Kolumne vom BörsenparkettLogbuch eines Börsianers: Gift für jeden Sparer der alten Schule

In seinem wöchentlichen „Logbuch eines Börsianers“ bilanziert der erfahrene Kapitalmarktexperte Josef Obergantschnig das aktuelle Börsengeschehen.

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Josef Obergantschnig
Josef Obergantschnig © © Ethico
 

Josef Obergantschnig ist Präsident des Wirtschaftsethikklubs Ethico und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen. In seinem „Logbuch eines Börsianers“ schildert der erfahrene Kapitalmarktexperte für die „Kleine Zeitung“ seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in diesem – auch auf dem Börsenparkett – ereignisreichen Zeiten und zieht jeweils eine Wochenbilanz.

Samstag, 15. Jänner: Ekstase, Staub und ein Paradoxon

Es ist wieder so weit. Meine Welt ist wieder in Ordnung. Alles läuft in geregelten Bahnen. Nach einer selbstauferlegten „Kaffee-Abstinenz“ bin ich wieder der Alte. Während ich über die Ereignisse der Woche nachdenke, genieße ich jeden einzelnen Schluck meines geliebten Espressos.

Der Jahresstart fiel etwas verhalten aus. Neben Zinsängsten hat auch Corona dazu beigetragen, dass wir noch etwas planlos hin- und herplätschern. Na ja, nach den Jahren der Ekstase ist eine kurze Verschnaufpause wohl auch nicht unangebracht, meinen Sie nicht auch?

Diese Woche hat die Weltbank neue Wachstumsprognosen veröffentlicht. Die Weltwirtschaft ist 2021 um 5,5 Prozent gewachsen. Für 2022 und 2023 erwarten die Ökonomen eine deutliche Verlangsamung mit einem BIP-Wachstum von 4,1 Prozent bzw. 3,2 Prozent. Ausschlaggebend dafür sind zusammengebrochene Lieferketten, ein starker Anstieg der Rohstoffpreise und natürlich auch eine Verschärfung an der Corona-Front. Im Gegensatz zu den Industriestaaten sieht die Weltbank vor allem für Schwellenländer düstere Wolken aufziehen.

Buchtipp

Der Finanzmarktexperte Josef Obergantschnig hat die dramatischen Entwicklungen an den Börsen ab März in Form eines – auch via Kleine Zeitung online geführten – Tagebuchs
festgehalten.

Seine pointierten und hintergründigen Kolumnen sind unter dem Titel „Tagebuch eines Börsianers – Corona Crash 2020 – Wie alles begann“ nun auch in Buchform erschienen (SCEN.Zeitwertverlag.ruhr; 500 Seiten; 20,20 Euro).

Hier geht's zum Video Buchpräsentation

Wir befinden uns in einem gigantischen Transformationsprozess. Viele Schwellenländer sind stark von den Rohstoffpreisen abhängig und fungieren für reiche Industrieländer als verlängerte Werkbank. In den letzten Jahren ist die Verschuldung deutlich angestiegen. 2021 hat jedes dritte Schwellenland die Leitzinsen erhöht. Das ist zwar wenig verwunderlich, aber wie soll man diese Löcher bei steigenden Zinsen und chronisch leeren Staatskassen stopfen? Laut Weltbank wird jedes zweite Land auch Ende 2023 weniger erwirtschaften als in der Vor-Corona-Ära. Eine banale Empfehlung der Weltbank lautet, die Verschuldung durch hohe Inflation und niedrige Zinsen „wegzuinflationieren“. Darauf möchte ich noch ein bisschen näher eingehen.

Wir erleben das Paradoxon, dass auch Schulden ein richtig, richtig gutes Investment sein können.

