ÖVP-ErmittlungenSchwarze Einsicht: "Es darf keine One-Man-Show mehr geben"

Sollten Chats auftauchen, in denen "Landeshauptmänner oder Landeshauptfrauen massiv beleidigt werden", seien die Tage von Sebastian Kurz auch als Parteichef gezählt, meint Tirols Wirtschaftskammerchef Christoph Walser. Die ÖVP werde künftig keine "One-Man-Show" mehr sein.

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Tirols WK-Präsident Christoph Walser: "Dass Kurz als Parteiobmann bleibt, wird schwierig, wenn neue Chats auftauchen."
Tirols WK-Präsident Christoph Walser: "Dass Kurz als Parteiobmann bleibt, wird schwierig, wenn neue Chats auftauchen." © APA/JOHANN GRODER
 

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (ÖVP) hält Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz zwar trotz der Inseraten-Korruptionsaffäre für "schon noch tragbar" als Obmann der Volkspartei, macht dessen Verbleib aber vom Auftauchen möglicher weiterer Chats abhängig. Sollten noch Chats publik werden, in denen etwa "Landeshauptmänner oder Landeshauptfrauen massiv beleidigt werden", dann "wirds schwierig", sagte Walser im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Bekanntlich hat die WKStA erst rund ein Drittel der Chats von Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid ausgewertet.

"Keine One-Man-Show mehr"

Massiven Gesprächsbedarf ob der bekannt gewordenen Chats sah Walser jedenfalls bereits jetzt. Es brauche eine "interne Aufarbeitung" der Geschehnisse. Und der gewichtige Tiroler WK-Präsident und Wirtschaftsbund-Vize machte klar, dass parteiintern einiges nicht so bleiben könne, wie es bisher war: "Es darf keine One-Man-Show mehr geben".

Einige Fundamente der Partei seien in der Ära Kurz "ein bisschen mit Füßen getreten worden". "Es braucht eine Rückbesinnung auf Menschen, die auch mit der Normalbevölkerung Kontakt haben. Es braucht eine Erdung. Man hat sich ein bisschen von der Realität und der Basis entfernt. Wir sind die Volkspartei, die Partei des normalen Volkes - mit einer christlich-sozialen Gesinnung", richtete Walser den Verantwortlichen auf Bundesebene aus.

Glorifizierung statt Disput

In den vergangenen Jahren sei ein "System aufgebaut worden", in dem oft nicht zugelassen worden sei, dass es "da und dort kritische Stimmen" gibt: "Eine Partei lebt aber von konstruktiv-kritischen Stimmen und Menschen". "Es gilt vieles aufzuarbeiten", so Walser. Jemandem "jegliche Macht in die Hand zu geben" - dies werde es in Zukunft nicht mehr geben können. Kurz sei ja im Zuge seines politischen Aufstieges "glorifiziert" worden, fast als eine Art "Wiedergeburt Gottes".

Was die bisher veröffentlichten Chatprotokolle in Zusammenhang mit der Ablöse von Reinhold Mitterlehner offenbarten, sei "einer Partei nicht würdig". Dass man verdiente Funktionäre, die sich jahrzehntelang für die Partei eingesetzt haben, als "alte Deppen" abkanzle - "das tut man nicht".

"Kurz-Rückkehr unwahrscheinlich"

Dass Kurz im Falle der Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen während der laufenden Legislaturperiode als Kanzler zurückkehren könnte, hielt Walser indes für "eher unwahrscheinlich": "Es schaut eher nicht so aus, als dass das funktionieren würde". Zudem müsse man dann wohl auch auf den Koalitionspartner Grüne Rücksicht nehmen. Denn sollte sich dieser gegen eine Rückkehr aussprechen und die Koalition gesprengt werden, wäre dies "kontraproduktiv".

Kommentare (99+)
FRED4712
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haider war echt super....

kärnten wird noch lange an ihn denken......ironie off.....manche kapieren es einfach nicht, wie sie von schwurblern geblendet werden......

