Vor RazziaMedienforscherin Beinschab wollte Chats löschen

Bereits am Tag der Hausdurchsuchung vergangenen Mittwoch berichteten Medien, dass die Meinungsforscherin Sabine Beinschab noch vor der Razzia hektisch versucht haben soll, ihre Computerfestplatte zu löschen.

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© APA/CHRISTIAN FORCHER
 

In der Affäre um mutmaßlich gefälschte Meinungsumfragen und Studien rund um Sebastian Kurz und die ÖVP, die aus Steuergeldern vom Finanzministerium bezahlt worden sein sollen, liegt nun mehreren Medien die 103 Seiten starke Festnahmeanordnung gegen Sabine Beinschab vor. 

„Standard“ und "Kurier" berichteten Freitagabend, dass Beinschab am 30. September, wenige Tage vor der Hausdurchsuchung am 6. Oktober, im Internet nach Möglichkeiten suchte, um Spuren zu beseitigen. Die Zeitungen berufen sich auf die Festnahmeanordnung. Demzufolge sollen sich in ihrem Suchverlauf Anfragen finden zu „iCloud löschen iPhone6“ und „iCloud löschen“ wiederfinden. Bei der Razzia wurde allerdings nur ein iPhone 11 sichergestellt, ein iPhone 6 wurde nicht gefunden.

„Die Auswertung der WhatsApp-Chatverläufe mit Wolfgang Fellner, Nikolaus Fellner, Mag. Helmut Fellner sowie MMag. Dr. Sophie Karmasin brachte das Ergebnis, dass Sabine Beinschab diese Chats mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Abend des 5. Oktober 2021 zwischen 22:37:46 und 22:40:29 Uhr (jeweils MESZ) geleert hat“, heißt es auf Seite 98 der Anordnung. „Dies ist insoweit bemerkenswert, als sich aus einer Zusammenschau aller WhatsApp-Chatlöschungen ergibt, dass die Löschungen der WhatsApp-Chats zielgerichtet an diesem Tag (nur) bei den genannten Personen stattfand, andere Chatpartner nicht betraf und kein regelmäßiges Löschen von Chats vorliegen dürfte.“

Die Internet-Recherche fand zwei Tage nach einer Pressekonferenz von Vize-ÖVP-Generalsekretärin Gabriele Schwarz zu Gerüchten über mögliche Hausdurchsuchungen statt. Am 5. Oktober, dem Tag vor der Hausdurchsuchung, soll sie „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ WhatsApp-Chats mit den ebenfalls Beschuldigten Wolfgang und Helmuth Fellner von „Österreich“ und der ehemaligen ÖVP-Ministerin Sophie Karmasin gelöscht haben, berichtete auch der „Kurier“.

Screenshots

Laut den Medienberichten soll Beinschab bis zuletzt mit Johannes Frischmann, zu diesem Zeitpunkt noch Pressesprecher von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Sprecher im Finanzministerium, kommuniziert haben – im August noch via WhatsApp, danach über Signal. Das sei über Screenshots nachweisbar, berichtete der „Kurier“ von den Ermittlungen.

Verdunkelungsgefahr

Beinschab war Dienstagfrüh an ihrer Privatadresse wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen worden, wobei die Festnahmeanordnung ein Richter bewilligt hatte. Im Anschluss soll sie – offiziell nicht bestätigten – Informationen der APA zufolge im Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) vernommen worden sein. Am Donnerstag wurde die Meinungsforscherin wieder enthaftet. Es sei kein Antrag auf U-Haft gestellt worden, hieß es vonseiten der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).

Frisierte Umfragen, Scheinrechnungen

Beinschab steht im Verdacht, gemeinsam mit ihrer Kollegin und Ex-ÖVP-Ministerin Sophie Karmasin frisierte Umfragen für die Tageszeitung „Österreich“ erstellt zu haben, die Kurz und der ÖVP genützt haben sollen. Zudem soll sie Scheinrechnungen gestellt haben. Damit werden ihr Beitragstäterschaft zu Untreue und Bestechung vorgeworfen. Für Beinschab gilt die Unschuldsvermutung.

