Schüler sitzt im FreienSchutzloses Opfer dient als Munition für pandemischen Glaubenskrieg

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Kommentar von Hubert Patterer © Kleine Zeitung
 

Man starrt auf das Bild und misstraut den Augen: Ein Schulbub aus Voitsberg sitzt bei Minusgraden im Freien auf einem Sessel und schreibt unter dem offenen Klassenfenster einen Test, getrennt von den Mitschülern. Im Bildtext, anonym verfasst, werden der Empörung die Tore geöffnet: Das Kind sei Opfer schulischer Willkür geworden. Die Leiterin habe das Attest zur Maskenbefreiung zurückgewiesen. So weit komme es im Land.

So wird das Foto mit dem suggestiven Subtext durch den Fleischwolf sozialer Medien gedreht. Impfgegner befeuern die Publizität. Es vervielfältigt sich im Nu, schneller als auf jeder Druckmaschine. Man sieht das Bild, liest den Text und kann sich dem Entsetzen kaum entziehen. Es erging uns in der Redaktion nicht anders, als wir gestern das Foto zugespielt bekamen.

In der Recherche erschließt sich die zweite Erzählebene der Geschichte, die das Foto verbirgt, und der Bildtext erst recht. Die Eltern des Buben kommen ins Spiel. Sie haben der Schule ein Attest zur Maskenbefreiung übermittelt und hatten schon zuvor beschlossen, das Kind aus der Klassengemeinschaft zu nehmen und im Nachbarort anzumelden. Dort darf es mit Schild in der Klasse sitzen. Auf die Teilnahme am Test bestehen die Eltern dennoch. Die Schulleitung wendet ein, die zweifelhafte Maskenbefreiung, ausgestellt von einem Demo-Arzt, erst prüfen zu müssen. Man trage Verantwortung für den Schutz der anderen Kinder. Es sind Hunderte. Anstatt pragmatisch nach einer kleinen Kammer im Inneren der Schule Ausschau zu halten oder für die zwanzig Minuten am Gang einen Tisch aufzustellen, willigt die Schule in den Vorschlag der Eltern ein, den Test ins Freie zu verlegen. Sie beugt sich einem Ansinnen, dem sie auf schulischem Boden nicht hätte stattgeben dürfen. So wird die Schule Beihilfstäterin für eine stigmatisierende und entwürdigende Situation, die man einem Neunjährigen bedenkenlos zumutet. Und: Sie wird fahrlässig, wenn auch unbeabsichtigt Beihilfstäterin für das Bildmotiv. Als Urheber des Fotos entpuppen sich die Eltern, die das Kind von hinten unbemerkt ablichten und das Bild digital in Umlauf bringen.

Es dient als Munition für den pandemischen Glaubenskrieg und landet zahllose Treffer.

So offenbart sich unter der manipulativen Oberfläche eines Schulskandals die deprimierende Geschichte eines Kindesmissbrauchs, und eine dunkle Ahnung sagt: Es ist nicht die einzige in dieser Pandemie.

Schreiben Sie uns, wenn Sie von ähnlichen Fällen wissen, wo Kinder für die ideologische Obsession der Erwachsenen instrumentalisiert und zu schutzlosen Opfern werden, appelliert betroffen.

Kommentare (99+)
gallerherbert65
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Der Wiener Anwalt Nikolaus Rast.

wird sicher vom Herrn Pferdedoktor Kickl Herbert gesponsert 😂😂😂

Ifrogmi
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was noch zu sagen wäre:

wenn die bildungsdirektion befindet, dass die direktorin richtig gehandelt hat, woraufhin will er sie dann anzeigen? sie ist weisungsgebunden und das weiss der feine herr.
im vollen wissen hier nichts erreichen zu können zeigt er sie an um allen anderen mit grosser medienpräsenz vorzuführen was passiert, wenn sie nicht spuren.
wie so mancher zuhälter: eine heftig verprügeln oder totschlagen, dann haben alle die hose voll und tun was man ihnen anschafft ohne zu hinterfragen.

piwo
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Verlust von Geschmack

Der Herr Anwalt scheint an einer häufigen Folge von COVID zu leiden: Geschmacksverlust.