Planck
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Sie haben eine völlig verdrehte Ansicht, was Politik ist.

Das "größte politische politische Talent seit Haider" ist nichts anderes als ein Alpentrump. Das Original (Don the Con (dt. Donald der Betrüger)) war auch für bestimmte Gruppen "the best president we ever had".
Realitätsverweigerung dieser Größenordnung hat immer Sektencharakter. Einem Sektierer ist das aber nicht beizubringen, was in der Natur der Sache liegt.
Was zwar möglicherweise lästig, aber insofern wurscht ist, als sich die Realität nicht um Sektierer schert.

selbstdenker70
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..

Und wer soll die " schwarze ÖVP" übernehmen? Die jüngeren haben sich alle um Kurz versammelt weil sie dort größere Perspektiven hatten, jetzt sind aber alle "infiziert". Bei der schwarzen ÖVP sind nur noch die müden 60+ Politiker übergeblieben. Also wer soll jetzt für die schwarzen eine Wahl gewinnen???

zeus9020
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SPÄTE EINSICHT

Die durchaus Trägheit bewirken seinerzeit bündeorientierte Entscheidungsstruktur der ÖVP ist aus gutem Grund derart gewachsen, um kürzlich spätpubertierende Alleingang im Machtrausch zu verhindern. Man wird, so lange es Typen in Türkis gibt, und die werden immer wieder emporzukommen versuchen, gut beraten sein zu Altbewährtem zurückzukehren und nicht den kurz'schen Widerlichkeiten neuerlich zu verfallen!

HASENADI
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Ok, er hat uns ja nur an ein Bein gepinkelt,...

erst wenn er das zweite...
Zum Glück ist die ÖVP hart im Nehmen.

Shiba1
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Ich vermute,

da werden noch einige Chats nachgeliefert werden, welche die Landeshäuptlinge nicht so amüsant finden werden.

cleverstmk
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Und???

Aber alle waren sie wie die Lemminge hinter Shorty her.

gonzolo
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Dabei erinnert ...

diese gesamte Kurz-Geschichte ja eklatant an den Haider-Knittelfeld-Putsch … und was dann in der Folge mit seiner Buben-Partie seinen Lauf nahm. Die gesamte Politik – die Korruption – das selbstverständliche Lügen – die Untergriffe - der politische Stil … alles wurde ganz normal im politischen Alltag und es gab in der politischen Kultur keine Untergrenzen mehr.
Haider hat die politische Unkultur nachhaltig in Österreich etabliert – und just jener, der nicht nur seine Themen „klaute“, sondern auch das System abkupferte (wenn auch ein bisschen „feiner“ und nicht auf Zeltfestniveau, sondern salontauglicher), der räumt die Kreuzerl an den Urnen ab?

Wie würde dann wohl eine Bestandsaufnahme – eine Analyse unserer Gesellschaft aussehen? … Haben die Leute überhaupt noch das Zeug zur Demokratie – oder reichts nur mehr für eine Oligarchie oder Diktatur?

peter800
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Is ja lustig..

.. Da wollen sich wohl manche jetzt stark machen falls kurz weg ... Solang kurz oben war Füsse küssen weil er bringt stimmen. .. Wenn er nicht ganz oben ist Attakieren
Weil dann ist sicher jeder selbst der nächste.. Is ja org peinlich

checker43
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Kurz

wird nicht fallengelassen, weil er "nicht mehr oben" ist (er war Kanzler und hatte gute Umfragewerte, falls Ihnen das entgangen ist), sondern weil sich ein Charakter und Methoden offenbarten, die ein Fallenlassen rechtfertigten. Ihre Partnerin wird Ihnen ja auch nicht mehr die Füße küssen, wenn sie Ihnen auf Leichen im Keller draufkommt. Da darf dann niemand heulen oder sich entrüstet-verwundert geben.

