Nobelpreis an Handke überreichtDie zwei Seiten einer goldenen Medaille

Feierliche Stimmung drinnen – Bestürzung bei den Protesten draußen. Die Nobelpreisverleihung wurde zur zwiespältigen Sache.

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Während Peter Handke im Konzerthaus vor mehr als 1500 Besuchern im Frack seine Urkunde und seine Nobel-Medaille von König Carl XVI. Gustaf entgegennahm und sich mit drei Verbeugungen bedankte, versammelten sich seine Kritiker andernorts in Stockholm. Rund zehn Fußminuten entfernt kamen Hunderte Demonstranten am Norrmalmstorg zusammen, die Polizei sollte zunächst die Zahl 400 nennen.

Der Platz hat symbolische Wirkung: Hier wurde schon zu Zeiten des Balkankrieges demonstriert. Viele der Menschen trugen weiße Armbinden und hatten sich kleine weiß-grüne „Blumen Srebrenicas“ angesteckt. Sie hielten Plakate in die Höhe, auf denen zu lesen war: „Wem traust du: Handke oder Den Haag?“ Oder: „Ein Preis für Handke ist ein Lob für Milosevic.“ Die Demonstranten harrten in der bitterkalten Nacht aus. Nach traurigen Kriegsliedern stumpfte das Klatschen im Stoff der Handschuhe ab. Fatima Selima und andere Vertreterinnen der Vereinigung „Mütter gegen Srebrenica“ seien gekommen, um sich „solidarisch mit den Opfern des Völkermordes“ zu zeigen.

Die feierliche Gala: Nobelpreis in Stockholm

Literaturnobelpreisträger Peter Handke mit seiner Frau Sophie Semin Handke

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Seite an Seite, die Preisträger 2018 und 2019: Olga Tokarczuk und Peter Handke

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Das schwedische Königshaus: Carl XVI Gustaf, Königin Silvia, Kronprinzessin Victoria und Kronprinz Daniel

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Das festliche Bankett in Stockholm

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Warten auf die Verleihung: die Preisträger

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Überreichung an Chemiker M. Stanley Whittingham

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Demonstranten gegen die Verleihung an Peter Handke

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"Bahnbrechenden Entdeckungen": Nobelpreis an Wissenschafter Sir Peter J. Ratcliffe (Großbritannien)

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Das Nobelpreiskomitee würdigte auch Wissenschafter William G. Kaelin Jr (USA)

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Ökonomin Esther Duflo (Frankreich) mit dem Nobelpreis

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Mitveranstalterin Teufika Sabanovic betonte gestern das, was sie zuletzt stetig wiederholt hatte: Handke verteidige Kriegsverbrecher und legitimiere Völkermord. „Wo ist die Grenze?“ Und eine Vertreterin der „Mütter von Srebrenica“ kritisierte, dass Handke den Genozid geleugnet, die trauernden Mütter beleidigt und zu Slobodan Milosevic und Radovan Karadzic aufgeschaut habe.

Am gestrigen Tag der Nobelpreisverleihung kumulierte damit das, was sich schon die letzten Tage verdichtet hatte: die Stimmung des Unversöhnlichen. „Wie könnt ihr es wagen, Peter Handke den Nobelpreis zu geben?“, fragte der Regisseur und Schriftsteller Jasenko Selimovic in einem Kommentar in der Tageszeitung „Dagens Nyheter“. Er flüchtete 1992 aus Sarajevo – wie viele andere Demonstranten auch. Für sie ist Handkes Ausweichen auf explizite Fragen zu seiner Haltung zu Serbien und zum Genozid in Srebrenica unverständlich.

Es blieb unversöhnlich


Auch Anders Olsson, Vorsitzender des Nobel-Komitees, ließ die Kontroverse drinnen im noblen Konzerthaus in seiner Laudatio auf Handke unerwähnt (siehe auch weiter unten). Er ging lieber kurz auf die Werke „Mein Jahr in der Niemandsbucht“, „Die Wiederholung“, „Wunschloses Unglück“, „Langsame Heimkehr“ und „Die Obstdiebin“ ein. Nach der Ehrung zoomt die Kamera auf Handkes Familie, sie hat in diesem Moment Tränen der Rührung in den Augen. Die Akademie hatte ihre Entscheidung für Handke in den vergangenen Tagen beharrlich verteidigt. Dass mit Autor und Ex-Balkan-Berichterstatter Peter Englund ein Mitglied der Akademie erst kürzlich seinen Rücktritt bekannt gab sowie Vertreter der Botschaften aus Albanien, Kroatien, der Türkei und dem Kosovo der Feierlichkeit fernblieben, änderte nichts am Protokoll.

