Neu im KinoWelche Filme sich lohnen und welche nicht

Opulente Dickens-Verfilmung von "David Copperfield", NS-Drama "Persischstunden", mit Lars Eidinger, "Yalda" als Drama über Irans Justizsystem und einen erschütternden Einblick in die Pharmabranche liefert "Das Fieber". Ein Übersicht über die Kinostarts der Woche.

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Hugh Laurie betört als Mr. Dick in der Dickens-Verfilmung "David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück" © Constantin
 

Persischstunden

Bewertung: ****

Auf der Ladefläche eines Lastwagens tauscht der jüdische Belgier Gilles (Nahuel Perez Biscayart) zwischen zusammengekauerten Menschen noch ein halbes Baguette gegen ein Buch über persische Mythen.
An einer Waldlichtung angekommen, rettet ihm dieses Buch das Leben. Denn während alle anderen von SS-Leuten aus dem Lkw gezerrt und erschossen werden, wird Gilles, der fortan Reza genannt wird, dem Hauptsturmführer Koch (Lars Eidinger) vorgeführt. Dieser hat demjenigen, der ihm einen Perser bringt, zehn Dosen Fleisch versprochen. Koch möchte Farsi lernen und nach dem Krieg wie sein Bruder nach Teheran auswandern und dort ein Restaurant eröffnen. Eindringliches, schnörkellos erzähltes Drama über die Macht der Sprache, in dem die beiden Hauptdarsteller brillieren. Eine ausführliche Filmkritik lesen Sie hier.

Yalda

Bewertung: ****

Was sich nach einem fiktionalen Stoff anhört, war im Iran zwölf Jahre lang Realität: Während des Fastenmonats Ramadan konnte das TV-Publikum in einer Talkshow über das Schicksal von zum Tode Verurteilten (mit-)entscheiden. Inspiriert davon, erzählt der in Teheran geborene Regisseur Massoud Bakhshi die berührende Leidensgeschichte von Maryam (Sadaf Asgari). Nachdem die junge Witwe wegen unterlassener Hilfeleistung zum Tod verurteilt wird, ist ihre letzte Überlebenschance eine TV-Show. Wird ihr Mona (Behnaz Jafari), die einzige Tochter des Opfers, vergeben? Bakhshi setzt den Schuld-und-Sühne-Plot in einen authentischen Rahmen und kreiert mit seiner kammerspielartigen Inszenierung Beklemmung. Packendes Drama über Irans Justizsystem und Frauenrechte in der Islamischen Republik.

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David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück

Bewertung: ****

Charles Dickens’ Klassiker wurde schon vielfach verfilmt: So fantasievoll, charmant und klug haben Sie „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ allerdings noch nie gesehen. Armando Iannucci (Politserie „Veep“) erzählt die Geschichte eines Stehaufmännchens, der allen Widerständen trotzt und sich aus eigener Kraft, dank der Fantasie und dem Glauben an sich selbst nach oben kämpft. Der Regisseur hat dem 1850 erschienen, düsteren Roman die viktorianische Schwere genommen und inszeniert ihn als opulent ausgestatteten, komödienhaften überdrehten Wimmelbild-Film. Hugh Laurie und Tilda Swinton schießen als exzentrisches Paar Mr. Dick und Tante Betsey den Vogel ab und in der sensiblen und emotionsreichen Titelrolle glänzt Dev Patel („Slumdog Millionär“).

Faking Bullshit

Bewertung: ***

Was machen vier Kleinstadtpolizisten, damit ihre Dienststelle nicht wegrationalisiert wird? Sie werden selbst zu Kriminellen und sorgen mit fingierten Verbrechen für eine erhöhte Kriminalitätsrate. Doch der anfänglich gut funktionierende Plan hat Tücken. Trotz eines Brandanschlags auf einen Würstelstand, Hakenkreuz-Schmierereien und einem gestohlenen Deo-Roller lässt Kollegin Tina (Sina Tkotsch), die die interne Revision durchführt, nicht locker. Dass der Anführer der kriminellen Provinzsheriffs (Erkan Acar) romantische Gefühle für die „Verräterin“ hat, macht die Sache nicht einfacher. Bei seinem Spielfilmdebüt erzählt Regisseur und Drehbuchautor Alexander Schubert (bekannt aus der TV-Satiresendung „heute-show“) eine unterhaltsame Geschichte über Liebe, Freundschaft und Selbstbestimmung. Die Low-Budget-Produktion punktet mit einem spielfreudigen Ensemble, das für unbeschwerten Komödienspaß sorgt.

Das Fieber

Bewertung: ****

Die Erkenntnisse, die die österreichische Filmemacherin Katharina Weingartner in ihrer Doku über Malaria und die Pharmabranche zieht, sind erschütternd. Schnörkellos skizziert sie in „Das Fieber“, wie Pharmariesen wie Novartis oder die Bill Gates Stiftung regionale Mittel zur Malaria-Behandlung in Afrika unterbinden und auf dem Rücken der Bevölkerung Profit machen. Schon jetzt ein wichtiger Film des Jahres.

Böse Mädchen tun das nicht

Bewertung: ***

Brave Mädchen tun das nicht. Witzige romantische Komödie: Die Violinistin Lucy (Lucy Hale, „Pretty Little Liars“) ist lustlos, ihr Freund kompensiert das mit Internetpornos, was sie schockiert – sie reagiert mit einer Sex-to-do-Liste. Leichte, gut gemachte Unterhaltung, die nie frivol wirkt.

Oops!2 - Land in Sicht

Die Fortsetzung überzeugt mit herzigen Details und faszinierenden Bildern.

 

 

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