Film der Woche"Als wir tanzten": Tanz wider die Homophopie

Intensiv, sinnlich, lebensbejahend: Levan Akin erzählt in „Als wir tanzten“ eine queere Lovestory und wird in Georgien angefeindet. Was für ein Film!

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Europäischer Filmpreis und Auszeichnung zum Shooting Star bei der Berlinale für Hauptdarsteller Levan Gelbakhian (Mitte) © Polyfilm
 

Bewertung: ****

Tanzlehrer Aleko (Kakha Gogidze) lässt keinen Zweifel an den Geschlechterrollen: Er wünsche sich männliche Tänzer so „gerade wie einen Nagel“ und Tänzerinnen, die „Reinheit ausstrahlen.“ Sexualität, brüllt er, habe keinen Platz im Tanzsaal und im Nationalballett. Der georgische Tanz sei ja „kein Lambada.“
Das Coming-of-Age-Drama „Als wir tanzten“ über einen homosexuellen Tänzer wurde im Vorjahr in Cannes von der Film-Community bejubelt. In Georgien, von dem es erzählt, wurde der Film auch angefeindet. Die Dreharbeiten mussten im Geheimen und unter Anwesenheit von Bodyguards stattfinden. Bei der Premiere kam es in den Städten Tiflis und Batumi zu gewalttätigen Protesten, die von der Georgischen Orthodoxen Kirche und Nationalisten angeführt waren, die den Film als „Angriff auf die Kirche“ sahen.


Der Filmemacher Levan Akin (40) wuchs in Schweden auf, seine Eltern waren Teil der georgischen Diaspora in der Türkei. Sein Film erzählt von Student Merab (Levan Gelbakhiani), der von einem festen Platz im Ensemble des Nationalballetts und einem besseren Leben träumt. Als Irakli (Bachi Valishvili) in die Akademie stößt, verändert sich alles. Aus Konkurrenten werden Trainingspartner und später Liebende. Für ihr Begehren gibt es keinen Platz im strengen homophoben und von Riten und Traditionen geprägten Korsett der Gesellschaft.

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Die Intensität des Films hängt auch mit der eindringlichen Performance des Hauptdarstellers zusammen, der vielfach ausgezeichnet wurde. Die Kamera kommt ihm ganz nah und sein Gesicht erzählt universelle Geschichten von Liebe, Freiheit, Selbstbestimmung und der Chance auf eine neue Choreografie für sein Land.

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