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Essay von Tristan HorxWie viel Mobilität brauche ich, um glücklich zu sein?

Wir sind zum ersten Mal an einem Punkt angekommen, an dem wir uns die Frage stellen können: Wie viel Mobilität brauchen wir eigentlich noch?

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© Margit Krammer
 

Seit dem Ursprung der Menschheit waren wir unterwegs. Man könnte sogar argumentieren, dass unser Drang nach Mobilität erst unseren Erfolg in der Evolution sicherstellte. Raus aus den Dünen Afrikas ab ins durchaus habitable Mesopotamien, und dann uns über den ganzen Globus verteilend, haben wir den Planeten erobert. Unser Drang nach Mobilität macht aber nicht mal hier auf unserem Planeten halt, als nächstes sind die Sterne dran. Nun sind wir zum ersten Mal an einem Punkt angekommen, an dem wir uns die Frage stellen können: Wie viel Mobilität brauchen WIR eigentlich noch?

Fliegen kostet 30,- € pro Ticket, ein Auto kann sich auch fast jeder leisten. Mobilität ist kein Elitenprivileg – obgleich wir in diesem Kontext sicherlich eine eurozentristisch geprägte Sicht haben. Und so ist das Mobilitätsbedürfnis und auch der Zugang über den Globus stetig gestiegen. Durch die Lockdowns im Jahre 2020 und 2021 ist die Mobilität zumindest kurzzeitig maßgeblich reduziert worden. Wir saßen alle zu Hause, langweilten uns, waren höchstens bis zum nächsten Supermarkt unterwegs.

Gemeinsam auf dem Pausenknopf stehend konnten wir uns endlich die Frage stellen: Wie viel Mobilität brauche ICH, um glücklich zu sein?
Alle paar Jahre ein neues Auto, alle paar Wochen einen Flug – ist das wirklich notwendig? Vor allem für die Großstädter ist dadurch einiges an Katharsis entstanden. Das Auto für jede Strecke ist wirklich nicht zielführend, wenn es um kurze Distanzen geht. Kein Zufall, dass man mittlerweile kaum mehr ein Fahrrad erwerben kann. So ausgelastet war diese Branche gefühlt noch nie. Wir bemerken, dass Mobilität ein zutiefst persönliches Thema ist.

Manche Menschen bevorzugen Bus- und Bahnfahren, weil sie dann in Frieden auf ihr Smartphone starren können. Zu behaupten, öffentliche Verkehrsmittel sind de facto tot, weil wir solche Angst vor den mitfahrenden Virenschleudern haben, ist etwas zu linear gedacht. In den asiatischen Ländern konnte man sehr schön sehen, wie es nach einer Epidemie bald wieder die berüchtigten „U-Bahn Quetscher” – Bahnbeamte, die die riesigen Menschenmassen mit Samthandschuhen in die Metro schieben, damit die Türen zugehen – brauchte. Auch eine Pandemie kann besiegt werden – virologisch sowie psychologisch.
Es ist abzusehen, dass Mobilität immer komplexer, mit immer mehr verschiedenen Geräten wird. Von E-Scooter bis Flugtaxis, benötigt es vor allem eine immer stärkere Vernetzung zwischen den verschiedenen Dienstleistern. Wenn man fünf verschiedene Apps braucht, um von A nach B zu kommen, kann man jemandem das Auto weit schwieriger absprechen. Die Bedürfnisse werden individueller, die Technologien auch – so gesehen steht dem polymobilen Zeitalter nichts im Wege.

Böser Diesel, noch böseres Fliegen, eigentlich sollte man alles zu Fuß erledigen. Das ist zwar schön und gut, aber keine zukunftsfähige Vision. Das Bedürfnis nach Mobilität ist einfach zu tief in uns verankert.

Tristan Horx

Eine Dynamik, die sich auch mit dem Ende der Pandemie nicht umkehren lassen wird, ist die Debatte über das Klima. Die Mobilität ist leider ein großer Sündenbock in der Diskussion um die Erderwärmung geworden. Böser Diesel, noch böseres Fliegen, eigentlich sollte man alles zu Fuß erledigen. Das ist zwar schön und gut, aber keine zukunftsfähige Vision. Das Bedürfnis nach Mobilität ist einfach zu tief in uns verankert, deswegen spaltet sich entlang dieser Frage so viel. Dabei ist das Ganze doch so einfach. Mit neuen Technologien werden wir Lösungen hinkriegen. Natürlich braucht es auch einen Willen zur Verhaltensveränderung, aber wenn die Angebote passen, ist das kein Problem. Niemand hängt emotional am Geruch von Benzin, sondern will einfach nur entspannt an sein Ziel, ohne sich Sorgen machen zu müssen, ob es sich mit der Batterie ausgeht, weil die Ladeinfrastruktur noch nicht so weit ist. Ob Elektrische Antriebe nur eine Übergangstechnologie sind, und es zuletzt die Brennstoffzelle oder Wasserstoff wird, ist dem Konsumenten am Ende des Tages egal – so lange es ökologisch vertretbar ist.

