FilmkritikHochglanz-Horror "Candyman": Sag' seinen Namen!

Nia DaCosta und Jordan Peele interpretieren die Story des Hakenmörders visuell betörend neu - als Film des Jahres zu #BlackLivesMatter.

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Ab sofort im Kino: "Candyman" © Universal Pictures
 

Bewertung: ****

Soziale Ungerechtigkeit, Rassismus, Polizeigewalt, Gentrifizierung und #BlackLivesMatter: Das Comeback des „Candymans“ unter der Regie der 31-jährigen Drehbuchautorin und Filmemacherin Nia DaCosta ("Little Woods") und des Genre-Experten Jordan Peele („Wir“. "Get Out"), der hier als Produzent und Co-Autor fungiert, fällt höchstpolitisch und visuell atemberaubend aus. Die Figur des Candymans verkörpert mehr denn je all das, was den Schwarzen angetan wurde und er würdigt sie als Opfer.

In der intelligenten Neuinterpretation des Horrorklassikers "Candymans Fluch") aus dem Jahr 1992 taucht der Hakenmörder erneut dann auf, wenn man seinen Namen fünfmal vor einem Spiegel sagt. Erzählt wird die Parabel auf die Gegenwart im Kunstsetting des jungen, aufstrebenden Künstlers Anthony (Yahya Abdul-Mateen II) in einer Schaffenskrise und seiner Kuratoren-Freundin Brianna (Teyonah Parris) in Chicago. Genauer gesagt im Viertel Cabrini Green, ehemals Sozialprojekt, wurde es teils für Luxus-Wohnungen abgerissen. Teile der alten Gebäude stehen noch, verwaist, verwuchert da. Anthony und Brianna debattieren in ihrem Loft mit Weitblick gerne über die Unterdrückung der schwarzen Community. Aus ihrem sicherern Hipster-Blickwinkel heraus. Und: Ahnungslos, was bald passieren wird.

Angestachelt von einer Schauergeschichte, beginnt Anthony zu "Candyman" zu recherchieren, er trifft einen der letzten Bewohner von Cabrini Green und hört die Story des Hakenmann-Mörders, der an Kinder Zuckerl mit Rasierklingen verteilt. Das Thema gerät zur Obsession. Und als er für eine Ausstellung ein Kunstwerk mit Spiegel konzipiert, gibt es die ersten Opfer. Der Galerist und seine junge Praktikantin beschwören den Fluch bei einem Tête-à-tête. Es folgen eingebildete weiße Jugendliche und eine arrogante Kunstkritikerin, die sterben müssen. Der Sarkasmus kommt nicht zu kurz.

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Der Horrorschocker in Hochglanzoptik ist wunderschön anzusehen und angsteinflößend zugleich: Die betörende Kamera skizziert das blutige Grauen durch kleine Kosmetikspiegel auf Mädchentoiletten in einer High School, Wolkenkratzer aus der Froschperspektive und durch elegante stilisierte Schattenspiele. Brillante Einfälle, schwarzer Humor und bitterböse Satire machen aus dem viel rezitierten Stoff einen innovativen, gegenwärtigen Genrefilm.

 

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