Am Tag des Rückzugs von Sebastian Kurz"Schattenkanzler" ist das österreichische Wort des Jahres

Das Rennen um Platz eins fiel heuer denkbar knapp aus: Das Wort siegte im Voting mit nur zwölf Stimmen Vorsprung vor "3G". Als "Ironie der Geschichte" bezeichnet Initiator Rudolf Muhr das Ergebnis, das am selben Tag publik wurde, wie der tatsächliche Rückzug von Sebastian Kurz aus der Politik. Zum österreichischen Unwort des Jahres wurde "Querdenker" gekürt.

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WORT DES JAHRES 2021: „SCHATTENKANZLER“
Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) © APA/BARBARA GINDL
 

"Schattenkanzler" ist das österreichische Wort des Jahres 2021. Dabei handelt es sich um einen ironischen Ausdruck, der nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aufkam und unterstellt, dass er als ÖVP-Parteiobmann weiterhin die Politik der Regierung bestimmen wird und nicht sein Nachfolger als Bundeskanzler, Alexander Schallenberg (ÖVP).

Dass Sebastian Kurz just am Tag der Wahl des Wort des Jahres als "Schattenkanzler" zurücktritt, sieht der Initiator der "Wort-Wahl", Rudolf Muhr, als Ironie der Geschichte und ergänzt mit Augenzwinkern: "Dass "Schattenkanzler" zum Wort des Jahres gekürt wurde, gab Sebastian Kurz wahrscheinlich den Rest".

Muhr sieht den Begriff als künftiges Mahnmal und glaubt "nicht, dass eine derartige Schattenkanzler-Konstellation in der Politik noch einmal vorkommen wird. Das Wort ist nun eine stehende Redewendung und wird die Menschen daran erinnern", betont der Germanist gegenüber der Kleinen Zeitung.

Jedoch: Ein anderer "Kanzler", nämlich der "Schweigekanzler", wurde im Zuge der Wahl des österreichischen Wort des Jahres bereits zwei Mal gewählt. Premiere feierte der Begriff 2005. Damals wurde der Ausdruck in Bezug auf Wolfgang Schüssel als Gewinner gekürt. Comeback feierte das Wort im Jahr 2018 durch Sebastian Kurz. Der scheidende Kanzler prägte in seiner Polit-Ära somit gleich zwei "Kanzler-Begriffe". 

Das Rennen um Platz eins fiel heuer denkbar knapp aus: Das Wort siegte im Voting mit nur zwölf Stimmen Vorsprung vor "3G".

11.843 abgegeben

Insgesamt wurden 11.843 Stimmen zur Wahl des rot-weiß-roten Wort des Jahres abgegeben. Diese wird von einer Fachjury unter Leitung von Rudolf Muhr von der "Gesellschaft für Österreichisches Deutsch" (GSÖD) in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur organisiert. Auf den "Schattenkanzler" entfielen 2.104 Stimmen.

2.092 Stimmen gab es für "3G" auf Platz zwei - die Abkürzung für "genesen", "geimpft", "getestet". Dabei handelt es sich um eine wichtige Grundlage zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, weil damit der Zugang zu öffentlichen und privaten Institutionen geregelt wird. Ex equo auf Platz zwei kam neben 3G auch der Ninja Pass, der als Impfnachweis für Kinder und Jugendliche verwendet wird. Auf Platz drei landete mit 898 Stimmen "Klimaticket".

"Querdenker" ist Unwort des Jahres

Zum österreichischen Unwort des Jahres wurde mit 2.361 von 11.111 abgegebenen Stimmen "Querdenker" gekürt. Dabei handelt es sich um eine ursprünglich positiv besetzte Bezeichnung für Personen, die unkonventionell denken. "Heute sind in dieser neuen Gruppe von Querdenkern jedoch überwiegend Coronaleugner, Impfverweigerer und Verschwörungstheoretiker zu finden", hieß es in der Jury-Mitteilung.

An eine "Reinigung" und Rückkehr zur ursprünglichen Bedeutung des Begriffs im Zuge der Wahl, glaubt Rudolf Muhr nicht: "Dieses Wort ist für immer kaputt". 

Auf Platz zwei mit 2.082 Stimmen landete "Erinnerungslücke". Eine "ironische Untertreibung" für den Umstand, dass sich Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) bei der Befragung im Ibiza-Untersuchungsausschuss 86 Mal nicht an Fakten erinnern konnte.

Zum Jugendwort des Jahres 2021 wurde "Cringe" gewählt. 2.000 der 8.326 abgegebenen Stimmen entfielen darauf. Das Wort steht für "peinlich", "fremdschämen".

Auf einen Blick

Wort des Jahres: Schattenkanzler

Unwort des Jahres: Querdenker

Jugendwort: Cringe

Spruch des Jahres: "Eli, es ist vorbei!"

Unspruch des Jahres: "Bitte. Kann ich ein Bundesland aufhetzen?"

"Eli, es ist vorbei!"