Josef Obergantschnig

Bei hohen Inflationsraten steigen die Preise und in weiterer Folge auch das nominelle Wirtschaftswachstum. Das nominelle Wirtschaftswachstum ist eine wesentliche Kerngröße, da es für die Berechnung der Schuldenquote (Schulden / BIP) herangezogen wird. Einst haben die europäischen Staaten sich mit den Maastricht-Kriterien das Ziel gesetzt, die Schuldenquote auf maximal 60 Prozent steigen zu lassen. In der Euro-Zone werden wir demnächst die hundertprozentige Quote knacken und damit deutlich über dem einstigen, heute „verstaubten“ Zielwert liegen. Wenn jetzt das BIP inflationsbedingt stark ansteigt, wird automatisch die Schulden-Quote nach unten gedrückt. Wenn die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden, führen hohe Inflationszahlen dazu, dass die Zinsbelastung im Vergleich dazu sehr gering ist. Insofern erleben wir das Paradoxon, dass auch Schulden ein richtig, richtig gutes Investment sein können.

Kommentare (11)
robertrr
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Phillips Kurve

Die Nachfrage nach Arbeitskräften, die auch wirklich wertschöpfend sind, wird spätestens nach der Corona Krise explodieren. Das ist ein gesellschaftliches Problem, dass wir keine Leute mehr finden die echte Arbeit verrichten.

TrailandError
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Wie deppert is die Menschheit

geworden..... die da alle spekulieren bilden sich nich ein das sei reelle Arbeit und trägt zur gesunden Wirtschaft bei?! Einige Wenige bekommen viel Geld auf Kosten vieler Sparer-abartig!!!

melahide
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Das ist

die Welt die sich die „Mächtigen“ erschaffen haben. Und immer wenn von Links jemand schreit „höhere Steuern auf Kapitalerträge, Vermögen“ nimmt der brave Hackler die armen Aktionäre, die sich an seiner Arbeitskraft dumm und dämlich verdienen, auch noch in Schutz! „Brauch ma nicht“

LaPantera69
11
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Marktanalyse

Ich würde mir eher eine wöchentliche Analyse des Marktes erwarten, und keinen Schwank aus dem Leben...

duerni
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Sell in May and go away ........

. das kann ich aber erst, wenn ich vorher gekauft hatte. Aktien und Anleihen sind aktuell ohnehin das einzige Mittel gegen Kaufkrafteinbuse des Ersparten. Dass Aktien etc. immer mit Risiko verbunden sind und die Börse 2020 - covidbedingt - ohnehin alle Regeln ausser Kraft gesetzt wissen wir.
Dieser Artikel ist entbehrlich - er sagt nur Triviales, das jeder weiß, der sich mit der Börse beschäftigt. Was wichtig wäre ist, der Bevölkerung ein Grundwissen über die Geldanlage an der Börse zu vermitteln, um Angst vor Verlusten zu nehmen.
Das sollte in der Mittelschule beginnen!

joiedevivre
17
10
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Fondsparen ist das Stichwort

Das Sparbuch ist tot. Wer Geld durch die Inflation verlieren möchte der kann es dort anlegen.
An investieren in Aktien, breit gestreut in einem Fonds führt kein Weg vorbei.

Als Tipp sei hier das Fintech Startup Own360 genannt.

melahide
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Own360

Hab ich auch seit ähhh… 2019 hab ich das probiert. Geht immer schön rauf und runter. Man weiß dann bald, wann man kaufen und wann man verkaufen muss …

zweigerl
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Zockergeneration

Diese "Bildung" scheint mir gleichfalls entbehrlich, da sie das Zeug hat, nicht mehr wirkliche Bildung zu vermitteln, sondern eine Zockergeneration zu züchten, die wirklich des Glaubens ist, nicht die Real-, sondern die Börsenwirtschaft besitze eine ökonomische Effizienz.

pescador
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zweigerl

Geld in Aktien zu veranlagen hat mit zocken nichts zu tun. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, braucht es eben Finanzbildung.

heku49
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Sehr richtig! Aber sich ein breites Basiswissen vor dem Handeln mit Aktien

aneignen ist wichtig!
Etwas leichter der Einstieg ins Fondssparen.....aber zum Aufbau eines kleinen Vermögens gut geeignet....und der Start ist mit 30 Euros im Monat möglich....

melahide
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30 Euro im Monat

möglich. Dann lege Sie im Jahr heiße 360 Euro auf die Seite. Ein sehr kleines Vermögen ..