53 Jahre ist es her, dass sich Anne und Jean-Louis kennenlernten und wieder trennten. Nur die Erinnerung an diese schöne Zeit lässt Monsieur Alzheimer dem ehemaligen Rennfahrer noch. Die erste Wiederbegegnung nach so langer Zeit ist der ergreifendste Moment in „Die schönsten Jahre eines Lebens“. Jean-Louis erkennt Anne nicht. Sie klärt ihn nicht auf und hört seiner Erinnerung zu. So entsteht ein magisches Gespräch, in dem die Vergangenheit durch die Gegenwart hindurch leuchtet.


Diese Doppelbelichtung ist auch das Prinzip von Claude Lelouchs neuem Film, der nicht viel mehr als ein Postskriptum seines eigenen Welterfolgs mit dem lapidaren Titel „Ein Mann und eine Frau“ von 1966 ist. Die Nouvelle-Vague-Romanze erhielt Auslands- und Drehbuch-Oscar und den Hauptpreis in Cannes. Die Chansons des unverwechselbaren Soundtracks erzählten schon damals von einem Fluss ohne Wiederkehr.

Ein Zitat von Victor Hugo ist das Motto dieses Altersfilms: "Die schönsten Jahre eines Lebens sind die, die man noch nicht gelebt hat." Nun bringt der Regisseur (82) seine beiden Darstellenden ein letztes Mal zusammen. Anouk Aimée (88) und der sichtlich gezeichnete Jean-Louis Trintignant (89) machen die Sterblichkeit hinter der unsterblichen Geschichte deutlich. Eine neue Story schenkt er seinen Figuren leider keine mehr.


Trintignant spielt die hereinbrechende Dunkelheit charmant-traurig, mit ungleich mehr sanft-süßer Nostalgie als in der großen Altersrolle in Hanekes „Amour“. Dieser Film ist die rückwärtsgewandte Essenz des Melodrams, die hier ihre Entsprechung in der Filmgeschichte findet: die verpasste Chance einer Liebe erfüllt sich in den restaurierten Bildern von damals. Wenn die Schauspielenden längst gestorben sind, wird die 60er-Jahre-Liebesgeschichte ihrer Figuren noch immer da sein. Und das Postskriptum von 2019 auch.