Aufsteirern in Graz Trachtenwelle erfasst Innenstadt - und doch war diesmal alles anders

Am Sonntag traf sich beim Aufsteirern Stadt und Land zum Rendezvous im Trachteng'wand: Zehn Grazer Innenhöfe wurden zur Bühne - mit Zertifikats-Kontrolle und Vorab-Online-Registrierung. Ansonsten wurde bis zum Abend getanzt, gesungen und gefeiert - 3-G auf Steirisch sozusagen.

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Gäste im Landhaushof
Gäste im Landhaushof © (c) Manuel Hanschitz
 

Nach TV-Aufzeichnung und Aufwärmrunde am Samstag feierten am Sonntag die Steirer ihr größtes Volksfest als kleine, feine Jubiläumsausgabe. Nach einem Jahr coronabedingter Pause luden die Veranstalter Alexandra und Markus Lientscher sowie Astrid Perna-Benzinger und Giuseppe Perna zum 20. Aufsteirern. Die Pandemie sorgte für eine Neuerung des Konzepts – und so füllten Schnalzer und Jodler zehn Innenhöfe. Dorthin wurde das Geschehen in stimmig-steirischer Atmosphäre verlagert. Es wurde getanzt, gesungen und gefeiert – die 3Gs des Aufsteirerns blieben also wie immer.

Der traditionelle Gösser-Bieranstich am Vormittag war im Burghof: Das Wetter spielte mit, als Bürgermeister Siegfried Nagl und Volkskulturreferent, Landesrat Christopher Drexler das Fass testeten. Zeugen: Christian Purrer (E-Stmk), Oliver Kröpfl (Steiermärkische), Klaus Scheitegel (GraWe) und Wolfgang Malik (Holding).

Am frühen Nachmittag zog es Ehrengäste zum Volkskundemuseum, wo ein Empfang stattfand. Für Simon Koiner, den künftigen Chef der Volkskultur GesmbH war der Empfang natürlich ein Pflichttermin. 

Alles anders - auch beim Aufsteirern

Auch politisch wurde das Fest zur Bühne: Etwa für Grünen-Klubchefin Sandra Krautwaschl, die gemeinsam mit Graz-Frontfrau Judith Schwentner gekommen war. Für die zweite Landtagspräsidentin Gabriele Kolar war es hingegen eine Premiere. Terminkollisionen regionaler Erntedankfeste hatten bisher einen Besuch beim Aufsteirern verhindert. Sie kam mit Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ). Ebenfalls unter den Gästen: LH Hermann Schützenhöfer, Landesrat Hans Seitinger, Georg Bliem (Planibahnen), Franz Titschenbacher (LK), Gerhard Koch (ORF), Tourismuschef Erich Neuhold und Juwelier Klaus Weikhard oder GraWe-Ehrenpräsident Franz Harnoncourt-Unverzagt.

Vom üblichen Trachtenmeer fehlte am Vormittag in der City noch jede Spur. Gleichsam tote (Leder-)hose gab es am Hauptplatz: Die große Bühne vor dem Rathaus bekamen die Sanitäter des Samariterbunds, die akribisch Daten aufnahmen und die 3G-Zertifikate kontrollierten. Das und die neue Intensiv-Bespielung der Innenhöfe zeigte: Auch beim Aufsteirern ist heuer alles anders.

Angenehm

Manche Besucher störte das aber nicht: "Es ist angenehm, dass man sich nicht wie sonst durch Menschenmassen drängen muss", schwärmte ein Herr. "Wenn man nicht wüsste, dass gerade Aufsteirern ist, würde einem nichts Besonderes auffallen, außer vielleicht ein paar mehr Trachten", lacht ein junger Besucher. Andere sehnten sich nach der geliebten Großveranstaltung. Bei einer Sache waren sich aber alle einig: Besser Aufsteirern mit Auflagen als gar kein Aufsteirern, so der Tenor.

Traditionell bis modern - die Steirer feiern sich selbst

Freilich ließen sich in den bespielten Innenhöfen die verschiedensten Trachtenschönheiten blicken. Von traditionell bis hin zu modern war alles dabei. Da hat manch einer gar vergessen, dass man sich in der Pandemie befindet. Obwohl: Mitfeiern war nur mit Impfung, Genesung oder Test erlaubt. Letzteren konnte, wer noch keinen hatte, am Karmeliterplatz für den Preis von 33 Euro nachholen.

Der Großteil der Tausenden Gäste hatte seine Nachweise stets bei sich. Und präsentierte stolz seine Outfits. Auch die Kleinsten zeigten sich in Minidirndl und Lederhosen von ihrer besten Seite. Denn: Früh übt sich, wer später ein echter Trachten-Fan werden will.

Innenhof-Idee als Zukunftsmodell für das Volksfest?

Corona war am Rande spürbar - das Fest war kleiner, das Konzept eben neu. Ob es sich für den steirischen Brauch etablieren wird, ist allerdings offen. Immerhin: "Wir werden aus diesem Jahr lernen und die intensive Bespielung der Innenhöfe sicher mitnehmen können", meinte Drexler bereits bei der Eröffnung.

