"Serbien-Aussagen bleiben unsäglich"Emotionale Handke-Diskussion im Grazer Literaturhaus

Dass der Poet Peter Handke den Literaturnobelpreis verdient hat, darüber war sich die Diskussionsrunde (fast) einig. Umstritten und heftig kritisiert bleiben seine Texte bzw. Aussagen bezüglich Serbien.

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Peter Handke
Peter Handke © (c) APA/AFP/TT News Agency/JONAS EKSTROMER (JONAS EKSTROMER)
 

"The Day After“, also am Tag nach der Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, fand am Mittwoch im Grazer Literaturhaus eine abschließende Diskussionsrunde statt.

Auf dem Podium neben Hausherr Klaus Kastberger: die Autorinnen Julya Rabinowich und Barbi Marković, die Slawistin Miranda Jakiša, Lothar Struck vom Online-Literaturmagazin „Glanz & Elend“, Gerrit Bartels vom „Tagesspiegel“ in Berlin und Kleine-Zeitung-Chefredakteur Hubert Patterer als Moderator.

Streitgespräch um Nobelpreisträger
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Die Diskussion vor und mit mehr als 100 Zuhörern verlief zum Teil emotional, der Auftritt von Handke in Stockholm wurde unterschiedlich bewertet. Bartels etwa empfand ihn als „selbstgefällige Show“, Kastberger sprach hinsichtlich der Nobel-Vorlesung von einem „Erlösertext, vorgetragen von einem unerlösten Menschen“.

Patterer abschließend: „Hat Handke den Preis verdient?“ Darüber herrschte weitgehend Einigkeit. Auch Miranda Jakiša, die mit Handke bzw. dessen heftig umstrittenen Jugoslawien-Texten hart zu Gericht ging, meinte: „Niemand kritisiert seine literarische Qualität, aber seine Serbien-Aussagen sind und bleiben unsäglich.“ Aus dem Publikum kam wiederholt der Wunsch, aus der gesamten Handke-Diskussion „das enorme Aggressionspotenzial“ herauszunehmen.

Weitere Zitate aus des Diskussionsrunde:

Klaus Kastberger hinsichtlich der teils heftigen medialen Diskussion:
"Der Wille zum Totalitarismus ist selbst bei sich für liberal haltenden Medien erschreckend. Handkes Auftritt in Stockholm habe ich als tragisch empfunden. Er war ein gebrochener Mann, ein Parzifal des 21. Jahrhunderts - er konnte die Mitleidsfrage nicht stellen."

Gerrit Bartels: "Ich war in Stockholm und hatte das Gefühl, dass Peter Handke dem Ganzen nicht gewachsen war. Er hätte dort die Möglichkeit gehabt, einen Satz der Entschuldigung bezüglich seiner Serbien-Texte zu äußern. Dass er das nicht getan hat, war für mich eine Enttäuschung."

Lothar Struck: "Wenn sich Handke erklärt hätte, hätte es auch nicht gereicht. Er war in einer Situation, in der er nur alles falsch machen konnte. Als nächsten Literaturnobelpreisträger wünsche ich mir übrigens Thomas Pynchon. Dann freue ich mich erst recht auf den medial Wirbel."

Julya Rabinowich: "Auch ich war enttäuscht, dass Handke nichts in diese Richtung gesagt hat, kein Wort der Entschuldigung fand. Aber die Aggression, mit der diese ganze Diskussion geführt wurde, lässt mich erschaudern."

Hubert Patterer: "Ich habe die Nobel-Lesung nicht als Show empfunden. Mich hat dieser Text, vor allem die Kindheitserinnerungen, tief berührt. Das war von elementarer Wucht."

Miranda Jakiša: "Peter Handke schreibt über diese Balkanregion, die noch immer eine riesige Baustelle ist, in einer inkompetenten und inakzeptablen Weise. Seine Rede? Er war gerüht, ja. Über sich selbst."

Zur Information:

Einen Livestream der Veranstaltung gibt es auf www.literaturhaus-graz.at
Buchtipp: Peter Handke im Gespräch mit Hubert Patterer und Stefan Winkler. Kleine Zeitung Edition, 120 Seiten, 19,80 Euro. shop.kleinezeitung.at

 

Kommentare (2)
hermannsteinacher
0
1
Lesenswert?

... es knistert nicht im Gebälk der Gesellschaft .

...
Es kommen nur die Balken durch den Plafond.
...

GordonKelz
3
1
Lesenswert?

WIE OFT SOLL ICH ES WIEDERHOLEN...

...Herr HANDKE hat sich in der Sache verlaufen und kommt als HANDKE und Nobelpreisträger nicht mehr heraus!
Er hat auch nicht die Courage zu sagen, sich geirrt zu haben . Punkt aus!
Möchte von ihm gar nichts mehr hören.
Gordon Kelz