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Übersetzungs-DebatteFridolin Freudenfett oder das Schwein, das nicht dem Zeitgeist entspricht

Der Egmont-Ehapa-Verlag hat begonnen, Ausdrücke, die nicht dem Zeitgeist entsprechen, zu verändern. Der Literaturwissenschaftler Achim Hölter stellt sich dagegen und sagt: "Das Bewahren des Originals ist ein hohes Gut." Fridolin Freudenfett und der Maharadscha von Stinkadore haben ihre Namen eingebüßt.

Fridolin Freundlich - Erika Fuchs übersetzte die von Carl Barks erdachte Figur als Fridolin Freudenfett
Fridolin Freundlich - Erika Fuchs übersetzte die von Carl Barks erdachte Figur als Fridolin Freudenfett © 2021 Egmont Ehapa Media/ Disney
 

"Das leuchtet und sprüht und flackert und brennt! Ein wahres Hexenelement!" Erika Fuchs legte diesen Satz Donald Duck in den Mund, als er sich in einem seiner düstersten Momente - durch einen Schlag auf den Kopf - in einen Pyromanen verwandelte. Fuchs bereicherte nicht nur mit dem Zitatenschatz des deutschen Bildungsbürgertums (wie hier aus Goethes Faust) viele Disney-Geschichten, die sie übersetzte. Die langjährige Chefredakteurin des Micky Maus-Magazins erfreute Generationen mit erfindungsreichen Namen, die sie den Bewohnern Entenhausens gab, und machte im deutschen Sprachraum die grammatische Form des Inflektivs populär, scherzhaft auch als "Erikativ" bezeichnet: "Ächz" oder "Stöhn" hieß es fortan in der Welt der Enten, anstelle von "ächzen" oder "stöhnen".

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Morpheus17
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Comics gehören gegendert

Und wenn das Geschlecht nicht eindeutig ist, dann sind’s diverse. Positive Beispiel, ab der Steuererklärung 2019 darf Herr und Frau Österreicherin, die sich nicht sicher sind, als divers beim Geschlecht definieren.

tupper10
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Sie können einem Autor....

... nicht vorschreiben, wie und was er zu schreiben hat. Wenn er "die Zuschauer" schreiben will, dann schreibt er das. Wenn er "die Zuschauerinnen und Zuschauer" schreiben will, dann schreibt er das. Und wenn er "grmpftfzk" schreiben will, dann schreibt er das. Alles andere wäre Zensur.

zweigerl
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Humorlos

Echt jetzt? Das lustige "Stinkadore", das vermutlich Kinderherzen ganz besonders zum Lachen brachte, muss durch "Stirkadore" ersetzt werden? Eine Literaturwissenschaft, die mit ihren "Dekonstruktionen" und "Kontexten" nicht mehr weiterweiß, gibt sich ein polizistisches Ansehen und kann auf diese Weise weitermachen. Aber bitte, vergreift euch nicht auch noch an absolut unschuldiger Kinderliteratur wie "Mickey Mouse", auch wenn diese Texteingriffe mit einem 100 Tsd. Drittmittelprojekt dotiert sein sollte.

dizeit
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Da kommt mir doch gleich auch…

….unsere verfälschte Bundeshymne in den Sinn.

Pragmatikus
11
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Na, wenn

wir keine anderen Sorgen haben, dann ist es ja gut

tupper10
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@Pragmatikus

Das SIND echte Sorgen. Die Menschheit ist Ergebnis ihrer eigenen Geschichte. Literarische Werke sind Zeugnisse der Vergangenheit, also der Geschichte. Sie dokumentieren unter anderem soziale kulturgeschichtliche und ideengeschichtliche Veränderungen. Greift man ein, verfälscht man diese Zeugnisse, schreibt die Geschichte im und ändert damit letztlich das Selbstverständnis des Menschen.
Ein Beispiel: Man stelle sich vor, ein Verlag würde im Genderwahn "Die Räuber" von Schiller zu "Die RäuberInnen" umtiteln. Dann könnte ein Leser daraus schließen, dass bereits das Bildungsbürgertum des ausgehenden 18. Jahrhunderts um geschlechterneutrale Sprache bemüht war, und damit zu einem völlig falschen Bild der Sturm-und-Drang-Periode gelangen. In weiterer Folge würde dieser Leser auch die Gegenwart völlig falsch bewerten, da er das Gendern für keine neue Strömung des 21. Jahrhunderts, sondern für eine Übernahme von Traditionsgut hielte.
Werke wie "Robinson Crusoe" spiegeln das Verständnis ihrer Zeit wieder und sind damit geistesgeschichtliche Dokumente.