Wir schaffen es, innerhalb eines Jahres einen Impfstoff gegen ein neues Virus herzustellen, aber nicht über 20 Jahre unsere LKW, Autos und Flugzeuge mit anderen Antrieben auszustatten?

Tristan Horx

Convenience ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn das dann noch leistbar ist, haben wir die Mobilitätswende vollzogen. Wir schaffen es, innerhalb eines Jahres einen Impfstoff gegen ein neues Virus herzustellen, aber nicht über 20 Jahre unsere LKWs, Autos und Flugzeuge mit anderen Antrieben auszustatten? Das erscheint mir etwas gar pessimistisch. Wenn wir eine Diskussion über ökologische Antriebe für unsere Raketen zur Mars-Station führen, sind wir endlich in der Zukunft angekommen. Bis dahin blähen wir die Gegenwart mit Scheindiskussionen auf. Nachhaltige, individuelle Mobilität wird kommen, wir stecken schon mitten im Wandel. Zurück in die Welt von vor Corona geht es sowieso nicht mehr. Wer doch Erdöl schnüffeln möchte, soll das bitte in seinen eigenen vier Wänden tun.

(c) VYHNALEK.COM
© (c) VYHNALEK.COM

Zum Autor

Tristan Horx steht seit seinem 24. Lebensjahr als Speaker aus der Generation Y auf internationalen Bühnen. Sein Thema ist die Zukunft. Geboren wurde er knapp vor der Jahrtausendwende und gehört damit zur Zielgruppe der Millennials. Sie steht mit ihren Interessen und Motiven im Fokus vieler Unternehmen, wenn es um Fragen des gesellschaftlichen Wandels, um Kultur, aber auch um ein neues wirtschaftliches Denken geht.

Kommentare (4)
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melahide
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1
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Dabei

muss man sagen: JA, Mobilität ist im Menschen verankert. Egal ob früher per Wanderung, Pferd, Kutsche, Zug ... man kann es aber auch übertreiben. Wenn man zB jeden Schritt mit dem Auto macht dann ins Bürp geht, dort mit dem Lift fährt und so weiter und so fort. Ich habe vor kurzem etwas gesehen - ob es nun stimmt oder nicht sei einmal dahin gestellt. Es war auf WDR (oder NDR? Jedenfalls in der ARD-Mediathek) eine Sendung über Blutdruck. Der Arzt, sei er kompetent oder nicht oder woher er auch dachte diese Zahlen zu haben, meinte, dass der "normale" Deutsche im Schnitt nur noch etwa 700 Schritte am Tag zurücklegte. Mir kam die Zahl sehr gering vor. Alleine das, was ich im Büro herumlaufe, vom Scanner zum Meeting zum xy ... komm ich auf gut 3000 pro Tag und mit Spaziergang am Abend plus Rad zur Arbeit auf gut 12.000 ..Aber gut... wenn das auch nur Ansatzweise stimmt zeigt das schon, das die Menschen Bewegungsfaul geworden sind. Dazu kommen dann auch die "ganz schlauen" Leute, die 20 km zum nächsten Hofer fahren, weil die Milch dort um 10 cent billiger ist als wenn man die Milch regional kauft ... ähhh... gut...oder jene, die mit dem Auto ins Fitnesscenter fahren, um dort eine halbe Stunde auf dem Ergomether zu sitzen ... man wird nicht schlau aus dieser Welt ..

pwebhofer
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5
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¯\_(ツ)_/¯

Wirklich schlauer werde ich mit dem Text nicht. Er liest sich ein wenig schulaufsätzig. Aber das ging mir schon beim alten Horx oft so; das Geschäftsmodell dürfte funktionieren. Was die können: Überschriften produzieren. Obwohl die hier auch net wirklich glänzt. Glück ist gar ein wenig 2000.

marinosale
2
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Maturaarbeit?

Auch wenn es der Sohn vom M. Horx ist: Es bleibt banal, aber jeder hat einmal klein angefangen

zweigerl
5
4
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Horch, ein Horx

Der Autor steht vermutlich in einer verwandtschaftlichen Beziehung zum Optimismussprayer Matthias Horx, der das Ende der Pandemie für April 2020 vorausgesagt hat. Nun bekommen wir das eiserne Axiom vom menschlichen Mobilitätszwang serviert. Sind wir denn noch immer Nomaden?