Noch offen ist, wieweit Beinschab in den vergangenen Jahren, die nicht mehr durch Chats dokumentiert sind, politisch gefällige Studienergebnisse geliefert hat. Dass sie weiterhin sowohl für das Finanzministerium als auch für die „Österreich“-Mediengruppe gearbeitet hat, ist bekannt.

Kommentare (49)
WSer
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Ist das Löschen von Nachrichten auf seinen privaten Handy verboten?

Zuerst wurde ja gar behauptet, dass sie die Festplatte ihre PC's gelöscht hat - was sich als Lüge herausstellte.

Lodengrün
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Wer nichts zu verbergen hat

braucht nichts zu löschen. Und dann noch in Eile macht dich gleich nochmals verdächtiger. Sie kommt aber nicht aus denn die Rechtshilfe wurde schon in die Wege geleitet. Die cloud wird geöffnet und da sind sie dann wieder die Chats

voit60
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Wer verrate eigentlich all diese Hausdurchsuchungen?

Kann man hier gar von einem Türkisen Netzwerk im Innenministerium ausgehen. Weswegen wohl sonst gab es diese hysterischen, unnötigen Pressekonferenz von der S hwarz und dem Lustigen. Auch diese Meinungsforscherin dürfte wohl gewarnt worden sein. Da steht Amtsmissbrauch im Raum.

voit60
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Der Guten

stehen vielleicht ein paar handyfreie Jahre bevor.

altbayer
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2015

2015 gab es noch anonyme Prepaid Handys. Es zeugt von der Inteligenz unsere Elite, dass sie diese Chats vom offiziellen Handy aus führten.
Die Emails wären auch von anonymen Email-Adressen (gmx etc.) möglich gewesen.
Dazu eine Cloud zum Sicherung der Daten?
Alleine für die Dummheiten gehören sie bestraft.

Guccighost
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mich würden die Chats vom LH

interessieren als er Erfahren hat das sein Sohn nicht nach Brüssel darf.

Lodengrün
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Ausfällig

war er garantiert nicht. Wird alle Hebeln aufgerufen haben das das doch vielleicht noch geht. „Mein Freund kannst da nicht was machen“.

mangogue
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Funktion streichen!

Ich schlage vor, dass alle Mobiltelefonhersteller auf ihren Geräten die Chatfunktion sperren: gilt selbstverständlich nur für Spitzenpolitiker und deren Familien. Dann wären die Burschen wieder gezwungen ihre Gschäftln in verrauchten Hinterzimmer in Vorstadtgasthäusern auszumauscheln ... wie in den guten alten Zeiten

Lepus52
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Ich schlage vor...

dass man in Österreich bei Wahlen mehr auf Anständigkeit und Ehrlichkeit wert legt und sich nicht durch Show und Werbung (Propaganda) blenden lässt. Da unterschreibt eine gesamte Regierungsmanschaft ein Papier, dass 12 Stunden später wertlos ist. Kann man solchen Leuten trauen? Haben wir aus den teuren und vernichtenden, diabolischen Schauspiel eines Haiders nichts gelernt?

FRED4712
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viele Wähler

LEIDER nicht ......ich würde gerne mal eine Umfrage machen, wie viele Wähler auch nur den namen des vorherigen BP kennen......ich befürchte, uns würde schlecht werden.....und da gibts Bestrebungen, das Wahlalter auf 16 zu senken (vorerst in BRD, so weit mir bekannt).....eh klor, steht ja dann im handy, wen man wählen soll......andere Informationsquellen haben vor allem junge Leute praktisch gar nicht

Landbomeranze
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Wenn der, für den sie unterschrieben haben,

nicht will, dann können sie Schöneres gehen.

david965bc
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Seit dem Bekanntwerden, das die Staatsanwaltschaft die Chats von Thomas Schmid hatte,

musste ja allen Beteiligten klar sein, das sie ihre Daten vernichten müssen, wenn sie etwas Kriminelles begangen haben. Das man das erst kurz vor der Hausdurchsuchung macht ist für mich nicht nachvollziehbar.