Schon am Nachmittag positionierten sich eine Handvoll Vertreterinnen der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ aus dem deutschen Göttingen vor dem Konzerthaus. Auf einem gelben Transparent stand zu lesen: „Herr Handke, entschuldigen Sie sich heute bei den Opfern von Srebrenica.“ Auch eine Schweigeminute für die Opfer Srebrenicas forderten sie.

Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt, die Fronten blieben verhärtet. Daran ändert wohl auch Handkes Wunsch in seinem Toast nichts, den er an die Wildgänse in Selma Lagerlöfs „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ richtete: Sie sollen in der Zukunft jede Landschaft überfliegen und jedes kleinste Land zu einem weltweiten transformieren. „Wilde Erdbeeren für immer“, endete der 77-Jährige.

Selma Lagerlöfs wild gees forever, Strawberry fields forever und wild strawberrys forever

Peter Handke


Dabei hatte der Nobelpreis-Tag so gut angefangen: mit dem schon lange herbeigesehnten Schnee und Sonnenschein.

Und genauso unspektakulär, streng nach Protokoll und ohne Überraschungen wie erwartet ist die Nobelpreiszeremonie im Stockholmer Konzerthaus verlaufen. Die Handke-Debatte verstummte während der Veranstaltung. Natürlich blieb auch der Wunsch der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ unerfüllt, die eine Schweigeminute für die Opfer des Genozids von Srebrenica gefordert hatte. Stattdessen: alles nach Plan. Und der lautet: Wenn der König aufsteht, stehen alle auf. Die Laureaten nehmen Urkunde und Medaillenbox entgegen, schütteln dem König die Hand und absolvieren drei Verbeugungen: die erste Richtung König, die zweite Richtung Akademie und die dritte Richtung Publikum.

Die Laudatio auf Handke hielt Anders Olsson von der Schwedischen Akademie. Er erinnerte an Handkes Auftritt vor der Gruppe 47, als er im Jahr 1966  die „Beschreibungsimpotenz“ der Kollegen geißelte. „Handke hat gesagt, dass nur die Klassiker ihn gerettet und bewahrt haben. Aber er ist auch ein zutiefst zeitgenössischer Autor, der mit einem väterlichen Erbe konfrontiert wurde, das durch die NS-Besetzung Österreichs im Krieg pervertiert wurde. Er repräsentiert eine slowenische mütterliche Abstammung, die seinen antinationalistischen Mythos seiner Herkunft motiviert.“

Bei Letzterem hätten die „Mütter von Srebrenica“ wohl reagiert, wären sie im Saal und nicht nur beim Protest zugegen gewesen.

 

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

michimanu
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?

Handle ist ein Mörder? Aha..so ein Sch..

michimanu
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Deutsch?

Leider ist das "Deutsch" dieses Artikels ein Grauen..zb der letzte Satz..liest sich keiner mehr das durch ???

sprecher
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Nicht nobelpreiswürdig

Ein Mensch mit großer Nähe zu Kriegsverbrechern und Verharmlosung von Massakern ist nicht nobelpreiswürdig und schadet diesen Preis massiv.
Das Foto mit der Ortstafel Srebrenica und dem ungepflegten Dichter aus dem Jahre 1998 spricht Bände über diese Person.

jaenner61
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so, und nun ist hoffentlich schluss

seit wochen nur noch handke handke handke,
wen interesiert dieser rülpel noch?

domenica
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Also

Ich freue mich mit ihm und für ihn.

HPIK1RXCA6MZ63IL
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Mit dem Preis im Rücken

wird sich dieser aufgeblasene Pfau noch stärker an seinen Mitmenschen verbal abreagieren. Wenn der weiter nur mehr in einem französischen Wald herumeiert, würde mich das freuen. Eine Schande ist dieser Literat allemal, der nach wie vor Kriegsopfer verhöhnt.

redfoxl
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Überflüssiger Kommentar

... und Kultur(Literatur-)Banausen wie du sollten lieber nicht so hasserfüllte, stumpfsinnige Postings schreiben, die hier keiner lesen will.

HPIK1RXCA6MZ63IL
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@redfox

Gegen solche Literaten werde ich immer meine Stimme erheben! Sein Werk lässt sich nicht von dem Schändlichen dieses Menschen trennen. Das unter Kultur subsummieren zu wollen ist reinster Zynismus.

SU5UOTYL86CZ7KG7
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Lesen sie

Lieber gerbur lesen sie endlich bevor sie solchen unsinn von sich geben

HPIK1RXCA6MZ63IL
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@docholliday

Der Rat sollte besser an Handke ergehen! Lesen Herr H was Augenzeugen von Srebrenica beschreiben! Lesen! Lesen!!!