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Impfung mit AstraZenecaUrsache für sehr seltene Thrombosen scheint geklärt

Ein internationales Wissenschaftlerteam mit Beteiligung von Wiener Blutgerinnungsexperten scheint die Ursache für die sehr selten nach einer Impfung mit AstraZeneca auftretenden Thrombosen gefunden zu haben.

© Tatiana Shepeleva/stock.adobe.com
 

Die Ursache für sehr seltene Thrombose-Komplikationen nach einer Covid-19-Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin scheint geklärt. Sie ähneln einer selten bei einer Heparin-Therapie auftretenden Nebenwirkung. Die volle Erklärung inklusive möglicher Früherkennungs-, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten durch ein internationales Wissenschaftlerteam mit Beteiligung von Wiener Blutgerinnungsexperten ist jetzt im "New England Journal" erschienen.

Die Schlussfolgerung der Fachleute ist klar: "Die Impfung mit ChAdOx1 nCov-19 (AstraZeneca-Impfstoff; Anm.) kann als Resultat in seltenen Fällen die Entwicklung einer immunbedingten Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen; Anm.), vermittelt durch aktivierte Antikörper gegen PF4 (Plättchenfaktor 4; Anm.), haben. Das ähnelt im klinischen Erscheinungsbild einer durch Heparin ausgelösten autoimmunbedingten Thrombozytopenie", schreiben die Wissenschaftler mit Erstautor Andreas Greinacher (Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Uni-Klinik Greifwald) und unter anderen mit Paul Kyrle und Sabine Eichinger (MedUni Wien/AKH) als Co-Autoren.

So schnell dürfte es jedenfalls mit der wissenschaftlichen Erklärung von möglichen seltenen Komplikationen nach einer Impfung noch nie gegangen sein. Nach einem ersten Thrombosezwischenfall nach der Erstimpfung mit ChAdOx1 nCov-19 Mitte Februar wurde mit der vollen wissenschaftlichen Publikation in der angesehensten Medizin-Fachzeitschrift der Welt extrem rasch reagiert. Der Indexfall stammte aus Österreich, eine Krankenschwester aus dem Krankenhaus Zwettl in Niederösterreich.

Die Wissenschaftler berichten: "Eine bis dahin gesunde 49-jährige, im Gesundheitswesen Tätige erhielt ihre erste Dosis ChAdOx1 nCov-19 Mitte Februar 2021 (Tag 0)." Zehn Tage danach wurde die Frau ins Krankenhaus aufgenommen. Sie starb trotz aller Bemühungen der Ärzte. In der Autopsie zeigte sich auch das Vorliegen einer Thrombose in Gehirnvenen (Sinusvenenthrombose).

Bis zum 15. März gab es allerdings bereits Meldungen von zehn weiteren Patienten mit thromboembolischen Komplikationen fünf bis 16 Tage nach einer solchen Impfung. Die Wissenschaftler untersuchten das klinische Erscheinungsbild und die Laborparameter von elf solcher Patienten aus Deutschland und Österreich mit Thrombosen oder pathologischem Blutplättchenmangel nach Immunisierung mit dem AstraZeneca-Vakzin. Das mittlere Alter lag bei 36 Jahren, neun der Betroffenen waren Frauen.

"Alle Patienten hatten eines oder mehrere thrombotische Ereignisse ‒ mit der Ausnahme eines Betroffenen, der eine tödliche Gehirnblutung aufwies", schrieben die Wissenschaftler. In neun der zehn anderen Fälle wurden venöse Thrombosen des Gehirns nachgewiesen. Insgesamt starben sechs der elf Patienten, deren Befunde in der wissenschaftlichen Arbeit analysiert wurden.

Was die Wissenschaftler laut ihren Angaben auf die offenbar richtige Spur brachte, war die Ähnlichkeit mit einer sonst sehr seltenen Komplikation, welche die Folge einer Behandlung mit Heparin, einem der wichtigsten Medikamente zur Gerinnungshemmung, sein kann: "Keiner der Patienten hatte vor dem Auftreten der Symptome oder der Diagnose einer Thrombose Heparin erhalten. Aber da das klinische Erscheinungsbild frappant einem Heparin-induzierten Blutplättchenmangel ähnelte", sei sofort eine Untersuchung von Blutserumproben veranlasst worden.

Das Ergebnis: Alle Betroffenen wiesen Antikörper gegen den Blutplättchenfaktor 4 auf. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler eine Aktivierung der noch vorhandenen Blutplättchen nachweisen, was offenbar zu den Thrombosen führte.

Von einem durch Heparin-Therapie ausgelösten Blutplättchenmangel und/oder Thromboembolien unterscheidet sich das neue Krankheitsbild in möglicher Verbindung zu der Covid-19-Immunisierung allerdings offenbar durch die Schwere der Thromboembolien und ihr mehrfaches Auftreten im Körper. "Interaktionen zwischen der Vakzine und den Blutplättchen oder zwischen der Vakzine und PF4 könnten eine Rolle in der Krankheitsentstehung sein. Ein möglicher Auslöser für das Entstehen der PF4-Antikörper könnte freie DNA in der Vakzine sein", schreiben die Fachleute.

