Frischer Wind für die Wohnung7 Dinge, die man über das Lüften im Winter wissen muss

Wie lange, wie oft und vor allem warum: Sieben Dinge, die man über richtiges Lüften im Winter wissen muss.

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© Getty Images (andresr)
 

Lüften ist doch die einfachste Sache der Welt. Was kann man da falsch machen?
„Sauerstoff ist unser wichtigstes Lebensmittel“, sagt Energieberaterin Sabine Vogel. In der Praxis ihrer Arbeit bei der österreichischen Umweltberatung zeige sich allerdings, dass viel zu wenig, falsch und mit hohen Energieverlusten gelüftet wird. Einen Grund dafür sieht die Expertin darin, dass viele noch die „Zwangslüftung“ durch alte und undichte Fenster gewohnt sind. „Neue Fenster sind dicht, da gibt es diesen schleichenden Luftaustausch nicht mehr. Deshalb muss man ,aktiv‘ lüften.“

Warum ist es so wichtig, regelmäßig zu lüften?
In unseren Breiten verbringen Menschen durchschnittlich mehr als 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen, umso wichtiger ist es daher, dass die Qualität der Raumluft gut ist. Sie setzt sich etwa aus Sauerstoff, CO2, das beim Ausatmen entsteht, Hausstaub, aber auch Schadstoffen zusammen, die aus Baustoffen, Einrichtungsgegenständen und Haushaltschemikalien entweichen können. „Die Raumluft regelmäßig auszutauschen, ist also nicht nur für das Wohlbefinden wichtig, sondern auch für die Gesundheit“, sagt Vogel. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Luftfeuchtigkeit: Im Schnitt werden in einem Vier-Personen-Haushalt in Wohnungen etwa zehn Liter Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben. Gerade in der kalten Jahreszeit kann das die Schimmelbildung fördern. Aber: „Im Winter wird feuchte, verbrauchte Innenluft besonders rasch gegen kalte, trockene Außenluft getauscht“, sagt Vogel.

Wie oft sollte man lüften?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: Lebt ein Vier-Personen-Haushalt in einer 75 m² großen Wohnung und sind alle daheim, dann sollte die Raumluft etwa alle zwei Stunden getauscht werden. Leben vier Personen in einem 140 m² großen Haus, dann ist es ausreichend, alle drei Stunden zu lüften. „Die Faustregel lautet, dass man drei bis vier Mal pro Tag lüften sollte“, sagt Vogel. Derzeit, wo die Menschen überdurchschnittlich viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, natürlich entsprechend öfter.

Richtig lüften - wie man die Raumluft am besten austauscht

Stoßlüften: Das Fenster im Raum weit öffnen, aber die Tür geschlossen halten. Dauer im Winter: rund 5 Minuten.

Querlüften: Mindestens zwei Fenster öffnen, um einen Durchzug zu schaffen. So gelingt der Luftaustausch schneller. Dauer im Winter: rund 3 Minuten.

Wie lüftet man im Winter, damit nicht zu viel Heizungswärme verloren geht?
Beim Lüften wird immer Energie verloren gehen, deshalb sollte man es möglichst effizient tun: „Am schnellsten passiert der Luftaustausch beim Stoß- oder Querlüften. Da genügt es, die Fenster wenige Minuten zu öffnen“, sagt Vogel. Die Heizungen in den betroffenen Räumen sollte man derweil abdrehen.

Reicht es nicht, wenn ich das Fenster kippe?
Fenster zu kippen, ist sowohl im Hinblick auf den Luftaustausch als auch auf das Energiesparen die ineffizienteste Methode. „Um den gleichen Luftaustausch zu erreichen wie beim Stoß- und Querlüften, müsste man ein Fenster wesentlich länger kippen“, sagt Vogel. Berechnungen zeigen, dass hier rund eine Stunde bei gekipptem Fenster im Verhältnis zu wenigen Minuten Stoßlüften stehen, will man den gleichen Effekt erreichen. Dadurch geht auch mehr Heizungswärme verloren. „Besonders, wenn beim ,Dauerkippen‘ ein selbstregelnder Heizungsthermostat auf den kalten Luftstrom mit dem Höherdrehen der Heizung reagiert“, warnt Vogel.

Was kann man tun, wenn das Badezimmer kein Fenster hat?
Leider haben längst nicht alle Nassräume in Wohnungen ein Fenster, durch das man feuchte Luft nach dem Baden und Duschen ins Freie lassen könnte. Auch Abluftanlagen sind keine Selbstverständlichkeit. „Wer keine direkte Möglichkeit zum Lüften im Bad hat, der muss sich damit behelfen, mit geöffneten Fenstern in anderen Räumen einen Durchzug zu schaffen, der die feuchte Luft aus dem Badezimmer abtransportiert“, sagt Vogel.

Muss man die Fenster noch öffnen, wenn in den Wohnräumen ein Lüftungssystem installiert ist?
Vor allem in Niedrigenergie- und Passivhäusern gibt es solche Lüftungsanlagen. „Sie be- und entlüften automatisch das ganze Haus“, sagt Vogel. Weil die kalte Frischluft von außen mithilfe der warmen Abluft in einem Wärmetauscher erwärmt wird, bevor sie in die Wohnräume strömt, arbeiten diese Anlagen energiesparend. Richtig eingestellt, erzeugen sie keinen spürbaren Luftzug. „Viele Menschen glauben, dass man die Fenster nicht mehr öffnen soll, wenn ein solches System installiert ist“, sagt Vogel. „Allerdings stimmt das nicht. Man kann die Fenster natürlich immer öffnen.

Kommentare (1)
ralfg
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Perfekt geschrieben. Hab so viele Mieter die falsch lüften und sich dann über Heizungskosten oder ähnliches Beschweren (fahren über Weihnachten zu den Eltern und lassen Fenster gekippt z.B.)

Was noch zu erwähnen ist, dass kippen eine Ursache für Schimmel sein kann. Man muss ja lange kippen, dadurch kühlt die Wand rund um die gekippte Fläche ab. Es ist aber nach Kippen oft nocht viel Feuchte in der Luft bzw. kommt neue Feuchte nach. Dieses Wasser kondendiert dann um das Fenster herum und da schimmelt es danach sehr häufig.