Verschärfte Corona-MaßnahmenLockdown für Ungeimpfte ab November möglich

Die türkis-grüne Koalition und die Landeshauptleute erhöhen den Druck auf die Ungeimpften. Liegen mehr als 600 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, müssen Ungeimpfte in den Lockdown. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent könnte Niederösterreich das erste betroffene Bundesland sein.

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CORONAVIRUS: INTENSIVSTATION AM UNIKLINIKUM SALZBURG - Bild vom 3.11.2020
© APA/SALK
 

Die Bundesregierung unter Führung des neuen Bundeskanzlers Alexander Schallenberg will angesichts des dramatischen Anstiegs der Corona-Infektionen die Daumenschrauben weiter anziehen. In einer abendlichen Sitzung im Bundeskanzleramt, zu der die Landeshauptleute virtuell zugeschaltet waren, haben Schallenberg, Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger einen neuen Fünf-Stufen-Plan vorgestellt. Der späte Beginn des Treffens ist dem Brüsseler EU-Gipfel geschuldet, dem der neuen Bundeskanzler erstmals beigewohnt hat. Ob auch Schallenbergs Amtsvorgänger Sebastian Kurz, der im Sommer die Pandemie für beendet erklärt hatte, sich zu solchen drastischen Schritten durchgerungen hätte, bleibt offen.

Die aktuelle Prognose geht von einem signifikanten Anstieg der 7-Tages-Inzidenz aus, der zu einer entsprechend höheren Intensivbetten-Auslastung führen wird. Unterm Strich heißt das: Das Risiko des Erreichens der Auslastungsgrenze ist gegeben, wenn auch noch nicht rasend hoch. Am 3. November könnte Niederösterreich mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, Salzburg und Vorarlberg mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent und Wien mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent den Schwellenwert von 30 Prozent überschreiten. In allen anderen Bundesländern ist das aus heutiger Sicht unwahrscheinlicher.

Lockdown für Ungeimpfte

Der Fünf-Punkte-Plan sieht in der letzten Kategorie einen Lockdown für Ungeimpfte vor. Voraussetzung ist, dass auf den Intensivstationen mehr als 600 Betten mit Covid-Infizierten belegt sind. Derzeit liegen 224 Personen auf den Intensivstationen, zuletzt hatte Österreichs Gesundheitssystem am 11. April die Schwelle von 600 Covid-Betten (611) überschritten.

Konkret heißt es für Ungeimpfte, dass sie ihren privaten Wohnbereich dann nur noch für die Arbeit, den täglichen Bedarf, die Betreuung von pflegenden Angehörigen, den Besuch von Ärzten oder Spitälern verlassen dürfen. Der Hintergedanke liegt auf der Hand: Auf diese Weise sollen Ungeimpfte zur Impfung gedrängt werden, Österreich liegt mit einer Durchimpfungsrate von etwas mehr als 60 Prozent bei der Impfquote im europäischen Durchschnitt im hinteren Mittelfeld.

Stufe vier nur für Ungeimpfte

Neu ist, dass die dritte Stufe ab 400 Intensivbetten aktiviert wird, die 2,5-G-Regel (Geimpft, Genesen oder PCR-Test) dann überall dort gilt, wo bisher 3G gilt. Antigentests sind nicht mehr erlaubt. Die vierte Stufe wird ab 500 Betten aktiviert, dann haben nur noch Geimpfte oder Genese Zutritt.

Ich werde es als Bundeskanzler nicht zulassen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird, weil noch zu viele Zögerer und Zauderer gibt, die sich noch nicht zu einer Impfung durchringen können.

Bundeskanzler Schallenberg

In einer ersten Reaktion begründete Schallenberg die Verschärfungen wie folgt: “Wir sehen die Pandemie noch nicht in unserem Rückspiegel. Wir sind drauf und dran in eine Pandemie der Ungeimpften zu stolpern. Und das, obwohl wir über genügend Impfstoff verfügen, Impfstoff, der sicher ist, wirkt und vor einer schweren Erkrankung schützen soll.“ Allen ungeimpften Menschen müsse klar sein, dass auf ihren Schultern nicht nur die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit laste, sondern auch für die ihrer Mitmenschen. „Ich werde es als Bundeskanzler nicht zulassen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird, weil noch zu viele Zögerer und Zauderer gibt, die sich noch nicht zu einer Impfung durchringen können. Noch haben wir es in der Hand das zu verhindern – daher mein dringender Appell: Lassen Sie sich impfen!“

Ich glaube, es ist notwendig, dass wir hier Maßnahmen in die Zukunft gerichtet ergreifen - und zwar jetzt.