Besonders wichtig für Zukunft wäre Aufmerksamkeit, um die mögliche seltene Komplikation frühzeitig zu entdecken und entsprechend zu behandeln. Die Wissenschaftler betonten: "Erstens sollten klinisch tätige Ärzte sich dessen bewusst sein, dass venöse oder arterielle Thrombosen an sonst nicht üblichen Lokalisationen wie Gehirn oder Bauchraum fünf bis 20 Tage nach der Impfung auftreten können. Wenn eine solche Reaktion von einem Blutplättchenmangel begleitet ist, kann das eine unerwünschte Nebenwirkung einer vorangegangenen Covid-19-Impfung sein."

Bei Verdacht sollte schnell eine Blutuntersuchung auf PF4-Antikörper durchgeführt werden. Liegen solche Antikörper vor, sollte ein Test auf die Aktivierung der Blutplättchen folgen. Das erste Mittel zur Behandlung ist hoch dosiertes Immunglobulin. Eine weitere Möglichkeit sind auch neue und nicht auf Heparin basierende Blutgerinnungshemmer, wie sie in den vergangenen Jahren bereits in vielen medizinischen Anwendungsgebieten (z. B. Kardiologie) eingesetzt werden.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat bis zu ihrer vorerst letzten Bewertung der Situation 62 Fälle von sogenannten venösen Sinusthrombosen (Gehirn) und 24 Fälle von Thrombosen im Bauchraum nach 25 Millionen Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin registriert. Die EMA stellte klar fest, dass die Vorteile der Impfung diese allfälligen sehr seltenen Komplikationen weitaus überwiegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Zusammenhang zwischen Impfung und den thromboembolischen Ereignissen als "plausibel, aber nicht bewiesen" bezeichnet.

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Danke für Ihr Verständnis.

Limone2
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Thrombose

Ich wollte mich immer impfen lassen, doch ich werde es mit AstraZeneca sicher ablehnen. Schon mal eine Blutung oder Gerinnsel im Gehirn erlebt - ich kann darauf verzichten.

umo10
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Für mich stellen sich 2 Fragen:

1.) kann man den blutblättchenmangel bereits vor der covid-Impfung mittels großem Blutbild erkennen ?
2.) kann man Frauen unter 50 nicht mit biontech impfen? Jetzt wo AstraZeneca für ältere zugelassen ist? Das wäre kein zusätzlicher Engpass, sondern nur ein umschichten

Legatus
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Also unbrauchbar.

Freiwillige sollten ihn weiter erhalten können. Jene mit Bedenken, sollten dazu nicht überredet werden. Leider passiert das momentan.

wollanig
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Dann dürftest

kein Antibiotikum nehmen. Da ist das Risiko weit höher.

umo10
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Die meisten sterben

Wenn sie ein vom Arzt verschriebenes Antibiotikum nicht nehmen

lispolzleitner
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Problem schon lange bekannt

Prof Bhakdi hat bereits im Sommer vor genau diesem Thromboseproblem gewarnt. Auch Prof Wodarg hat dem Paul Ehrlich Institut diesbezüglich einen offenen Brief geschrieben. Leider passen solche Warnungen aber nicht ins Konzept und werden auch bon den Medien gerne ignoriert.

checker43
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Bhakdi

sagte aber nicht, dass das nur bei 80 Personen von 100 Millionen auftreten kann. Er hat einfach einen Schuss ins Blaue gemacht. Und laut Bhakdi ist die Pandemie ja schon ewig vorbei. Gut, dass er sich nach Thailand verabschiedet.

SagServus
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Prof Bhakdi hat bereits im Sommer vor genau diesem Thromboseproblem gewarnt.

Hat er genau vor diesem Typ gewarnt? Hat er einfach nur allgemein vor Thrombosen gewarnt?
Wie kam er zu dem Rückschluss, dass dies der Fall sein kann? Hatte er Zugang zu den entsprechenden Studienunterlagen von Phase I oder Phase II und konnte somit Rückschlüsse ziehen?

Mein Graz
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@lispolzleitner

Der Prof. Sucharit Bhakdi
- der gleich einmal zu Beginn der Pandemie eine Studie mit Vorgangsweisen durchgeführt hat, die er zuvor ständig (auch in seinem Buch) bemängelt hat.
- der von seinen eigenen Kollegen nicht mehr anerkannt wird
- der die Auszeichnung "Das Goldene Brett vor dem Kopf" erhalten hat
- der in einem Interview behauptet, dass der Impfstoff gegen Covid-19 "sinnlos" und Corona nicht gefährlicher als eine Grippe sei. In besagtem Video sind zwei Aussagen falsch, mehrere unbelegt und nur zwei richtig.

