TreibhausgaseEntlastung durch Corona-Delle, "aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen"

Österreich ist säumig in Sachen Klimaschutz. Zuletzt wurden die konkreten Ziele von der EU-Kommission kräftig in die Höhe geschraubt, um die Vorgaben des Pariser Abkommens zu erreichen. Das Sorgenkind ist der Verkehr. Die Pandemie sorgte nur kurzfristig für eine Entlastung.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Vor allem der Verkehr ist daran schuld, dass Österreich die Ziele weit verfehlt - aktuell staut es sich wieder einmal im Reiseverkehr.
Vor allem der Verkehr ist daran schuld, dass Österreich die Ziele weit verfehlt - aktuell staut es sich wieder einmal im Reiseverkehr. © APA/DANIEL RAUNIG
 

Das Klimaschutzministerium zog heute Bilanz über das Treibhausgas-Jahr 2020. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne)  und Günther Lichtblau vom Umweltbundesamt konnten Erfolge vermelden, die allerdings der Corona-Pandemie geschuldet sind. Mittel- und langfristig sei nach wie vor Sorge angebracht.

Österreich ist säumig mit Maßnahmen zum Erreichen eines geringeren CO2-Ausstoßes. Hauptbelastungsfaktor ist der Verkehr. Aber das Pandemie-Jahr 2020 brachte zwischendurch gerade dort eine Entlastung. Gewessler: "Die Emissionen sind 2020 um 7,7 Prozent gesunken, das sind 6,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente."

Ziel - vorläufig - erreicht

Damit hat Österreich in der langfristigen Betrachtung das Klimaziel 2020 erreicht - bis zum Vorjahr schien dieses Ziel in weiter Ferne. Dieses Ergebnis sei aber keines, auf dem man sich ausruhen dürfe, "sondern ein Auftrag." 73,7 Millionen Tonnen Treibhausgase seien im Vorjahr ausgestoßen worden - der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1990.

Corona-Delle bei den Treibhausgasen: Die gelbe Linie (die Emissionen) endet unterhalb der blauen Ziellinie, das wird sich bald wieder ändern. Foto © Umweltbundesamt

Der Verkehr macht 30 Prozent aller CO2-Emissionen aus. Im vergangenen Jahr waren es nur 27 Prozent. Der erste Lockdown brachte einen Einbruch von 50 Prozent bei der verkauften Treibstoffmenge, im hochrangigen Verkehrsnetz (auf den Autobahnen)  ein Minus von bis zu 70 Prozent, im städtischen Verkehr ein Minus von 30 bis 50 Prozent. Lichtblau: "Wir hätten es nicht für möglich gehalten, dass eine solche Reduktion überhaupt möglich ist."

Effekt schon wieder verpufft

Die schlechte Nachricht: Erstes liegt man damit immer noch nicht unter dem Niveau von 1990, was das Langfristziel ist. Schlimmer noch: Der Effekt ist schon wieder vorbei. Schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 ging es wieder bergauf, "heute sind wir schon fast wieder auf Vorkrisenniveau, obwohl noch einzelne Branchen im Homeoffice sind, obwohl der Tourismus noch nicht voll hochgefahren ist." Dass es so schnell ging, hat Lichtblau ebenfalls überrascht...

Gewessler: "Es ist eben eine Corona-Delle, kein Ergebnis zum Ausrasten." Im Gegenteil: Gewessler leitet daraus erst recht einen Handlungsauftrag ab. Menschen, die aus Gründen der Sicherheit in Corona-Zeiten aufs Auto umgestiegen seien, müsse man dazu motivieren, wieder den öffentlichen Verkehr zu nützen. Im Güterverkehr würden die Auswirkungen des Transits überschätzt, so Lichtblau. Gerade auch in Bezug auf einen zweiten Faktor, die Stickoxide. "Da geht es vor allem darum, den hausgemachten Verkehr zu managen."

