Endemische ErkältungsvirenKreuzimmunität: Können herkömmliche Coronaviren gegen Sars-CoV-2 schützen?

Eine Schweizer Studie untersuchte die Immunität, die nach Kontakt mit schon endemischen Coronaviren entsteht. Zumindest vorübergehend dürfte diese auch gegen Covid-19 schützen.

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Coronaviren, Erkältungsviren
Schon endemische Coronaviren verursachen Erkältung und Schnupfen. Sie könnten auch zum Schutz gegen Sars-CoV-2 beitragen © (c) terovesalainen - stock.adobe.com
 

Zwischen in der Menschheit seit langem als Erreger von Husten, Schnupfen, Heiserkeit vorkommenden Coronaviren und SARS-CoV-2 besteht eine offenbar enge Verbindung. Eine Infektion mit den harmlosen saisonalen bekannten Coronaviren dürfte zumindest vorübergehend vor Covid-19 schützen. Neue Hinweise für kreuzreaktive Antikörper hat jetzt ein Schweizer Wissenschafterteam gefunden.

SARS-CoV-2 ist nicht das einzige Coronavirus, das beim Menschen vorkommt. Vier ähnliche Viren - OC43, HKU1, NL63 und 229E - sind klassische Erreger von saisonal auftretenden Erkältungen. "Betroffen sind vor allem Kinder in den ersten Lebensjahren. Später stellt sich eine Immunität ein, die Erwachsene vor den für sie möglicherweise schwereren Erkrankungen schützt", schrieb das deutsche Ärzteblatt zu den wissenschaftlichen Ergebnissen.

Kreuzaktive Antikörper

Die entsprechende Studie der Züricher Wissenschafterin Alexandra Trkola ist vor wenigen Tagen in "Nature Communications" erschienen. In ihr wurde der Einfluss einer Immunität gegen die "alten" Coronaviren auf das Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 und das Erkrankungsrisiko an Covid-19 untersucht. Das Autorenteam von der Universität Zürich untersuchte mit einem speziell entwickelten Test die Menge an unterschiedlichen Antikörpern gegen die seit langem bekannten, beim Menschen vorkommenden saisonalen Coronaviren im Serum von 825 Blutspendern aus der Zeit vor dem Auftreten von SARS-CoV-2. Verglichen wurden sie mit 389 Proben von Spendern, die an Covid-19 erkrankt waren.

"Die Forschenden konnten zeigen, dass Personen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungs-Coronaviren hatten. Zudem mussten SARS-CoV-2-Infizierte mit hohen Antikörperwerten gegen die harmlosen Coronaviren weniger häufig hospitalisiert werden", hieß es in einer Aussendung der Schweizer Universität.

Stärkere Antikörperreaktion

Studienautorin Trkola kommentierte die Resultate so: "Laut unseren Ergebnissen führt eine stärkere Antikörperreaktion gegen humane Coronaviren auch zu höheren Antikörpermengen gegen SARS-CoV-2. Eine Person, die gegen harmlose Coronaviren eine Immunität hat, ist somit auch besser vor schweren Verläufen bei einer SARS-CoV-2-Infektionen geschützt." Nicht nur bei Antikörpern als einem Teil der Immunreaktion tritt diese Kreuzreaktivität auf. Das gleiche gilt offenbar auch auf die Immunreaktion von T-Zellen zu, dem zweiten Pfeiler des menschlichen Immunsystems. Spezifisch gegen Coronavirus-infizierte Zellen agierende Immunzellen bekämpfen auch SARS-CoV-2.

Nicht auf diese Immunreaktion verlassen

Auf eine solche Immunreaktion verlassen sollte man sich aber keinesfalls. Die Covid-19-Impfung wirke hier viel besser. Die Antikörper gegen die harmlosen Coronaviren verschwinden nämlich wieder. "Aber obwohl der Schutz nicht komplett ist, verkürzen Kreuzreaktionen den Krankheitsverlauf und mildern dessen Schwere. Und genau das erreichen wir ja auch mit den Impfungen, nur viel, viel effizienter", betonte die Wissenschafterin.

Offen ist, ob diese Kreuzreaktivität auch umgekehrt funktioniert. Ob also eine Immunität gegen SARS-CoV-2 - beispielsweise durch eine Impfung - vor anderen menschlichen Coronaviren schützt. "Sollte eine SARS-CoV-2-Immunität auch einen gewissen Infektionsschutz vor anderen Coronaviren bieten, würden wir einem umfassenden Schutz gegen Coronaviren, also auch neu auftretenden Varianten, einen großen Schritt näherkommen", wurde die Züricher Virologin von ihrer Universität zitiert. Für diese Annahme spricht jedenfalls, dass eine kreuzreaktive Schutzwirkung eben nicht nur auf Antikörpern basiert, sondern sehr wahrscheinlich auch auf T-Zellen.