crawler
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Nicht nur in diesem Fall,

sondern auch, wenn Kleinkinder bei Demos mitgeschleppt werden, um eventuelles Vorgehen der Exekutive zu erschweren. Dabei lauern dann im Hintergrund schon die (Handy-)Fotografen um spektakuläre Bilder und Videos über die gar so bösartige Exekutive in den Social Media zu verbreiten. Man denke nur an die Mutter mit dem Kleinkind im Wirkungsbereich des Wasserwerfers. Ist dann so wie bei Djokovic. Nicht er als Ungeimpfter, der Einreisebestimmungen verletzt ist die Schuld, sondern das Einreiseland.

ilselampl
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.....messerscharfe Analysen

beider Seiten vom Chefredakteur wie erwartet - jedoch Wischiwaschi in den Lösungsansätzen.............
Anscheinend ist es wichtiger "Alle bekommen ihr Fett weg" - ist auch eine Art von Messias-Gehabe.
Die LehrerInnen vor Ort versuchen meistens eine Lösung im beiderseitigen Einverständnis zu finden. Was ist daran verwerflich? Genau solche Berichterstattung verunsichert den Lehrkörper enorm.

Und erlauben sie noch eine Feststellung - für das Weitergeben von transparenten, seriösen Informationen sind noch immer die Medien verantwortlich.
Also springen sie über ihren Schatten und nehmen das Wort " Pflicht" und zwar auch Elternpflicht in ihren Wortschatz auf.

Ifrogmi
1
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es gibt keine "lösung" ...

... wenn der dienstgeber, bzw. die übergeordneten instanzen, regelungen herausgegeben haben. auch ohne weisungen kann in so einem fall nur innerhalb der gültigen gesetze und verordnungen agiert werden. im zweifelsfall kann der schuljurist befragt werden.
leider ist es vielen, vor allem lehrerinnen, nicht ganz klar, dass man nicht nach eigenem gutdünken und bauchgefühl agieren kann, nur weil das "sooooo ein liebes kind" ist. autonomiee bedeutet nicht abseits der gültigen gesetze und regelungen tun und lassen zu können wie es die eigene befindlichkeit gerade gerne hätte.
letztlich müssen lehrerInnen einen diensteid ablegen und sind verpflichtet weisungen zu befolgen, ohne anrecht auf eine verschriftlichung der weisung. lediglich definitiv strafrechtliche anordnungen können verweigert werden und selbst hier gibt es eine grauzone.
der anwalt hätte sich also erwartet, dass die Direktorin entgegen der anzuwendenden verordnung eine "lösung" findet. sprich: sie hätte dienstrechtliche verfehlungen begehen sollen, nur damit der herr anwalt und ein offensichtlich unterbeschäftigter vater weiter glauben können, dass sie den dienstgeber mit druck "overrulen" können.
allerdings ist das ein übel der zeit: leute, die sich nicht an die regeln der allgemeinheit halten wollen, möchten druck auf andere ausüben, damit diese ebenfalls regeln brechen. wwwenn nicht, dann gibt es demos, hassmails und man zieht die betreffende person medial durch den kakao.

ibiferi
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Sollte grün sein

Sollte natürlich grün sein. Teile voll Ihre Absicht

user1234
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Ich will auch viel - vor allm in die Medien

Ich bitte um Klarstellung, dass Jede(r) gegen Jede(m) eine Anzeige wegen Irgendwas einbringen kann.

Das hat 0 Wert - weder rechtlich noch inhaltlich.

Patriot
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Es ist schon sehr lange her,

dass auf schulischem Boden die LehrerInnen die Standards vorgegeben haben!
Heutzutage sind es die Schulbehörden und Eltern, die sagen wo's langgeht. Deshalb auch der Niedergang des Niveaus, vor allem am Gymnasium und der Mittelschule!
Zu den (a)sozialen Netzwerken: Diese bieten vor allem dem G'sindl die Möglichkeit seinen Mist anonym abzusondern. Da müsste der Staat, allein schon aus demoktatiepolitischen Gründen, wirkungsvoll eingreifen und dagegenhalten!

Elli123
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Medizinische Evidenz...

Was ist damit gemeint? Gibt es die im Zusammenhang Maskenbefreiungen? Natürlich nicht, da werden nur Behauptungen in den Raum gestellt.

Grüne
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Da kann man mal sehen!