STEG
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Wenn man annimmt,

nicht verdächtig zu sein, dann schon. Datenlöschungen im letzten Moment zeigen, das jemand von seiner Unschuld dann doch nicht so überzeugt war.

peter800
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..

Wärst du in der politik und es "könnte" ermittelt werden würdest auch alles löschen.. Weil rechtlich auch nich relevantes wie der A.. Sager werden dann veröffentlich.. Wer hätte genau an sowas interesse?

Lepus52
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Gerade dann würde ich nicht löschen,

denn rechtlich unrelevante Sager mich zwar als "Prolet" outen aber nicht als kriminellen Politiker. Sollte ich solche Ausdrücke verwenden, dann stehe ich auch öffentlich dazu, auch wenn ich sie öffentlich nicht verwenden würde.

peter800
33
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..

Weil man also scheinbar "nichts" relevantes gefunden hat, wird es so dargestellt als das alles mutmaßlich belastende gelöscht wurde.. Und man trotzdem schuldi ist.. Hat aber nix.. Ich zweifel langsam an unserem Rechtsystem..

checker43
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peter800

Der Text oben stammt aus dem Durchsuchungsanordnung. Der Artikel enthält deshalb noch überhaupt keine Auswertung der bei der Durchsuchung sichergestellten Daten. Also sollten Sie nicht behaupten "es wurde nichts Relevantes" gefunden. Außerdem gab es schon vor der Hausdurchsuchung so viel Relevantes gegen Beinschab, dass es für eine Anklage leicht reichen dürfte.

steirischemitzi
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.

lesens den Artikel nochmal, vielleicht leuchtets dann.

peter800
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..

Eventuell selbst noch mal lesen!! ... Es wird im artikel nur so dargestelt.. Jedoch ohne den Hinweis einen einzigen hanfesten beweis zu haben...

X22
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Ja die Naivität kann grenzenlos sein

wenn man sich auf den Spuren der Wahrheitsfindung befindet.
Man weiß jetzt zB., dass nur die Chats, mit denen die im gleichen Boot sitzend sind, gelöscht wurden, zu einem Zeitpunkt, wo die Kacke zum dampfen began.
Ist ja nur ein Puzzlestück vom Ganzen, manche können halt auf Grund ihrer Lebenserfahrung mehr damit anfangen andere eben nicht

david965bc
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Die Staatsanwaltschaft wird sich jetzt womöglich auf die Suche

nach der Handynummer des IPhone6 machen, denn die Daten auf der Cloud sind ja womöglich im Netz gespeichert und nicht auf dem Handy, denke ich.

Guccighost
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und übrigens vielleicht

veröffentlichen sie alle Chats die bei der SPÖ während der Silbersteinaffaire
gemacht worden sind.
was da wohl zu Tage kämme.
Also die Roten sollten eigentlich schön ruhig sein

DannyHanny
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Guccighost!

Ihr Vorschlag ist zwar gut gemeint, weil Sie glauben " ablenken und andere anpatzen" hilft dem Wunderbasti!
Aber bei der Affäre würde ich vorsichtig sein, denn der wollte doch unbedingt im Flugzeug neben Silberstein sitzen! Vermutlich nicht um gemütlich Kaffee miteinander zu trinken!

rand
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Mit

andere anpatzen sind die Roten seit Silberstein Weltmeister.

9956ebjo
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Oder Top-Team

Der LH hat sich nicht mehr erinnern können, vielleicht hätte eine Chatanalyse geholfen.

Guccighost
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Wenn man sieht von wem sich die SPÖ

während des Wahlkampfes hat beraten lassen ist das noch heilig.
Vielleicht sollte man da auch nachforschen.
Kämme auch noch einiges zutage

 
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