Mellach wirkt

Ebenfalls 30 Prozent der Emissionen machen Energieerzeugung und Industrie aus. Hier sei durch die Stilllegung des letzten Kohlekraftwerks in Österreich, Mellach, ein Sprung gelungen. Allein 800.000 Tonnen CO2 weniger mache diese Einzelanlage aus. Das Ziel, im Jahr 2030 nur noch Strom aus erneuerbaren Energien zu haben, sei erreichbar, dafür sei mit dem  Erneuerbaren-Gesetz gesorgt. "Und wir werden es auch schaffen, den Wärmebereich zu dekarbonisieren." 750 Millionen Euro wurden für Umstellungs-Forderungen bereitgestellt.

Im Bereich der Industrie, beim Emissionshandel, wurde mit 8,6 Prozent sogar ein noch stärkerer Rückgang als im Durchschnitt erzielt.

"Lasse mich nicht bremsen"

Gewessler ist voll motiviert: "Das schöne ist, wir wissen, wie es geht. Jetzt geht es  darum, Jahr für Jahr bis 2040 so weiterzumachen. Ich lasse mich nicht bremsen. Der Klimaschutz ist die ganz große Herausforderung unserer Zeit!"

Österreich sei mittendrin in der Aufholjagd bei den Maßnahmen. Es sei jenes europäische Land, das den Corona-Wiederaufbaufonds am durchgängigsten für den Klimaschutz nütze, das die Investitionsförderungen am konsequentesten an klimaschonendes Verhalten binde. Die Investitionen in die ÖBB und das Klimaticket seien ein wichtiger Meilenstein.

Nationaler Emissionshandel?

Der nächste Schritt seien die steuerlichen Maßnahmen, wobei gerade geklärt werde, ob man an den bestehenden Abgaben anknüpfe oder ein Emissionshandelssystem auch für nationale Emissionen implementiere. Das Grundprinzip: "Klimafreundliches Verhalten soll sich lohnen, klimaschädliches Verhalten bekommt seinen gerechten Preis."

"Die Maßnahmen wirken", zeigte sich auch Lichtblau überzeugt. Auch, wenn man die Ergebnisse erst Mitte des Jahrzehnts so richtig sehen werde.

Die EU hatte die konkreten Abbaupläne zuletzt kräftig nach oben geschraubt. Die Erde wird sich bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen und damit zehn Jahre früher als 2018 prognostiziert. UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief die "Alarmstufe Rot" aus.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

steirerman99
2
2
Lesenswert?

neue Straßen...S7

die Politik spricht vom einsparen, und baut neue Transitautobahnen durch Österreich.
die S7 Transitautobahn (30 Km Bodenversiegelung) bringt uns lt. Asfinag und UVP Bescheid um ca. 40.000 Fahrzeuge mehr am Tag.
Verkauft wurde die Straße den Bürgern als Ortsumfahrung und Beruhigung.
Fürstenfeld steht an 1. Stelle bei Bodenversiegelung und Umweltzerstörung.
Nicht einmal richtige Radwege gibt es in der Stadt........

Natur56
0
1
Lesenswert?

@steirerman99

Das ist wieder unnötig oder was glaubst wie es den Menschen seit Jahren in Großwilfersdorf oder Rudersdorf ergeht. und die 40.000 ziehen jetzt schon durch . Leute, Leute seid doch nicht so egoistisch denkt an die Menschen die jetzt entlang dieser Straßen wohnen und seid Jahren diesen Lärm und Dreck haben.

fans61
0
0
Lesenswert?

Alles nur ein

Test.

Wuffzack3000
9
6
Lesenswert?

Steuern rauf,

Diesel auf 10 Euro pro Liter und das Klima ist gerettet!

@Politik: Legt los!

PoetschSt
3
6
Lesenswert?

Schon davon gehört, dass Dieselautos weniger CO2 ausstoßen als Benziner?

.

Natur56
4
3
Lesenswert?

@poetschST

Es ärgert mich aus das hier sg. Experten den Mund aufmachen und Schmarren verteilen. Aber wie sollen sie es besser wissen wenn ihnen die Politik das vorplappert , überhaupt die Grünen die keine Ahnung haben.