Was unüberlegte Fotos und Aktionen von dummen Menschen in den Medien heute anrichten. Macht's kein Foto, stellt es nicht ins Netz, schützt dadurch eure Kinder. Jeder soll seine eigenen Überlegungen zu Covid19 haben, zum Impfen oder nicht Impfen, zu Maske oder eben nicht. Aber das soll privat bleiben und solche "Glaubenskämpfe" nicht in der Öffentlichkeit und auf dem Rücken unschuldiger Kinder ausgetragen werden! Sieht doch jeder, wie diese Spirale sich ins Unendliche dreht. Steht das dafür/ oder: wofür? Alle "sozialen" Netzwerke gehören abgedreht. Weil sich darin die falschen Leute anonym austoben können und vielfach nur ihre Dummheit, ihren Frust und Hass verbreiten. Ich brauche weder Facebook noch Instagram oder Twitter, und lebe auch ganz gut ohne.

Pelikan22
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Das ist doch verständlich!

Die haben doch sonst nichts zu reden! So kommen Minderheiten auch zur Geltung, egal wie blöd der Beitrag ist.

justinjohnson
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Im Grunde ist eigentlich nichts passiert!

Ein neunjährige Junge im Winter 15-20 min warm angezogen im Freien! Das ganze im Einvernehmen mit Kind, Eltern und Schulleitung! Das einzige was zu kritisieren wäre, sind die Coronabedingten
Maßnahmen denen Kind , Eltern und Schulleitung ausgesetzt sind!

Mein Graz
1
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@justinjohnson

Das ist Unsinn. Es ist sehr wohl etwas passiert, und zwar mit dem KIND!

Es wurde auf dem Rücken eines Kindes ein Konflikt ausgetragen, der durch die Eltern leicht hätte vermieden werden können. Das Kind wurde instrumentalisiert und missbraucht für die Zwecke des Vaters/der Eltern.

Hast dir schon mal überlegt, was es für das KIND bedeutet, in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden, dieser Diskussion und der Häme der Umwelt ausgesetzt zu sein?

justinjohnson
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Und wer

hat jetzt einen Schaden erlitten? Das Kind sicherlich nicht! Dem hat es gefallen!

Mein Graz
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@justinjohnson

Dem Kind hat es so "gefallen", dass es beim Abschied von den Lehrerinnen und Schulkollegen bitterlich weinte, wie der Vater berichtete.

Und ich verstehe das Kind: die Eltern übersiedelten von 3 Jahren nach Österreich, um dem Buben eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Er sprach lt. Aussage des Vaters "kein Wort Deutsch" und hatte Probleme sich zu integrieren und Freunde zu finden.
Dann hat er es geschafft - und die Eltern reißen ihn aus seinem Freundeskreis heraus.

Was das für das Kind bedeutet, da muss man kein Psychologe sein, um das erahnen zu können!

Duftwolke
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Kein Wort Deutsch

Wenn ein sechsjähriger Bub, dessen Vater Österreicher ist, "kein Wort Deutsch" spricht, dann kann es mit dem Verantwortungsbewusstsein des Vaters auch nicht weit her sein.
Soll die Schule alles in Ordnung bringen, gell?

KarlZoech
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@Mein Graz: In diesem Punkt stimme ich nicht mit Ihnen überein:

Soweit zu lesen war weinte der Bub, jedoch nicht wegen des Tests im Freien, sondern weil sein Vater ihn unbedingt von dieser Schule weghaben will, er woanders zur Schule gehen soll, und daher von all seinen bisherigen Schulfreunden getrennt ist.
Dieses Herausreißen aus dem Freundeskreis werfen auch Sie mit Recht dem Vater, den Eltern, vor.

Leberknoedel
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und der Häme der Umwelt ausgesetzt zu sein

Das trifft es auf den Punkt.

Unabhängig davon, wer jetzt wie und warum auch immer diese Misere ursprünglich verschuldet hat, ist der Weg über die Medien und dem ganzen Trubel einher der absolut Schlechteste, das Kindswohl betreffend.

Aber das Kindswohl ist in diesem Fall sowieso untergeordnet, muss der arme Bub ja sogar seine Freunde, sein gewohntes Umfeld verlassen damit die Eltern sich in ihrer Opferrolle suhlen können.

