Justiz-ErmittlungenNeue Umfragen: ÖVP im freien Fall

Meinungsforscher Peter Hajek ist in seiner Analyse jedoch vorsichtig. Wählerinnen und Wähler machen sich offenbar erst langsam ein Bild von der Sachlage.

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© APA/ROBERT JAEGER
 

Die Justiz-Ermittlungen gegen die ÖVP schlagen in den Umfragedaten nun voll durch. Im Österreich-Trend für APA und ATV (Befragungszeitraum 18. bis 21. Oktober) kommt die größere Regierungspartei in der Sonntagsfrage nur noch auf 23 Prozent und muss sich den ersten Platz mit der SPÖ teilen. In der Kanzlerfrage liegt Alexander Schallenberg (ÖVP) mit 27 Prozent nur knapp vor FPÖ-Chef Herbert Kickl (23 Prozent) und SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner (22 Prozent).

Von Peter Hajeks Public Opinion Strategies befragt wurden 800 Personen, und zwar telefonisch und online (Zielgruppe: österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, maximale Schwankungsbreite +/- 3,5 Prozent). Gegenüber dem letzten Österreich-Trend aus dem Juni stürzt die ÖVP dabei um elf Prozentpunkte ab. Die SPÖ bleibt mit 23 Prozent gleich, die FPÖ geht von 18 auf 20 Prozent hinauf, die Grünen gewinnen stark von 12 auf 16 Prozent, die NEOS bleiben bei 12 Prozent und MFG käme auf 4 Prozent.

Stimmung noch unsicher

Hajek selbst gibt sich in der Interpretation vorsichtig. In der Sonntagsfrage sei die Situation sehr unübersichtlich, da sich die Wählerinnen und Wähler erst langsam ein Bild von der Sachlage machten, meinte er in er Stellungnahme gegenüber der APA. Im Vergleich zur "profil"-Befragung von letzter Woche (Feldstart nach der Sondersitzung des Nationalrats nach dem Rücktritt von Sebastian Kurz) geben ÖVP und SPÖ zwei bis drei Punkte nach, die Grünen können ihren Aufwärtstrend von letzter Woche fortsetzen, erklärte er.

"Es ist davon auszugehen, dass sich die Stimmung am Wählermarkt erst im Lauf des Novembers setzen wird - vorausgesetzt, dass sich die politische Lage beruhigt und man zur Tagespolitik übergehen kann", so Hajeks Fazit.

Schallenberg bei Kanzlerfrage "solide"

In der Kanzlerfrage starte Schallenberg mit 27 Prozent "keineswegs fulminant, aber solide", so der Meinungsforscher. Der Neue müsse sich den Menschen erst "vorstellen". Kurz war im Juni noch auf 42 Prozent gekommen. Kickl legt um neun Prozentpunkte zu und liegt nun sogar einen Punkt vor Rendi-Wagner, den Vorsprung wertet Hajek aber als "nicht signifikant". Hajek verweist darauf, dass die beiden in der monatlichen "profil"-Umfrage seit geraumer Zeit auf ähnlichem Niveau pendeln. Kogler konnte ebenso wie seine Partei zulegen, er legte in der Kanzlerfrage von 11 auf 17 Prozent zu.

Die Arbeit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die die ÖVP-Ermittlungen führt, wird in der Umfrage durchgehend positiv bewertet, 18 Prozent sehen sie als "sehr gut", weitere 41 Prozent als "gut". Kritischer sind ÖVP-Wähler (42 Prozent "gut" oder "sehr gut", 39 Prozent "eher" oder "sehr schlecht").

Die Idee eines Löschverbots für Handys von Regierungsmitgliedern und Abgeordneten kommt bei 49 Prozent der Bevölkerung gut an, 36 Prozent sind dagegen. Bei den ÖVP-Wählern sehen hier 68 Prozent einen zu weiten Eingriff in die Privatsphäre.

Kommentare (90)
HASENADI
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ÖVP und FPÖ:

Kommunizierende Gefäße mit einer Politik für max. die Hälfte der Bevölkerung. Tendenz weiter fallend.

Ulfi_Hautberget
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10 %

Mit Politik wohl eher nur für (die oberen) 10 % der Bevölkerung.

melahide
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Ein

Gutteil der Österreicher schafft es scheinbar nur, bei ÖVP oder FPÖ ein Kreuz zu machen …

DergeerdeteSteirer
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@melahide, ............meines Erachtens ist es völlig egal ob es ÖVP oder FPÖ oder irgendeine andere Partei ist, ................


Für mich ist es wichtig, das "Kreuzerl" für jene "geeignete Person" zu platzieren, welche realistisch nutz voll und dementsprechend menschlich handelnd für die Bürgerinnen und Bürgern da ist, alles andere sind nur unnötige Macht Spielchen!

hbratschi
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das, steirer,...

...war auch das "geheimnis" der elke kahr in graz. sie war für die menschen da. wie sich das jetzt als bürgermeisterin umsetzen lässt, wird spannend. ich wünsch ihr jedenfalls alles gute...

feringo
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@DergeerdeteSteirer : "Kreuzerl" für jene ...

Für diese Formulierung erhalten Sie [99 x (👍👍👍)] !

VH7F
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Kickl liegt vor Pamela Joy?

In Österreich erratet selten eine Umfrage das Ergebnis. Hier wird darüber zuviel gelogen. In Deutschland scheinen die Institute sorgfältiger zu sein?

checker43
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22 vs. 23

ist innerhalb der +/-3,5 % Schwankungsbreite.

DergeerdeteSteirer
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Die Formulierung der Schlagzeile sollte meines Erachtens normalerweise nicht heißen ............ "Wählerinnen und Wähler" sondern "Bürgerinnen und Bürger"!


Alles stets nur parteilich zu formulieren ist bereits müßig, Menschen (Bürger) zählen und nicht Parteien, solange sich die parteilichen "geltungssüchtigen Selbstverwirklicher" so verhalten verdienen sie den Ausdruck "Volksvertreter" nicht !

checker43
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In

die Umfrage gehen aber nur Bürger ein, die auch wählen gehen würden oder überhaupt können. Von da her korrekt formuliert. Der Begriff "Wähler" ist kein parteiliche Formulierung.

mobile49
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@checker43

man fragte nach wahlberechtigung ?

also , mich hat man nicht nach meiner wahlberechtigung gefragt (umfrage ist aber schon 2 - 3 jahre zurück)

checker43
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mobile

Hat man Sie nach dem Alter ausgewählt oder waren Sie damals 14 und nicht wahlberechtigt oder nicht wahlberechtigter Migrant?

wjs13
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Das ist neben der extremen Schwankungsbreite das Grundübel dieser Kaffeesudleserei

Das Mindeste wäre den exakten Wortlaut der Frage mit dem Ergebnis mitzuliefern. Die SPÖ-Umfragen in APA, ORF, Krone, usf. sind nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt werden. Ob es in AT überhaupt, von den Parteien unbeeinflußte, Umfragen gibt, wage ich zu bezweifeln.

checker43
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Damit

muss man leben und die Schwankungsbreite bei der Interpretation berücksichtigen. Klar ist, dass es einen Absturz der ÖVP gibt. War auch erwartbar und daran ändert auch die Schwankungsbreite nichts. Ohne Umfragen wie diese wären die Parteien halt immer im Blindflug unterwegs bis zur nächsten Wahl und könnten nicht steuernd in Personal, Kommunikation oder Programm eingreifen.

vandiemen
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Na hoffentlich..

..bleibt dieser Zustand auch bis zur nächsten Wahl!

Kommentare 76-90 von 90