Ebenfalls sehr knapp ging die Abstimmung zum Spruch des Jahres aus. 4.566 von 11.992 abgegebenen Stimmen hievten "Eli, es ist vorbei!" auf Rang eins in dieser Kategorie. Dabei handelt es sich um den Ausspruch von Ex-Neos Chef Mathias Strolz an Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), die in der ORF-Sendung "Im Zentrum" Ex-Bundeskanzler Kurz nach dessen Rücktritt verteidigt hatte.

4.532 Stimmen - nur 34 weniger - votierten für "Sie fragen sich in diesen Stunden vielleicht: Was ist denn jetzt schon wieder passiert?" Dabei handelt es sich um eine Feststellung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Fernsehansprache am 8. Oktober zur Regierungskrise.

Mit den Chatprotokollen hat auch der Unspruch des Jahres 2021 (4.532 von 11.791 abgegebenen Stimmen) zu tun. "Bitte. Kann ich ein Bundesland aufhetzen?" - eine Aussage von Ex-Kanzler Kurz 2017 in einem Chat mit dem einstigen Generalsekretär des Finanzministeriums Thomas Schmid. Es soll dabei darum gegangen sein, die geplante Milliarde für die Förderung der Kinderbetreuung durch die Regierung Kern/Mitterlehner zu verhindern.

Wörter des Jahres 2011 bis 2021

2021: Schattenkanzler

2020: Babyelefant

2019: Ibiza

2018: Schweigekanzler

2017: Vollholler

2016: Bundespräsidentenstichwahl-wiederholungsverschiebung

2015: Willkommenskultur

2014: situationselastisch

2013: Frankschämen

2012: Rettungsgasse

2011: Euro-Rettungsschirm

 

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JoeS
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Wieder ein Fehlgriff

Wieder einmal hat die Gruppe um Rudolf Muhr einen (kurzf´ristigen) Fehlgriff beim Wort des Jahres getan. Das kommt davon, wenn sie sich auf Politik reduziert und sonstige Entwicklungen außer Acht lässt.
Ein Blick nach Deutschland zur Gesellschaft für deutsche Sprache könnte Abhilfe schaffen.

Zeitgenosse
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Tabula rasa zu machen, ist der

Övp zu raten, neue Leute!!

himmel17
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Aus und vorbei

Aus und vorbei ist`s mit dem Schattenkanzler und mit dem Marionettenkanzler!

walterkaernten
3
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wichtigstes wort des jahres

Ich denke IMPFEN wäre das wichtigste wort des jahres 2021

Aber wenn wir uns derzeit um bestes oder um UNwort kümmern, dann geht es uns gut und wir haben anscheinend sonst nichts zu tun.

griesbocha
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Deinen letzten Satz könnte man dann auch auf deinen Kommentar beziehen...

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Ogolius
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Interessant ist, dass

2018 das Wort „Schweigekanzler“ als Unwort des Jahres und nun „Schattenkanzler“ zum Unwort gekürt wurde bzw wird. Trotz Umfärben von Schwarz auf Türkis hat sich am tatsächlichen Status dieser Partei nichts geändert. Ob das der konservativen „Volkspartei“ nicht endlich zu Denken gibt und es ihr bewusst wird, dringend an ihrer Philosophie arbeiten zu müssen? In einem Staat möchte die Gesellschaft wahrgenommen werden und nicht nur das kapitalistische Klientel - alle sollten und müssen Platz haben…

derhannes
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Querdenker

Glückwunsch für dieses "Unwort", bezeichnet es mittlerweile doch nicht mehr Menschen, die "quer" denken (bspw. im Sinne von Förster/Kreuz), sondern solche, die stromlinienförmig einer zusammengeschusterten Märchenideologie nacheifern, bei der man erst einmal jegliches Denken ausschalten muss, will man dieser Unlogik folgen.

paulrandig
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derhannes

Stimmt, früher schwang bei "quer" Kreativität und Innovation mit. Sozusagen "Out of the box".
Heute sagt es, dass sich da beim Denken etwas quer legt.

pianofisch
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„Pandemie gemeistert“

Dieser Slogan auf den damaligen türkisen Plakaten wäre auch ein Kandidat gewesen.

weinsteirer
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Wieso ist

„Vollimunisiert“ nicht dabei? 😜

Lodengrün
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Nur große Menschen/Dinge

werfen Schatten. Bei Kurz ist das nicht der Fall. Er intrigiert, husst auf, wühlt, verbreitet Unwahrheiten im Hintergrund. Eigentlich das was er kann und immer tat.

weinsteirer
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Sie werfen kurz

Wohl auch noch vor das drehbuch im clinch rendi gegen dozkozil geschrieben zu haben…….

kropfrob
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Bei dem Wort geht es auch nicht ...

... darum. dass der Exkanzler einen Schatten wirft, sondern dass er sich im Schatten der anderen versteckt und dort weiterarbeitet/intr...rt etc.

Lodengrün
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Danke @kropfrob

diese Seite habe ich nicht gesehen. Wie auch immer ich denke, beide Seiten darf man sehen.