Bundeskanzler Schallenberg

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein ergänzt: “Wir alle planen unsere kommenden Wochen und Monate: Familie, Ferien, Schule, Weihnachtsfeiertage. Die Wirtschaft, insbesondere der Tourismus, plant die Wintersaison. Meine Aufgabe als Gesundheitsminister ist es, alle Menschen, die hier leben, zu schützen und dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem funktioniert und Sie die beste Versorgung bekommen. Meine Aufgabe ist es aber auch, Ihnen ganz klar und deutlich zu sagen, was auf Sie zukommt. Die neuen Schritte betreffen vor allem Menschen ohne Impfschutz.“

Intensivbetten mit zusätzlichen Grenzen:

Auch kritische Stimmen

In der Sitzung wurden dem Vernehmen nach auch kritische Stimmen aus den Ländern laut. So drängte dem Vernehmen nach der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) aufs Tempo und nahm den Bund in die Pflicht, habe dieser doch vor dem Sommer die Pandemie für beendet erklärt. Er will 2G so schnell wie möglich breit einführen und analog zur in Wien schon lange geltenden Regel FFP2-Maskenpflicht in allen Geschäften.

Im Vorfeld waren die Länder nicht ganz einig gewesen, ob es im ganzen Land dieselben oder regionale Regelungen geben soll. Vor allem Vorarlberg und das Burgenland hatten für letzteres plädiert.

Wien für strengere Regeln

Im SPÖ-regierten Wien verwies man darauf, dass man bereits am Donnerstag klar kommuniziert habe, die strengeren Coronamaßnahmen in der Bundeshauptstadt weiter beibehalten zu wollen, berichtete das Ö1-"Mittagsjournal".

Es steigen die Fallzahlen exorbitant an.

Kärnten LH Peter Kaiser

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) ortete angesichts stagnierender Impfzahlen Handlungsbedarf, "es steigen die Fallzahlen exorbitant an". Er sprach sich auch dafür aus, in dieser Situation österreichweit gemeinsame Vorgaben zu machen, anstatt regional unterschiedlich zu agieren.

Der 5-Stufen-Plan - die Maßnahmen im Detail

STUFE 1:

Stufe eins des erstmals Anfang September präsentierten Regelwerkes ist seit 15. September in Kraft, als die Zehn-Prozent-Auslastung an den Intensivstationen (ICU) mit Covid-Patienten erreicht wurde (bzw. 200 belegte Betten). Zuletzt lagen gut 220 Corona-Patienten auf Österreichs ICUs (bzw. 11 Prozent Auslastung). Die Politik befürchtet angesichts der stark wachsenden Infektionszahlen allerdings einen baldigen Anstieg in Richtung Stufe zwei.

In Phase eins ist überall dort, wo vor Einführung des "Stufenplans" ein einfacher Gesichtsschutz anzulegen war, die höherwertige FFP2-Maske zu tragen. Das gilt etwa in Supermärkten und sonstigen Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Trafiken und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Im sonstigen Handel (beispielsweise Kleider- oder Elektrohandel) dürfen Geimpfte und Genesene ohne Maske in die Geschäfte, Ungeimpfte müssen hingegen eine FFP2-Maske anlegen. Schärfere Bestimmungen gelten bereits in Wien und in Salzburg, dort ist im gesamten Handel die FFP2-Maske Pflicht.

Die 3G-Regel wurde mit Inkrafttreten der Stufe eins von den schon gewohnten Settings (z.B. Gastronomie oder Events) auf Veranstaltungen ab 25 Personen ausgedehnt (davor ab 100 Personen). Antigen-Tests sind in Stufe eins nur 24 Stunden lang für einen 3G-Nachweis gültig (statt zuvor 48 Stunden). PCR-Tests können wie auch davor 72 Stunden lang verwendet werden. In Wien gibt es allerdings auch in diesem Bereich strengere Vorgaben als in Rest-Österreich: Antigen-Tests haben (außer für Kinder unter 12 Jahren) keine Gültigkeit. Der PCR-Test gilt nur 48 Stunden (für Kinder unter 12 Jahren 72 Stunden).

STUFE 2:

Stufe zwei bleibt unverändert: Sieben Tage nach Überschreitung einer Intensivstations-Auslastung von 15 Prozent (300 Betten) gilt in der Nachtgastronomie (und "ähnlichen Settings") sowie bei Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze mit mehr als 500 Personen eine 2G-Regel, d.h. nur mehr Geimpfte oder Genesene haben Zutritt. Außerdem sind in Stufe zwei Antigentests mit Selbstabnahme ("Wohnzimmertests") nicht mehr als Nachweis für Bereiche mit 3G-Eintrittsregel gültig. In der Bundeshauptstadt Wien sind genau diese Verschärfungen bereits abseits des "Stufenplans" in Kraft gesetzt worden.

