Theater an der WienZuschussbedarf pro Besucher ist merklich gestiegen

Der Stadtrechnungshof hat die Opernsparte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) - also das Theater an der Wien - unter die Lupe genommen und dabei durchaus Kritikwürdiges gefunden.

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THEMENBILD: THEATER AN DER WIEN
Seit Jänner 2006 präsentiert sich das Theater an der Wien als neues Opernhaus der Stadt Wien © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Das Resümee der Prüfung: Parallel zu gestiegenen Verlusten und Besucherrückgängen am Theater an der Wien erhöhte sich der Zuschussbedarf pro Besucher 2018 und 2019 merklich im Vergleich zu den Jahren davor. 2018 lag er bei 297 Euro, 2019 bei 311 Euro pro Gast, wie aus dem veröffentlichten Prüfbericht hervorgeht. Zum Vergleich: Im Zeitraum 2010 bis 2017 betrug der durchschnittliche Zuschussbedarf im Opernsegment der VBW rund 255 Euro pro Besucher. Der Stadtrechnungshof empfiehlt, "ausreichend geeignete Strategien, Konzepte und ausgabenseitige Redimensionierungsmaßnahmen zu entwickeln", um künftig dieses Niveau wieder zu erreichen oder sogar zu unterbieten. Die VBW merkten in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme mit Verweis auf die Wertschöpfung an, dass jeder Subventions-Euro 2,9-mal zurückfließe.

Die Prüfer kamen nach einer differenzierten Betrachtung des gebotenen Programms aus den Jahren 2018/19 zum Schluss: "Sämtliche angeführten Produktionen im Bereich des Musiktheaters, der Konzerte bzw. konzertanten Opern und andere Vorstellungen erzielten negative Betriebsergebnisse bzw. Verluste." Ein größeres Minus wurde außerdem auch bei den Ergebnissen vor Steuern gemeldet.
"Für das Theater an der Wien ergab die Einschau eine Verschlechterung ... von rund minus 20,15 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018 um rund 6,1 Prozent auf rund minus 21,39 Millionen Euro. Die Verluste lagen damit in beiden Geschäftsjahren über dem Durchschnitt der Geschäftsjahre 2010 bis 2017 von rund minus 20 Millionen Euro."

Kritik übte die Prüfinstanz nicht zuletzt an der Markenstrategie des Hauses an der Linken Wienzeile. Es wurde festgestellt, "dass es dem Theater an der Wien nach 14 Jahren als Opernhaus noch nicht ausreichend gelungen war, sich bei der lokalen Bevölkerung nachhaltig als solches zu positionieren und von der Wahrnehmung als Musical-Spielstätte zu lösen". Die VBW betreiben mit dem Raimundtheater und dem Ronacher auch zwei Musicalbühnen. In der Stellungnahme wurde darauf hingewiesen, dass bei einer Auslastung von rund 93 Prozent in den Jahren 2018 und 2019 in etwa zwei Drittel der Besucher aus Wien stammten.

Unter den Empfehlungen des Stadtrechnungshofs für künftige Spielpläne finden sich - vor dem Hintergrund der Einnahmenverluste infolge der Corona-Pandemie - etwa der Ausbau internationaler Kooperationen, die Senkung der Grenzkosten der Produktionen und die Verbesserung der Einspielergebnisse. "Dies könnte beispielsweise durch eine Verringerung der Premieren und eine Erhöhung der Spieltage pro Produktion erfolgen." Die VBW versicherten, dass die neue Opernintendanz "verlängerte Spielserien hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit verstärkt prüfen" werde.

Die Prüfer gingen auch auf die Bespielung der Wiener Kammeroper durch das Theater an der Wien ein. Hierfür waren Verlustabdeckungen von 550.000 Euro (2018) bzw. 726.000 Euro (2019) nötig. Der Stadtrechnungshof regte an, "mit der Förderungsgeberin Stadt Wien zu klären, ob und in welcher Form die Kooperation mit der Wiener Kammeroper unter der neuen Intendanz ab dem Jahr 2022 weitergeführt werden soll". Laut VBW sind entsprechende Gespräche bereits in Planung.

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