Patriot
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Ihr Schwarzen/Türkisen

habt schon lange keinen Kontakt mehr zur "normalen" Bevölkerung! Und jetzt ist er komplett gerissen.

Balrog206
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Stimmt

Die Prw war wenigstens einmal beim Impfen!

GustavoGans
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Dies ist sicherlich richtig

Leider hat auch die SPÖ schon lange keine Draht mehr zur normalen Bevölkerung.
Dies ist auch der Grund, wieso die Grazer zur KPÖ "überlaufen". Einer Partei die vermutlich auch nicht alles richtig machen wird, aber eine Partei, welche tatsächlich noch mit der Bevölkerung auf Augenhöhe kommuniziert.

Baldur1981
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haha

Bezeichnend, dass anscheinend alles eh okay ist für die ÖVP, solange ja kein heiliger Landeshauptmann attackiert wird. Die bisher bekannten Chats sind ausreichend, um Kurz für immer aus der Politik zu entfernen

HASENADI
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Man sieht,...

dass die Kurz-Partie diese vermögende Familie ordentlich gemästet hat.

gonzolo
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Ah schau einer an …

plötzlich will man sich wieder der alten schwarzen Tugenden entsinnen?! … Integrität, Erdung, Volksnähe, Korrektheit … und natürlich christlich-sozial …?!
Nur – das war doch die ÖVP nie … die hat doch schon immer nur für die Habenden und Besitzenden politisch alles angerichtet. Und „christlich“ war sie maximal insofern, als die katholische Amtskirche dasselbe oligarche Betriebssystem fährt – und „sozial“ war sie ausschließlich deshalb, weil ihr die Roten das hin und wieder für eine Zusammenarbeit in irgendeiner Koalition rauspressen konnten … über Jahrzehnte!

Jetzt schlägt man plötzlich ganz andere Töne an? … Dabei erklärte Schützenhofer noch vor ein paar Tagen, dass in Bezug auf die Kurz-Misere alleine seine Wahlerfolge relevant wären – und dass man natürlich voll hinter ihm stehe – und zwar alle, die in der ÖVP was zu sagen haben.

Und was den neuen Kanzler anbelangt – der könnte sich auch Schattenzwerg nennen, denn das entspräche wohl mehr dem, was er ist und welche politische Funktion er erfüllt …

Der Preis, um sich einen Kickl zu ersparen, ist denkbar hoch – und so richtig weiß man wohl nicht mehr, wo genau das größere Übel hockt …

mobile49
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heute sah ich eine doku über turkmenistan

der "landeschefkult" - gelinde ausgedrückt- ist dort ähnlich wie in anderen diktatorisch gegängelten staaten und die "lobhudeleien" der bevölkerung hat mich stark an die , nicht unähnlichen "lobhudeleien" der letzten 2 tage in österreich gemahnt .
ja nix falsches gegen den "gottgleichen" hervorwürgen - man kann es nicht harmloser beschreiben - leider

ironie off

wenn es nun endlich zu einem aufwachen des "umfeldes" - mögen sie nun welche farbe auch immer haben - wäre ein zeichen , ganz so "glorifizieren" sollte man niemanden - auch wenn kurz nicht mit "unbewunderung" umgehen kann - er ist alt genug , um das endlich zu lernen
punkt

Lodengrün
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Nun

wenn der Witschaftsbund sich meldet werden auch die anderen Bünde sich zu Wort melden. Dann ist Kurz wirklich bald „dead like a dodo“ oder wie ein Luftballon bei dem die Luft raus ist.

baecki
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Reinigendes Gewitter

Vielleicht wird die ÖVP durch diese Vorkommnisse wieder eine demokratische Partei. Ein Anbetungsverein hat in der Politik nichts verloren.

Gedankenspiele
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Da zeigt die ÖVP wieder ihr wahres Gesicht.

Wenn Kurz für den eigenen politischen Erfolg Kinderbetreuungsgeld verhindert, auf das viele Familien angewiesen sind, ist das ok.
Wenn Kurz die Landeshauptleute belidigt haben sollte, "ja dann wirds schwierig".