Kommentare (24)
selbstdenker70
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..

Die Kreuzimmunität wurde bereits im Sommer bzw Frühjahr entdeckt und ausführlich beschrieben. Für jedermann verständlich erklärt...ca 30% der “ Verkühlungen" beinhalten Corona Viren. Hat man so eine Verkühlung gehabt, wurden natürlich Antikörper gebildet. Diese verschwinden zwar nach der Krankheit wieder. Trotzdem wurde dieser Kampf gegen Corona Viren abgespeichert. Dringen nun erneut Corona Viren ein, egal welcher Stamm, werden diese wieder erkannt, das System der Bekämpfung fährt automatisch wieder hoch. Was man nicht genau wusste, wie lange ist diese Kreuzimmunität abgespeichert, jedoch ging man von mehreren Jahren aus. simple erklärt....

DergeerdeteSteirer
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Ach geh, werte Leute ........

was soll's, wir haben jedes Jahr um die gleiche Zeit die gleichen Gegebenheiten, ab und durch!

NehmtesmitHumor, ......"Nur die harten kommen durch, und da auch nur 2%".......... ;-))

Lindenblütentee........Salbeitee......usw. , mal anständig rausschwitzen und das Immunsystem wird es euch danken..........

hfg
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Die Kreuzreaktivität

scheint sehr wohl auch umgekehrt zu wirken. Meine Frau und meine Kinder sind total erkältet mit den bekannten Auswirkungen und liegen im Bett, ich dagegen bin geimpft und mir geht es sehr gut. Ich habe nur einen ganz leichten Schnupfen und sonst keinerlei Beschwerden. Normalerweise ist es eher umgekehrt.

GustavoGans
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Vielleicht kann die

Kleine Zeitung auch einen Faktenchek zu einem beliebten Posting der Impfgegner über Geert Vanden Bossche bringen. https://ehgartner.blogspot.com/2021/11/geert-vanden-bossche-warnt-eindringlich.html?m=1

feringo
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@GustavoGans : zur Vanden Bosschens Evolutionssicht

Die Darlegungen von Vanden Bossche tendieren anscheinend zur Stützung der freien Evolution von Viren und Menschen. Diese Sicht kann natürlich gar nicht falsch sein. Sie hat aber zu zahlreichen unnötigen Todesfällen geführt, siehe Italien zu Beginn der Pandemie und führte zur Reduzierung der indianischen Bevölkerung in Amerika zu Beginn dessen Besiedlung. So eine Sichtweise kann ich nicht unterstützen. Wir sind erst am Beginn der Covid-19-Bekämpfung, womit freilich alles noch verbesserungswürdig ist und verbessert werden wird. Und auch mit Impfung wird die Evolution ihren Beitrag leisten, aber mit weitaus weniger Leid durch unnötige Verluste von Menschenleben.
Für eine Impfung der Kinder bin ich allerdings nicht.

david965bc
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Also in unseren Körpern findet eine epochale Schlacht statt,

zwischen Antikörper auf der eine Seite und Coronaviren auf der anderen Seite.

Je größer meine Armee (Antikörper), desto besser die Siegchancen.

Darum ist womöglich die dritte Impfung so wichtig, um die Armee zu vergrößern.

SANDOKAN13
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Heute zu Thanksgiving

werden die Zahlen durch die Decke gehn. Ohne Familienverbot wirds nicht gehn!

Mein Graz
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@SANDOKAN13

Wer feiert in Österreich Thanksgiving?

ritus
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Bauern...

...und das heißt bei uns Erntedankfest. Als Städter kriegst sowas nicht mit.
Das Erntedankfest findet in Österreich entweder im September oder im Oktober statt: in städtischen Gebieten vorzugsweise am ersten Sonntag im Oktober, am Land bereits Ende September.

Mein Graz
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@ritus

Was Thanksgiving bedeutet ist mir vermutlich schon länger bekannt, als so mancher auf dieser Erde weilt - das ist meinem Alter geschuldet.

Wie du ganz richtig schreibst: das Erntedankfest findet im September / Oktober statt, ist allerdings KEIN staatlicher Feiertag, wie er in den USA am 4. Donnerstag im November zelebriert wird.

Und sogar die dummen, dem "Landleben" so fernen Städter bekommen das mit.

Captain Einsicht
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...

Also man weiß es selbst nicht genau, ob man geschützt ist oder nicht, aber wenn man es unwissend ist, bekommt man wahrscheinlich weniger schlimmes Covid.
Für die schweizerische Durchseuchungspolitik ist diese Studie aber trotzdem Gold wert.