Abseits dessen ist klar: Zumindest die Stimmung erinnerte an das Aufsteirern aus "normalen Zeiten. Damals waren es bis zu 130.000 Menschen, die in die Grazer Innenstadt strömten - mit Volksmusik, Volkstanz, altem Handwerk, steirischem Essen und natürlich auch dem einen oder anderen "Trankerl".

Lokale bis zum Abend in Aufsteirern-Laune

Im Vorjahr musste das Fest der steirischen Volkskultur coronabedingt entfallen, stattdessen wurde auf den Kasematten eine TV-Show aufgezeichnet. Die gab's auch heuer wieder.

Der Eintritt war auch heuer frei, aber, eine Vorab-Online-Registrierung nötig. Am Hauptplatz, Karmeliterplatz und Tummelplatz gab es Check-in-Punkte, wo man seinen 3-G-Nachweis samt Ausweis vorlegen musste. Der war auch in den Lokalen der  Grazer Innenstadt gefragt, die in alter Aufsteirern-Manier auch diesmal wieder bis zum späten Abend bespielt wurden. Mit (steirischer) Musik und jeder Menge Gaudi. Versteht sich.

Kommentare (12)
augurium
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Werbung

von Nagl ist penetrant. Samstag wurden am Markt Sackerln verteilt. Gestern wurden von Hohensinner, Riegler.... Herzerln mit Nagl Foto verteilt. Geld spielt keine Rolle- wer bezahlt das? Weitere Politiker waren auch vertreteen: Drexler, "Bürgermeisterin" Schwentner mit Dreisiebner (ohne Werbung) u.a. Den Bieranstich von Nagl habe ich mir nicht gegeben. Die Veranstaltung war nicht schlecht, alle haben sich bemüht, mäßiger Besuch, wenig Stimmung. Die Auswahl der Standler war eigenartig, viele wollten, durften aber nicht! Die Security war überfordert, da der Scan nicht gut funktioniert hat.

mangogue
3
5
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Wahlwerbung hin oder her ...

Ob diese Politiker für eine Wahlwerbung gut sind, sei dahingestellt. Dass sie sich bei solchen Gelegenheiten (endlich wieder) unter`s Volk mischen ist jedenfalls mutig angesichts der steigenden Coronazahlen. Was mich dabei stört, dass die Medien (fast) nur Bilder veröffentlichen auf denen die Politiker zu sehen sind. So gesehen machen die Medien Wahlwerbung, oder etwa nicht?

tannenbaum
5
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War

gestern schon Fasching?

Kobold76
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„Keine Wahlveranstaltung“

…aber von jedem Foto hier lacht ein/e ÖVPler/in runter. Der Witz war gut…

owlet123
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Unterschiedliche Wahrnehmung

Sie sehen ein paar Fotos und schließen auf eine Wahlveranstaltung, ich war da und habe keinen einzigen Politiker, egal welcher Partei getroffen. Gut, es waren anscheinend trotzdem welche da, aber deshalb wird man noch lange nicht zum Gespräch oder gar zur Stimmabgabe gezwungen. Wenn man daran nicht interessiert ist, kann man der Politik an diesem Tag auch problemlos aus dem Weg gehen. Außerdem kommen zum Aufsteirern schon immer viele Leute aus allen steirischen Bezirken, also ist ein großer Teil der Leute dort bei der Grazwahl nicht einmal stimmberechtigt. Aber wie gesagt, unterschiedliche Auffassungen sind völlig ok.

Andreas144
12
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Festivals generell

Werden noch ein paar Jahre so gehen auch wenn alle geimpft sind wird die Pandemie nicht vorbei sein in Dänemark wo mehr wie 80% geimpft sind und die impfrate weiter steigt steigen auch wieder die Infektionszahlen nach oben (ZDF)

checker43
5
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War

ja klar, Dänemark hat auch alle Maßnahmen aufgehoben WEIL so viele geimpft sind. Die müssen keine neuen Maßnahmen mehr setzen, wie es bei uns der Fall ist WEIL viel weniger geimpft sind.

Andreas144
14
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Dänemark im Moment Alles offen

Wird bald wieder alles zugedreht.

markus144
8
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....

Kann es aber auch sein, dass es dieses Jahr deutlich weniger beworben wurde als normal?
Ich wusste bis eben nicht, dass es heute stattfindet...

selbstdenker70
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...

Wahlveranstaltung ohne Sinn...

owlet123
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Keine Wahlwerbung

Ich war den ganzen Tag vor Ort und mir wurde kein einziges Mal Wahlwerbung (aufgedrängt) angeboten. Auch die Parteistände, die zurzeit aufgebauz sind, waren heute nicht da. Also definitiv keine Wahlveranstaltung.
P.S. strikte 3G-Kontrolle inkl. Lichtbildausweis so wie sichs für Veranstaltungen dieser Größenordnung gehört.

Umwelt
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Wahlveranstaltung?

Was für Sie Sinn macht, weiß ich nicht, aber das "Aufsteirern" findet, normalerweise zum gleichen Zeitpunkt jedes Jahr statt. Dann könnte man das "Donauinselfest" auch als jährlich stattfindende Wahlveranstaltung bezeichnen.