Gegen Kurz wird strafrechtlich ermittelt.
Moralisch ist er bereits jetzt schuldig zu sprechen.

Kurz ist nach allen Chats, die bis jetzt bekannt sind, auch als Klubobmann nicht tragbar!

walterkaernten
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Susanne RAAB

Die ehemalige ministerin hat heute laut ORF bericht eine ganz andere darstellung gebracht.
Wesentliches wurde aus dem zusammenhang gerissen und dadurch ist ein flasches bild entstanden

Wäre auch gut, wenn die KLEINE ZEITUNG da recherchieren würde und dann NEUTRAL berichten könnte

Baldur1981
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hihi

Der Sprechroboter Raab sollte nicht befragt werden.

lieschenmueller
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Als Meme gibt es Textbausteine der Türkisen

"aus dem Zusammenhang gerissen" "falsches Bild entstanden" - wortgleich Ihre Zeilen dabei, walterkaernten.

Gedankenspiele
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@walterkaernten

Und hat Frau Raab auch erklärt wie Kurz die Aussage "Kannst du das (Kinderbetreuungsgeld) verhindern?" gemeint hat?

Das ist doch ein lächerlicher letzter Versuch, einen türkisen Spin da rein zu bringen.

Kurz und seine Mitstreiter-innen sind nicht mehr glaubwürdig!

mobile49
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@Gedankenspiele

wann waren sie glaubwürdig ?
nur so eine kurze frage
ich erwarte keine antwort
ironie off

walterkaernten
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@ gedankenspiele

Bitte bei ORF nachlesen

Keine ahnung ob diese variante stimmt, aber die staatsanwaltschaft sollte das genau prüfen.
Danach eine wahrheitsgetreue veröffentlichung.

SagServus
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Keine ahnung ob diese variante stimmt, aber die staatsanwaltschaft sollte das genau prüfen.

Die Staatsanwaltschaft hat das bereits auf den ihr vorliegenden Dingen geprüft und sich ein Bild gemacht. Wenn Kurz meint, er wurde falsch verstanden und die Chats sind aus dem Zusammenhang gerissen, dann wird er es, im Falle einer Anklage bzw. einer Einvernahme entsprechend aufklären können. Wenn er es kann, wird das die Staatsanwaltschaft berücksichtigen.

Abgesehen davon, dass die Chats mit dem Kinderbetreuungsgeld wohl eher juristisch unproblematisch sind sondern eher eine schwer moralische Verfehlung sind.

Bezweifle das die Justiz diese Auswüchse von Kurz groß behandeln wird.

checker43
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Diese

Chats zeigen die enge Zusammenarbeit von Kurz und Schmid auf. Die ja von manchen bestritten wurde. Die Topredierung der Nachmittagsbetreuung ist natürlich nicht relevant für den Verdacht der Falschaussage und der Bestimmungstäterschaft. Aber der Chat an sich schon.

levis555
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Wie immer reitet hintennach die Urschl…

… bis zur nächsten Lichtgestalt, wo dann wieder alle Schwarzen ihre „Werte“ aufgeben, und Verrat an ihren Prinzipien üben

SagServus
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...

Kurz ist dann wohl Geschichte.

Wenn die Partei ihm wieder sämtliche gewährten Durchgriffsrechte entzieht, wird er wohl von selbst gehen.

Das hält der nie aus, dass er eventuell nach einer anderen Pfeife tanzen muss.

Lodengrün
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Seine Eitelkeit

muss durch diese Meldungen sicher furchtbar leiden. Mit Kritik konnte er nie, Fehler hat er nie gemacht, sich zu entschuldigen liegt ihm fern.

wiwo64
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@servus

Und hoffentlich mit ihm die "Pretorianer" und alle anderen Gefolgsgetreuen.
Da ist ein Eisenrechen zu wenig, der nun die ÖVP durchkämmen muß!

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