Natur56
6
18
Lesenswert?

Diesel + Photovoltaik

Die neuen Dieselfahrzeuge würden auch zur Reduktion beitragen ebenso synthetische Kraftstoffe.
Aber z.B. Photovoltaik-Anlagen werden nicht hoch genug gefördert und ebenso die Speicher dazu. Also wo sollen wir alle den Strom für unsere Autos hernehmen Frau Gewessler. Bzw. wo entsorgen wir die Batterien?
Ich weiß nicht warum unsere Politiker nicht fertig denken?????

Stratusin
5
6
Lesenswert?

Sie beschäftigen sich Zuviel mit den Fragen,

aber in keinsterweise mit den bereits vorhandenen Lösungen. Nehmen Sie sich die Zeit und durchsuchen sie das Internet nach den Lösungen und nicht nach den Problemen. Sie werden überrascht sein was es alles gibt. Momentan ist die Lobby der alten Technologien und der Ölfirmen aus finanziellen Gründen noch stärker. Aber das kippt, und jeden Tag kippt es schneller. Ich würde mir als Käufer eines Diesels Sorgen machen, wo man in 15 Jahren noch tanken soll. Soviel Tankstellen wie bereits jetzt täglich geschlossen werden. Nicht wo ich lade. Strom gibt es bei jedem Gebäude. Wo der herkommt. Man wird eben mehr produzieren müssen . Die Antworten dazu gibt es!

Natur56
3
3
Lesenswert?

@stratusin

kommen sie aus der Branche??? nein dann bitte ruhig sein ich nämlich schon.

Balrog206
2
2
Lesenswert?

Na

Dann bin ich schon gespannt wo du in einem Mietshaus mit Auto auf der Straße parkend ladest ! So schnell lässt sich das nicht umsetzten , wenn auf einmal sehr viele Laden wollen wo kommt den der Strom dann her ?
Wir wollten auf unser Fa Gebäude eine Pv Anlage machen , bei der Beratung wurde und gesagt nur das zu verbauen das auch sicher selbst verbraucht werden kann da man für die Einspeisung nur die paar Cent des Energie Preises bekommt ! Wir könnten aber am Dach eine viel Größere Anlage verbauen , nur aus Spaß wird man es dann halt auch nicht machen ! Da müsste die Politik wieder etwas ändern !

umo10
9
8
Lesenswert?

Such im Internet

Gib ein: Batterie Recycling Unternehmen.
Und wegen dem Strom: mach dir keine Sorgen. Dazu gibt es den stromverbund in der EU. Dem Verbrauch wirkt die Effizienz entgegen, sodass die Zunahmen moderat sind. Schau dir die Statistiken der letzten 10 Jahre an.

Natur56
9
11
Lesenswert?

@umo10

Sie träumen wohl und haben auch keine Ahnung die LithiumIonen Batterien findet man nicht in der Taschenlampe und dafür gibt es noch keine Entsorgung. Und von genug Strom wollen wir jetzt einmal nicht sprechen. Außerdem schon mal nachgedacht wie das Tankstellennetz ist. Also bitte nicht reden wenn man nur grün denkt und sich auf die Politiker verläßt. Und wenn man glaubt das wir die Welt retten können und uns dann mit Atomstrom aus dem Ausland versorgen ist man genau so blauäugig. Und was ist mit der Kinderarbeit und den giftigen Rohstoffen die man für diese Sch....batterie benötigt??????? und was glauben sie warum es schon soviel Warnungen gibt. Die E-Wirtschaft hält die Hand drauf und wir werden abhängig. Bei einen Blackout darf ich nicht einmal meinen eigenen Strom von der Photovoltaik nehmen. So schauen wir aus.

X22
4
2
Lesenswert?

Sie sollten sich mehr damit befassen

In Milliarden Geräten, wie zB. Smartphones, Akku­geräten aller Arten werden Lithium Ionen Baterien als Energiespeicher eingesetzt und sie kennen sicher die Fa. Saubermacher, die hat eine deutsche Tochterfirma namens Redux und was glaubens macht die jetzt schon?

