Lawinenunglück in SalzburgDrei tote Tourengeher zu Saisonbeginn: Wie kann die Gefahr verringert werden?

Drei junge Skitourengeher kamen am Samstag bei einem Lawinenabgang in Salzburg ums Leben. Es herrschte erhebliche Lawinengefahren. Damit Skitouren noch besser geplant, die Gefahr dezimiert werden kann, errichteten Lawinenwarndienste und Zamg österreichweit ein neues Infoportal.

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© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Der Neuschnee der vergangenen Tage wurde am Samstag einer elfköpfigen Tourengehergruppe in Tweng in Salzburg zum Verhängnis. Am frühen Nachmittag lösten die jungen Wintersportler aus dem Pongau, dem Ennstal und aus Oberösterreich beim Aufstieg auf die Lackenspitze , kurz unterhalb des Gipfels, eine extrem große Lawine aus, berichtete Hannes Kocher, Bezirksleiter der Bergrettung im Lungau. Für drei junge Oberösterreicher - 19, 19 und 24 Jahre alt - kam trotz des Großeinsatzes von Bergrettung und Rotem Kreuz mit insgesamt fünf Hubschraubern jede Hilfe zu spät. Unter den Opfern ist auch der 19-jährige Red Bull-KTM-Motocrossfahrer Rene Hofer aus Alberndorf.

Zwei weitere Verletzte, ein 22-Jähriger aus dem Bezirk Amstetten und ein 24-Jähriger aus Schladming, wurden mit der Rettung ins Krankenhaus Tamsweg gebracht, sagte der Einsatzleiter des Roten Kreuzes, Anton Schilcher.

Erhebliche Lawinengefahr

Zu dem folgenschweren Unglück war es bei Lawinenwarnstufe 3 (erheblich) gekommen. Laut Bergrettung erfordert die Skitour zur Lackenspitze stabile Verhältnisse, der starke Wind dürfte Triebschneemengen zusammengetragen haben, die als leicht auslösbar galten.

Lawinentote in Österreich

In Österreich starben in den letzten Jahren pro Winter durchschnittlich 20 bis 25 Menschen in Lawinen. Viele dieser Unfälle wären mit einer besseren Tourenvorbereitung vermeidbar gewesen, betonen die Lawinenwarndienste.

Damit Skitourengeher und natürlich auch Skifahrer noch leichter Zugang zu Informationen über Wetterlage und Gefahren im alpinen Raum haben, bauten die Lawinenwarndienste heuer ihr Informationssystem aus - und richteten sogar noch ein neues Service ein.

Länderübergreifende Lawinenberichte

Die im Vorjahr eingeführte einheitliche grafische Darstellung der Lawinenberichte Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark war eine deutliche Verbesserung, wie 89 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer in einer Umfrage angaben. Ab dem kommenden Winter schließen sich auch die Lawinenwarndienste Vorarlberg und Bayern dieser Zusammenarbeit an.

Neues Forum für Skitourengeher

Bereits seit November steht ein neues Skitourenforum zur Verfügung, in dem sich Skitourengeherinnen und Skitourengeher über Bundeslandgrenzen hinweg austauschen können. „Die Erfahrungsberichte und Fotos in Internet-Foren sind in den letzten Jahren eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Planung von Skitouren geworden. Hier werden auch wichtige Informationen zur Schneelage und zu möglichen Gefahren ausgetauscht“, sagt Projektleiter Arno Studeregger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Mit dem neuen bundeslandübergreifenden Skitourenforum wollen wir die Sportlerinnen und Sportler unterstützen und berücksichtigen auch den Trend, dass die Mobilität steigt und Informationen über Landesgrenzen immer mehr gefragt sind.“

Die Berichte sind auf www.skitourenportal.eu zu finden. Wer mitmachen will, meldet sich kostenlos über die jeweilige Website der Lawinenwarndienste Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark an.

Einheitliche Lawinenberichte großer Erfolg

Eine andere Zusammenarbeit der Lawinenwarndienste ist bereits im vergangenen Winter erfolgreich gestartet: Zur ersten Saison der neuen einheitlichen grafischen Darstellung der Lawinenberichte Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark gab es heuer im April eine Online-Umfrage. „Wir hatten über 1000 Teilnehmende und 89 Prozent fanden, dass das neue System eine Verbesserung ist. Das freut uns, und zeigt, dass wir hier in die richtige Richtung arbeiten“, sagt ZAMG-Lawinenexperte Arno Studeregger.

 

Kommentare (5)
Jahcity 1
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Man

muss umkehren können…

mike5555
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15
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Verhindern

kann man das leider nicht. Die Tourengeher müssen die Situation selbst einschätzen können. Wenn notwendig auch umkehren … Gibt jedoch kein Patentrezept.

smotron1
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.

Im Prinzip eigentlich schon. Durch den Lawinenlagebericht ist es heutzutage möglich das Restrisiko selbst zu bestimmen und dann mit diversen Methoden bestimmen ob man die Tour trotz der aktuellen Verhältnisse gehen kann. Persönlich setze ich stark auf die Reduktionsmethode. Wäre diese angewendet worden wäre ganz klar heraus gekommen auf diese Tour an diesem Tag zu verzichten.

mobile49
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immer wieder wird vor der stufe 3 ausdrücklich

gewarnt -
mehr kann man anscheinend nicht tun , denn auch "sperrgebiete" werden oft ignoriert

anscheinend wissen zu viele menschen alles besser als experten .
leider mit oft mit fatalem ausgang

anonymus21
4
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"anscheinend wissen zu viele menschen alles besser als experten"

Es hat meistens nichts mit besser wissen zu tun. Es wird unterschätzt, die Gefahren falsch gedeutet oder nicht als solche wahrgenommen. Gruppendymanik etc. kommt auch dazu. Niemand bringt sich absichtlich in so eine Situation.

UND - jedes Jahr sind auch Experten unter Lawinenopfern. Wer sagt dass es diesmal nicht auch so war. Dass es eine Gruppe von jungen Männern war heißt gar nichts.

Mein Beileid an die Hinterbliebenen.