STUFE 3:

Sollte es zu einer Auslastung von 20 Prozent (400 Betten) kommen, folgt Stufe drei. In Bereichen mit 3G verliert der Antigentest dann in ganz Österreich seine Gültigkeit. Zutritt hätten damit überall nur mehr Geimpfte, Genesene oder Personen mit aktuellem PCR-Test. Seit Freitag neu ist, dass diese Maßnahme sofort bei Überschreiten des Grenzwertes in Kraft tritt. Die bisher vorgesehene Sieben-Tages-Wartefrist fällt weg.

STUFE 4:

Die neue Phase vier des Planes wird bei einer Auslastung von 25 Prozent bzw. 500 belegten ICU-Betten schlagend. Vorgesehen ist dann eine "2G"-Regel in allen "3G"-Bereichen: Ungeimpften wird damit der Eintritt etwa in Gastronomie, Hotellerie, zu Veranstaltungen, Kultureinrichtungen, Freizeiteinrichtungen oder Sportveranstaltungen untersagt. Das gilt dann auch bei Vorlage eines negativen Tests - egal ob Antigen oder PCR. Genaue Details werden laut Gesundheitsministerium noch ausgearbeitet, betroffen sein könnten aber etwa auch körpernahe Dienstleister wie beispielsweise Friseure, für die man derzeit einen 3G-Nachweis braucht.

STUFE 5:

Sollte die Intensivstations-Auslastung sogar 600 Betten übersteigen (bzw. 30 Prozent), dann kommt es zu Phase fünf, in der die als "kritisch" geltende 33-prozentige Auslastung der Intensivkapazitäten mit Covid-Patienten nahezu erreicht wäre. Diese Stufe bringt "Ausgangsbeschränkungen" für Ungeimpfte - den bereits aus früheren Pandemie-Phasen bekannten Lockdown.

Damit wäre für all jene, die weder eine Impfung noch einen aufrechten Genesungs-Status vorweisen können, das Verlassen des eigenen privaten Wohnbereichs nur noch in Ausnahmefällen gestattet. Erlaubt ist dann etwa noch die Grundversorgung (wie Einkäufe) oder der Weg zur Arbeit.

 

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Danke für Ihr Verständnis.

madermax
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Und wer kontrolliert?

Dem Handel wird’s wurscht sein, und ich habe in den letzten Monaten nicht einmal einen Polizisten in einem Einkaufszentrum gesehen der die Leute per Zufall auf 3G+FFF2 Pflicht kontrolliert…

Ohne drakonische Strafen und strenge Kontrollen ist das doch jetzt schon zum Scheitern verurteilt…

helmutmayr
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Sie haben den Arsch

nicht in der Hose. IMPFPFLICHT und gut ist es.
Bei Polio und Pocken wars auch so. Übrigens bei gleicher Verfassung.

reschal
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Schallenberg bekennt Farbe

Wenn ich die Argumente von so manchen Impfverweigerern höre, kann ich nur den Kopf schütteln.
Gute Entscheidung!

wunder10
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Laborbericht

lässt man sich impfen, wenn im Laborbericht steht, durchgemachter kontakt mit Sars -coV2-Viren,nach Impfung erfolgt KEINE Bildung von Antikörper ; ALSO GENUG ANTIKÖRPER; iMPFUNG ÜBERFLÜSSIG :
man sollte auch darüber berichten, nicht nur die Impfgegener beschimpfen!!

Miraculix11
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Hast Du was übersehen?

Genesen oder geimpft wird verlangt....und genesen kann man nur sein wenn man genug Antikörper hat.

Mscheidl
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AK

Es gibt Menschen, die haben auch nach einer, nach zwei oder mehreren Impfungen keine AK gebildet ….jaaaa, d gibt es !!!

frogschi
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Zählen da eigentlich sie CoViD Patienten,

welche von uns aus humanitären Gründen aus dem Ausland aufgenommen werden, auch dazu?

leserderzeiten
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Orm,

afoch nur orm.

dude
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Die Frage von frogschi ist mehr als berechtigt, lieber Leser der Zeiten!

Sie brauchen ihn nicht als arm zu bezeichnen! Wenn wir in Österreich 601 Covid-Patienten auf den Intensivstationen hätten und davon 5 Patienten sind, die wir aus Nachbarschaftshilfe aus dem Ausland aufgenommen haben, ändert sich für Ungeimpfte sehr viel, ob die 5 nun dazu gerechnet werden, oder nicht!

frogschi
17
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Bedeutet Ihre Antwort nun

Ja, oder Nein?

smarty
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Richtig und

Strengstens kontrolliert! Ohne Diskussionen! Hoffe schon bald auf den 3.Stich!

finaelfr
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Kannst dich ja

jede Woche stechen lassen.

DannyHanny
19
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Finaelfr

Sie haben recht......Smarty klingt nicht wie jemand, der zwar die Klappe offen hat, sich aber wegen einer Impfung in die Hosen macht!

nijinsky
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Hahaha

Genauso streng wie alles andere zuvor?
Die Politik hat sich von der Realität schon lang entkoppelt.

Kommentare 276-289 von 289