Film der Woche"Harriet" nach wahrer Geschichte: Göttliche Freiheit

Von der Sklavin zur Freiheitskämpferin: Das Biopic erzählt die wahre Geschichte von Harriet Tubman. Cynthia Erivo brilliert zwischen viel Pathos.

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Brillantes, oscarnominiertes Spiel: Jeder Blick von Cynthia Erivo in „Harriet“ sagt mehr aus, als es die mitunter platten Dialoge tun © Universal Pictures
 

Bewertung: ***

Der „Guardian“ nannte sie den „Spartacus des amerikanischen Südens“, und das sagt eigentlich schon alles. Harriet Tubman war eine Heldin, eine Superheldin im echten Leben. Geboren um 1820 – das genaue Datum steht nicht fest – als Araminta Ross auf einer US-Sklavenplantage in Maryland, wurde sie als Kind geschlagen, ausgepeitscht und „vermietet“. Als Jugendliche erlitt sie eine schwere Kopfverletzung, die Halluzinationen infolgedessen sollten sie ihr Leben lang beeinträchtigen.
Ihrer Familie wurde zwar die Freiheit versprochen, aber der sadistische Sohn des Besitzers ist von Harriet besessen und lässt sie nicht gehen. Da macht sie ihr Vater auf einen Fluchtweg aufmerksam. Und die junge, religiöse Frau flieht alleine nachts durch Sümpfe und Wälder in den Norden. Sie schafft den Weg in die Freiheit und nimmt 1849 eine neue Identität an.

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„Freiheit oder Tod“, lautete fortan Harriet Tubmans Credo. Die Analphabetin schloss sich der Helferorganisation „Underground Railroad“ an und schaffte es mit Mut, Einsatz und einer göttlich getriebenen Furchtlosigkeit 13 Mal nach Pennsylvania und rettete 70 Menschen. Im Süden war ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Dass hinter ihrem Pseudonym „Moses“ eine Frau steckt, glaubte niemand.
Hollywood hat sich sehr viel Zeit gelassen für die erste Filmbiografie über die berühmte Freiheitskämpferin. US-Präsident Donald Trump hat sich 2019 übrigens gegen die Abbildung von Harriet Tubman auf der 20-Dollar-Note ausgesprochen.

Rund um die #BlackLivesMatter-Debatte hätte dieses Biopic der Film der Stunde werden können. Diese Chance wurde nicht genutzt. Kasi Lemmons erzählt diese überlebensgroße Geschichte konventionell und pathosbehaftet, aber dennoch mitreißend und einfühlsam. Die Regisseurin wollte einer Ikone ein Denkmal setzen und einem jungen Publikum zugänglich machen: direkt, actionreich und simplifiziert. Die volle Härte wie in Steve McQueens Meisterwerk „12 Years a Slave“ fehlt. Die Versklavung der Menschen und die Brutalität ihres Alltags werden ausgespart, sind höchstens auf den vernarbten Körpern der Menschen präsent.

Die echte Harriet Tubman Foto © Wikipedia (c) copy photo by Mark Gulezian/NPG


Dass der Film trotzdem sehenswert ist, ist der außergewöhnlichen Leistung von Broadway-Star Cynthia Erivo in der Titelrolle zu verdanken, die dafür eine Oscar-Nominierung einheimste. Sie holt die Geschichte zwischen Thriller, Western und Drama zurück auf den Boden. Und jeder ihrer Blicke ist aussagekräftiger als abgedroschene Sätze wie: „Angst ist dein Tod.“

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