Natur56
1
3
Lesenswert?

x22

#Wissen sie wie groß die Batterien eines Autos sind??????? Dafür haben sie auch noch nichts. aber vielleicht denken unsereEU / Grünen daran das ganz e Zeug auch nach Afrika zu schicken wie den restlichen Elektromüll denn sie dort abladen.

X22
2
1
Lesenswert?

Ne ich weiß nur wie sie aufgebaut sind

Ihre Antwort zeigt jedoch ihr Verständnis darüber auf, erklärens mir wie eine solche Batterie aufgebaut ist, ich lerne gerne dazu, habens schon einmal eine Batterie zerlegt, Zellen getauscht oder so etwas ähnliches, worauf beruht ihr kümmerlich es Wissen

Patriot
8
6
Lesenswert?

Natur56: Und was ist mit dem Diesel - und Benzin - Dreck,

der uns maßgeblich das Klima versaut hat? Darüber sollten Sie einmal sinnieren, bevor Sie die E-Autos kritisieren, die um ein Vielfaches sauberer sind, als die Stinker!

Natur56
0
3
Lesenswert?

@patriot

wohl nachdenken vor schreien wäre klug! Es ist bekannt das die ÖKObilanz eines E- Fahrzeuges grauenvoll ist. Was da Ressourcen verbraucht werden ist unglaublich. Und was machen wir mit den vorhandenen Autos, schießen wir die ins Weltall??? Und warum darf Musk eine derartige Fabrik in ein ein Naturschutzgebiet stellen wenn in Zukunft eh Massenhaft Fabriken leer stehen werden. Unsere Politiker haben nichts verstanden und die Grünen müßten lernen in der Kombination auch wirtschaftlich zu denken sonst wird das nichts mehr.

tannenbaum
7
10
Lesenswert?

Sobald

es ein bisschen nachlässt sofort kompensieren mit einer AirPower oder MotorGP oder einen zusätzlichen F1 Rennen bei maximaler Zuschauerfreigabe! Wäre ja gelacht, dass man die Schadstoffbelastung nicht hochhalten kann!

HSterbenz
17
6
Lesenswert?

Die Selbstverständlichkeit ...

... mit der der Österreicher auf Kurzstrecken auf das geliebte Auto zurückgreift, stellt für mich das Hauptproblem dar!

Fehlende Infrastruktur oder das Warten auf kreative technische Interventionen sind lediglich Ausreden, um weiter säumig bleiben zu dürfen... #Kurz

Also ein "Hirnproblem", wo jeder selbst tätig werden kann... #Segen&Fluch

unterhundert
1
24
Lesenswert?

Und als allererst,

werden die Transitrouten quer durch Österreich Blockiert. Dann, liebe Politiker sehen wir weiter.

umo10
0
20
Lesenswert?

1. Autobahnspur gehört den LKWs

Nichts wirkt so effektiv wie die rollende Landstraße ( Transit mit der ÖBB). Aber nichts ist schwieriger als das, denn dazu muss man letztlich die gesamte EU einbinden, weil der Transit-LKW kommt aus Triest, Venedig, Rotterdam oder sonstwo aus Europa

Natur56
0
7
Lesenswert?

LKWS auf die Bahn

Diese LKWs zerstören unsere Autobahnen , und verpesten die Luft.
An der Grenze auf die Bahn und nach der Grenze wieder runter, sofern die Grenzländer keinen Anschluß haben. Warum sollen wir leiden wenn z.B. Deutschland nicht bereit ist den Brenneranschluß auszubauen?? Sehe ich nicht ein. Und sonst ordentlich Straßensteuer bezahlen wie in Deutschland doppelt soviel als eine Bahnfahrt kostet. Österreich wird immer angewinkelt mit der Luftgüte und wir sind ein Transitland. Aber auch die PKWs müssen zahlen wenn sie nicht entsprechende Fahrzeuge haben.