NiemandesKnecht
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Geimpft, genesen oder gestorben

wird bald jeder sein, sagen die Politiker und Virologen.

Das stimmt nicht, und man wusste es schon seit den Vorfällen auf dem Kreuzfahrtschiff "Princess Diamond" im März 2020: Hunderte betagte Personen wochenlang auf engstem Raum ohne Schutzmaßnahmen zusammengepfercht und ein Coronacluster an Bord, und trotzdem entwickelten viele nicht nur keine Symptome, sondern testeten nicht einmal positiv.

Gerade im Gesundheitsbereich haben viele eine Kreuzimmunität und die Impfung so nötig wie einen Kropf.

checker43
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Sie

müssen schon alles sagen.

"712 Menschen wurden infiziert, 13 von ihnen starben. 331 der Infizierten blieben symptomfrei."

Mein Graz
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@NiemandesKnecht

Ich empfehle einen Selbstversuch...

david965bc
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Bei der Deltavariante hätte es womöglich anders ausgesehen.

Russland hat eine Übersterblichkeit von über 900.000 Bürgern. Bulgarien hat eine Übersterblichkeit von über 45.000 Bürgern.

Hier sieht man die Gefährlichkeit vom Coronavirus, wenn man wenig Maßnahmen setzt.

NiemandesKnecht
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T-Zellen-Immunität wirkt auch gegen die Varianten

was man von einer Impfung, die gegen die Alphavariante entwickelt wurde, nicht unbedingt behaupten kann.

Was die Übersterblichkeit angeht, sollten wir auf die Zahlen des Jahres 2021 in den Ländern mit sehr hoher Impfquote schauen. Das gefällt nicht.

Captain Einsicht
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...

Die magische T-Zellen Immunität gibt es so nicht bei einem Virus der eine hohe Viruslast in kurzer Zeit erzeugt und Rezeptoren in gesamten Körper angreifen kann.
Aber vielleicht kann der Plazeboeffekt auch die Mathematik verändern wenn man ganz fest daran glaubt

david965bc
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Bulgarien hat wenig geimpft eine Übersterblichkeit von über 45.000 Bürgern

Die Impfgegner sollte sich mal dort auf die Suche begeben.

Und nicht wegen einer kleinen Übersterblichkeit in Impfländern gleich ein Drama daraus machen.

david965bc
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Durch den Lockdown, gab es auch eine Untersterblichkeit

bei der Grippe.

Das Coronavirus kann den ganzen Körper befallen, es könnte zu unbemerkten Erkrankungen der Gefäße führen.

Das Coronavirus kann auch einen Darmdurchbruch verursachen, ohne das man das Coronavirus als Ursache vermutet.

Es ist sowieso noch viel Aufklärungsarbeit zu machen, was die Langzeitfolgen des Virus sind. Die Forscher können sich nicht vorstellen, das es Langzeitfolgen bei der Impfung gibt.

NiemandesKnecht
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Das Spikeprotein der Impfung kann auch den ganzen Körper befallen

Zellen, die anfangen Spikes zu produzieren, werden vom körpereigenen Abwehrsystem als Feinde identifiziert und angegriffen. Das betrifft besonders Zellen der Gefäßwände.

Es ist nicht plausibel, dass es unentdeckte Folgen der Infektion geben kann, aber nicht der Impfung.

Captain Einsicht
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...

Die produzierten Spikes nach einer Impfung sind relativ begrenzt. Bei der Infektion gibts da nicht wirklich ein definiertes Limit an freien Spikes, auch können sie eher lokal vermehrt auftreten wo sie dann eher Probleme machen.

david965bc
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Die Frage ist ja, wann fanden die Pandemien der 4 Coronaviren statt?

Liegt die Pandemie (Beginn der weltweiten Verbreitung der Coronaviren) womöglich schon tausende Jahre zurück.

Dr.B.Sonnenfreund
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Bin mir ziemlich sicher

so einen Infekt mit einem einheimischen Corona Virus vor fast 3 Jahren durchgemacht zu haben. Denn ich verlor für mehrere Monate meinen Geruchsinn zu etwa 80%, er normalisierte sich erst nach 2 Jahren wieder einigermaßen. In einem Gespräch darüber mit einem Kollegen, der ein renommierter Grazer Universitätsprofessor für HNO ist, bestätigte mir diese Vermutung. Und tatsächlich habe ich mich bisher nicht mit SarsCoV 2 infiziert. Trotzdem haben ich natürlich als Risikopatient beriets den dritten Stich. Ich selbst könnte also von so einer Vorinfektion profitiert haben, gerade rechtzeitig, etwa 9 Monate vor dem Auftreten von Covid 19.

Captain Einsicht
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Du bist ja geimpft. Präventionsparadoxon kicks in hard