Champions Hockey LeagueDie europäische Eishockey-Idee und seine Makel

Der KAC greift nun bereits zum vierten Mal in die Champions Hockey League ein. So richtig ist der Funke nach acht Jahren Existenz noch immer nicht auf die Eishockey-Fans übergesprungen. Eine Analyse.

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ICE HOCKEY - CHL, KAC vs Biel
Die KAC-Stürmer Nick Petersen und Lukas Haudum © (c) GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber
 

Die Champions Hockey League ist bereits voll im Gange. Zumindest in manchen Gruppen. Der KAC greift ab Freitag in den größten europäischen Klub-Eishockeybewerb ein, wie auch die weiteren heimischen ICE-Repräsentanten Red Bull Salzburg und HC Bozen. Seit 2014 existiert diese länderübergreifende Meisterschaft, die bisher lediglich Teams aus Schweden (4 Mal Frölunda, Lulea) oder Finnland (Jyväskylä) gewinnen konnten. Und seit diesem Zeitpunkt versuchen die teilnehmenden Ligen, die Attraktivität des Bewerbes herbeizuloben.

Die vergangene Spielzeit musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Um das Format nicht völlig zu begraben, stellte sich diese Diskussion für die CHL heuer erst gar nicht. 32 Mannschaften aus 14 Ländern bestreiten ihre achte Spielzeit. "Natürlich ist es eine Herausforderung, einen paneuropäischen Wettbewerb während einer Pandemie zu veranstalten", gestand der Schweizer CHL-Geschäftsführer Martin Baumann ein. Wie überall geht es aber ums liebe Geld, die Sponsoren wollen wieder in Erscheinung treten.

Nischenprodukt

Anders als zum Fußball-Pendent (15,64 Mio. Euro Startprämie) müssen sich die Eishockey-Klubs bei einer Qualifikation mit 60.000 Euro begnügen. Dass damit, wenn überhaupt, die Reisekosten abgedeckt werden können. Der Gürtel muss in einer vergleichsweise Nischensportart eben enger geschnallt werden. Lediglich 3,3 Millionen Euro können in der CHL insgesamt an Preisgeld ausgeschüttet werden.

Abgesehen von Reduktionen oder Erweiterungen des Teilnehmerfeldes hat sich die Idee seitdem kaum weiterentwickelt. Vieles in der Organisation wirkt halbherzig und hinterlässt das Gefühl, dass es sich um lästige, zusätzliche Pflicht zum Eishockey-Tagesgeschäft handelt. Zu sehr stehen die nationalen Meisterschaften im Fokus - klarerweise. Und nach wie vor ist die Champions Hockey League zumindest in den mitteleuropäischen Breiten zu weit entfernt. In der Wahrnehmung der Fans, aber auch von den Protagonisten selbst. Dass jüngere Eishockey-Anhänger erst gar nicht erreicht werden können, liegt auch an völlig abstrusen Beginnzeiten.

Seltenes Erlebnis

Über einen (vielleicht den einzigen) Trumpf verfügt dieses Projekt hingegen: Hin und wieder kommen heimische Fans in den Genuss, die eigene Mannschaft gegen europäische Top-Klubs zu erleben. Oder Spieler beobachten zu dürfen, für die es sonst einen halb-offiziellen, russischen Streaming-Anbieter benötigt.

Einen Schuss Extra-Motivation brauchen heuer wohl die Rotjacken. Auf den KAC wartet in der Gruppenphase Frankreichs Meister Rouen, Dänemarks Champion Rungsted sowie Ukraines Titelträger Donezk. Nicht unbedingt die Creme-de-la-Creme des kontinentalen Eishockeys, aber undankbar. Aber zumindest Gegner, die eine bewältigbare Hürde für den CHL-Achtelfinaleinzug (und weiteren 30.000 Euro) darstellen. Außerdem bietet sich den Fans seit über einem Jahr erstmals die Gelegenheit, den amtierenden Liga-Meister live zu beobachten.

Fraglich bleibt, ob ein Klub wie Donezk mehr Zuschauer in die Halle locken kann, als etwa Linz oder Fehervar. Selbst ZSC Lions oder Frölunda schafften es nicht, für ein ausverkauftes Haus in Klagenfurt zu sorgen. Wie etwa der VSV. Und solch ein Zuspruch bildet schließlich die Basis im Sport. Auch für die Idee der "Champions Hockey League". Bei allem Engagement und vorgegaukelten Enthusiasmus: Der Bewerb scheint auch nach acht Jahren irgendwie noch immer auf der Stelle zu treten. Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut.

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