Traurige Angelegenheit

HelKa
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Nur so ein Gedanke:

Wäre es am Ende gar möglich, dass das Ganze von langer Hand geplant war?
Vielleicht sogar von einem Anwalt, der aus eigenem Interesse oder im Interesse einer politischen Vereinigung die Eltern manipuliert und in etwas hinein theatert hat?
Möglicherweise hat dabei gar der attestaustellende Arzt unterstützend gewirkt?
Mittlerweile traue ich jedem jede Schlechtigkeit zu.

Bitte mich richtig zu verstehen: Das spricht die Eltern in keinster Weise von ihrer Verantwortung frei!
Aber vl. haben auch die die Sache nicht ganz zu Ende gedacht und haben den falschen Menschen Vertraut?

Schule/Direktorin/Lehrerin konnten meiner Meinung nach jedenfalls nur verlieren. Was auch immer sie entschieden hätte(n): Es wäre IMMER ein Skandal produziert worden. Weil das eben genau so gewollt war. Von wem auch immer.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass, wenn die Sache einmal an Brisanz verloren hat, oder der Erfolg (?) nicht wie gewünscht eintritt, Anwälte, politische Vereinigung, oder wer auch immer da "drüber" steht, die Familie Fischer fallen lassen und im Regen stehen lassen wird.

Hauptopfer - und das wird er immer bleiben: Jason :-(

Hildegard11
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Das Schlimmste sind....

....solche Anwälte!!

Pelikan22
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Nein!

Das Schlimmste sind solche Eltern! Übrigens, was arbeitet dieser Mann, wenn er dauernd den Wohnsitz wechselt?

07ran
5
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Es ist unglaublich

...aber wer vertritt die Rechte jener Kinder, die bei Minusgraden stundenlang ihre Eltern bei Demonstrationen "begleiten" müssen und dazu auch noch der Gefahr einer Verletzung und ev. noch mehr ausgesetzt sind.

Das würde ich mir von diesem Verein wünschen.

silent
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Der Anwalt

soll die Eltern anzeigen. Und die Behörden sollen prüfen, ob das Kind bei diesen Eltern, die es gnadenlos in einem Streit als Geisel benutzen, gut aufgehoben ist oder ob das Kindeswohl gefährdet ist.

wolff02
83
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Hr. Patterer

ist ein inteligenter Mann desen Komentare ich meist durchaus schätze. Aber in dem Bereich Corona hat er sich eingemauert und alles was ausserhalb dieser Mauer passiert ist des Teufels und kann nicht rechtens sein. Er sollte sich einmal das Interview mit dem Vater das auf OE 24 ausgestrahlt wurde ansehen, da spricht der Vater das der Bub seine Lehrerin liebt und gerade ein Bild für sie fertig gemalt hat. Der Vater will umter keinen Umständen eine Bestrafung der Lehrerin aber solche Aussagen passen anscheinend nicht in das Weltbild des Herren Patterer und selber ein Gespräch mit dem Vater zu führen und es eventuell zu veröffentlichen dafür ist er sich anscheinend zu Schade. Gerade über die Kinder ist in der Coronazeit von der Politik willkürlich drüber gefahren worden weil sie keine Stimme haben. Es hat leider kein Journalist sich auf die Seite der Kinder gestellt selbst die unsinnigsten Maßnahmen wurden einfach gebiligt.

ebox
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Die Telegram Opfer sind nicht die Chefredakteure

Das wollf02, oe24 anscheinend als Qualitätsmedium sieht sagt natürlich schon viel aus. Ein Sender dessen Fundament als einziges darauf beruht möglichst hohe Klickzahlen zu generieren. Das genau solche Sender, wie auch das Salzburger Schwurbel-TV, sich als angeblicheCorona Opfer-Versteher gebärden ist ja bezeichnend. Das dort solche “Erziehungsberechtigte” die keinen Genierer haben
Ihr Geschwurbel auf dem Rücken Ihrer Kinder auszutragen auftreten, ist dann nur logisch und konsequent, weil ein normales “Mainstream” Medienunternehmen wird sicher kein Interview bekommen, weil ja Mainstream!
Und noch schlimmer ist das diese Kind jetzt sicher in der VS Rosental zum meistgeschmähten Mobbingopfer durch Mitschüler und anderer Eltern wird.

 
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