Und so einem "Kapazunder" wird noch immer ein wohlgeneigtes Ohr geschenkt?

GanzObjektivGesehen
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Bhakti und Wodarg.

Untertitel: Wissen schützt vor Dummheit nicht !

Wenn man sich von Menschen wie diesen einlullen lässt kommt jede Hilfe zu spät. Aber sie können sich gerne an solchen Menschen orientieren. Bis sie einmal einen Arzt brauchen....

KleineZeitung
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Liebe lispolzleitner,

wir versuchen durchaus Problemen auf den Grund zu gehen. Zudem waren im Sommer noch keine Impfungen zugelassen. Lieben Gruß aus der Redaktion

AloisSteindl
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Therapierbar?

Was mich an der Geschichte wundert: Angeblich lässt sich diese Thrombosegefahr ja gut bannen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Trotzdem dürften auch nach den ersten Erkenntnissen über die Ursache und Therapie der Nebenwirkungen noch etliche Patienten gestorben sein. Könnte man da mal nachrecherchieren, warum?

KleineZeitung
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@AloisSteindl,

es könnte durchaus möglich sein, dass in Bezug auf diverse Einzelpersonen Symptomen nicht rechtzeitig genug Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Zur Erinnerung noch mal der Artikel, worauf man besonders achten sollte: https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5959769/Experte-ueber-AstraZeneca_Thrombosegefahr-ist-bei-schwerem
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

AloisSteindl
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Danke für die Antwort

Ja, das hätte ich - vor allem in Hinblick auf eine hoffentlich baldige Impfmöglichkeit mit AZ - gern geklärt, ob da im Einzelfall von den Geimpften oder den betreuenden Ärzten nicht genug aufgepasst wurde, oder ob die Sache nicht doch riskanter ist als dargestellt.
Die Aufregung nach den ersten Fällen lässt sich gut nachvollziehen. Aber dann wurde die Ursache schon als entdeckt gemeldet, eine wirkungsvolle Behandlung vorgestellt, die EMA hat das Weiterimpfen empfohlen und eigentlich hätte ich mir erwartet, dass an diesem Punkt das Problem gelöst war. Trotzdem müssen weiterhin Fälle aufgetreten sein, sodass etliche Länder die Impfung mit AZ wieder eingeschränkt haben, trotz der vielfach behaupteten Vorteile des Weiterimpfens. Meine Befürchtung ist daher, dass das doch nicht so ganz klar ist, dass das Risiko so vernachlässigbar ist und sich die Thrombosen zuverlässig diagnostizieren und behandeln lassen.

henslgretl
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Könnte

man das im Vorfeld der Impfung bereits herausfinden, sollte man diese seltene Anlage haben? Oder entwickeln sich diese Antikörper erst nach der Injektion?

birgit001
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Leider nicht ...

Nein, das geht leider nicht, da erst eine immunkomplexreaktion nach dem auslösenden „Erstkontakt“ - in diesem Fall die Impfung - zur Ausbildung dieses Antikörpers führt!

Wichtig nur: keine selbstständige „Thromboseprophylaxe“ zur oder nach der Impfung- würde diesen Mechanismus noch verstärken!

henslgretl
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2. Teilimpfung

Wenn die erste Dosis problemlos abgelaufen ist, kann man dann den Schluss ziehen, dass dieses Phänomen beim 2. Mal auch nicht auftreten wird?

birgit001
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Genau weiß man das nicht ...

Prinzipiell ist das Risiko sicherlich nochmal geringer, wenn man die erste Teilimpfung gut vertragen hat, ganz auszuschließen ist es nicht, aber doch eher unwahrscheinlich.

Und ich denke auch, dass das Risiko, einen schweren thrombembolischen Verlauf zu haben, im Zuge einer „normalen“ Covid-Infektion wesentlich höher und wesentlich gefährlicher ist als die „Impfnebenwirkung“

ed
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sie klingen medizinisch wissend

darf ich Sie was fragen?

bei symptomloser geringgradiger Leuko- und Thrombopenie, würden sie da eine AZ-Impfung als Risiko ansehen?

birgit001
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Naja ...

Um darauf wirklich ärztlich qualifiziert zu antworten, müsste ich Ihre Befunde kennen bzw. den „Rest“ des Blutbildes... das übersteigt leider die Grenzen dieses Forums :)

Verd
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PF4 Antikörper

Wielange nach der Impfung besteht noch die Gefahr an einer Thrombose zu erkranken? Kann man die PF4 Antikörper beim Bluttest ( Hausarzt) feststellen lassen?

KleineZeitung
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Mögliche Nebenwirkungen beobachten

Die möglichen Nebenwirkungen wurde zwischen vier und 20 Tagen nach der Impfung beobachtet, heißt es von Seiten der Experten: https://www.kleinezeitung.at/international/corona/5963532/Thrombosen-auch-bei-Johnson-Johnson_So-erkennt-man Lieben Gruß aus der Redaktion