zu bewerkstelligen, muss man schon deutlich ins Risiko gehen. Unterstellt man, dass man im Zinsbereich nach Kosten nicht wirklich viel verdienen wird, benötigt man bei einer optimistischen Ertragserwartung von acht Prozent schon eine Aktienquote von 60 Prozent. Das ist nichts für schwache Nerven und auch definitiv nicht für jeden von uns geeignet. Da ist es irgendwie beruhigend, dass die Gewinne bei den Unternehmen sprudeln. Die Profit-Margen sind auf das höchste Niveau seit 1950 gestiegen.

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Danke für Ihr Verständnis.

robertrr
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Phillips Kurve

Die Nachfrage nach Arbeitskräften, die auch wirklich wertschöpfend sind, wird spätestens nach der Corona Krise explodieren. Das ist ein gesellschaftliches Problem, dass wir keine Leute mehr finden die echte Arbeit verrichten.

TrailandError
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Wie deppert is die Menschheit

geworden..... die da alle spekulieren bilden sich nich ein das sei reelle Arbeit und trägt zur gesunden Wirtschaft bei?! Einige Wenige bekommen viel Geld auf Kosten vieler Sparer-abartig!!!

melahide
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Das ist

die Welt die sich die „Mächtigen“ erschaffen haben. Und immer wenn von Links jemand schreit „höhere Steuern auf Kapitalerträge, Vermögen“ nimmt der brave Hackler die armen Aktionäre, die sich an seiner Arbeitskraft dumm und dämlich verdienen, auch noch in Schutz! „Brauch ma nicht“

LaPantera69
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Marktanalyse

Ich würde mir eher eine wöchentliche Analyse des Marktes erwarten, und keinen Schwank aus dem Leben...

duerni
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Sell in May and go away ........

. das kann ich aber erst, wenn ich vorher gekauft hatte. Aktien und Anleihen sind aktuell ohnehin das einzige Mittel gegen Kaufkrafteinbuse des Ersparten. Dass Aktien etc. immer mit Risiko verbunden sind und die Börse 2020 - covidbedingt - ohnehin alle Regeln ausser Kraft gesetzt wissen wir.
Dieser Artikel ist entbehrlich - er sagt nur Triviales, das jeder weiß, der sich mit der Börse beschäftigt. Was wichtig wäre ist, der Bevölkerung ein Grundwissen über die Geldanlage an der Börse zu vermitteln, um Angst vor Verlusten zu nehmen.
Das sollte in der Mittelschule beginnen!

joiedevivre
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Fondsparen ist das Stichwort

Das Sparbuch ist tot. Wer Geld durch die Inflation verlieren möchte der kann es dort anlegen.
An investieren in Aktien, breit gestreut in einem Fonds führt kein Weg vorbei.

Als Tipp sei hier das Fintech Startup Own360 genannt.

melahide
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Own360

Hab ich auch seit ähhh… 2019 hab ich das probiert. Geht immer schön rauf und runter. Man weiß dann bald, wann man kaufen und wann man verkaufen muss …

zweigerl
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Zockergeneration

Diese "Bildung" scheint mir gleichfalls entbehrlich, da sie das Zeug hat, nicht mehr wirkliche Bildung zu vermitteln, sondern eine Zockergeneration zu züchten, die wirklich des Glaubens ist, nicht die Real-, sondern die Börsenwirtschaft besitze eine ökonomische Effizienz.

pescador
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zweigerl

Geld in Aktien zu veranlagen hat mit zocken nichts zu tun. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, braucht es eben Finanzbildung.

heku49
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Sehr richtig! Aber sich ein breites Basiswissen vor dem Handeln mit Aktien

aneignen ist wichtig!
Etwas leichter der Einstieg ins Fondssparen.....aber zum Aufbau eines kleinen Vermögens gut geeignet....und der Start ist mit 30 Euros im Monat möglich....

melahide
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30 Euro im Monat

möglich. Dann lege Sie im Jahr heiße 360 Euro auf die Seite. Ein sehr kleines Vermögen ..