Geimpfte in KrankenhäusernWie wirksam sind die Covid-Impfstoffe wirklich?

Immer wieder wird vermeldet, es würden zahlreiche Geimpfte in heimischen Krankenhäusern liegen. Stimmt das wirklich? Und wie wirksam und effektiv sind die Covid-Impfstoffe auf Basis der "echte Welt"-Daten?

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"Die bloße Angabe von Impfquoten bei hospitalisierten PatientInnen ohne die damit in Verbindung stehenden individuellen Krankenanamnesen ergibt ein völlig verzerrtes Bild", sagt der Infektiologe und Universitätsprofessor Günter Weiss.
"Die bloße Angabe von Impfquoten bei hospitalisierten PatientInnen ohne die damit in Verbindung stehenden individuellen Krankenanamnesen ergibt ein völlig verzerrtes Bild", sagt der Infektiologe und Universitätsprofessor Günter Weiss. © dpa-Zentralbild/Robert Michael
 

Nach wie vor ist die Wirksamkeit der Covid-Impfung in impfkritischen Kreisen das dominierende Thema. Auf Facebook heißt es etwa, dass die Zahl der Impfdurchbrüche in Österreich massiv steige. Dieselbe Entwicklung habe sich in Israel gezeigt. Dass die "Pandemie der Ungeimpften" nichts als ein Werbeslogan sei, sehe man auch an der Zahl der Geimpften in Tiroler Spitälern. Es wird suggeriert, dass diese Daten Belege für eine unzureichende Wirksamkeit der Impfung sind.

Doch die Daten zeigen nicht, dass die Covid-Impfung unzureichend wirkt. Rein statistisch steigt mit dem Anteil der geimpften Bevölkerung auch die Anzahl der Impfdurchbrüche, denn je mehr Menschen geimpft sind, desto häufiger besteht die Möglichkeit einer Infektion trotz Impfung. Laut den Tiroler Kliniken hilft die Impfung gut und verhindert schwere Verläufe. Fast alle Patienten mit Impfdurchbrüchen seien immunsupprimiert, sehr alt, hätten Krebs oder eine Autoimmunerkrankung. Was stimmt ist, dass der Impfschutz Studien zufolge vor allem bei Älteren nach einigen Monaten etwas nachlässt. Daten belegen ganz klar: die Impfstoffe wirken, sollten nach einer gewissen Dauer aber aufgefrischt werden, um den Schutz auch längerfristig zu gewährleisten.

Soviel zum schnellen Fazit, kommen wir zu Faktenüberprüfungen im Detail

Die steigende Zahl der Impfdurchbrüche

Tatsächlich steigt in Österreich der Anteil der Impfdurchbrüche. Das lässt sich anhand der regelmäßig erscheinenden Berichte der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zu Impfdurchbrüchen erkennen. Im Bericht von 31. August 2021 steht etwa, dass seit Februar 3,15 Prozent der symptomatischen Corona-Fälle vollständig geimpft waren. Eine Woche später lag der Wert bei 4,05 Prozent und die Woche darauf bei 5,03 Prozent. Dem AGES-Bericht von 22. September 2021 zufolge, auf den sich ein oft geteiltes Facebook-Posting bezieht, lag der Anteil der Fälle von Impfdurchbrüchen seit Februar bei 6,19 Prozent. Eine Woche später bei 6,87 Prozent und aktuell bei 7,82 Prozent. Betrachtet man nur die letzten vier Kalenderwochen (KW 35-38) waren unter den symptomatischen Corona-Fällen 28,70 Prozent vollständig geimpft.

Das ist allerdings kein Hinweis darauf, dass die Corona-Impfung unzureichend wirkt. Rein statistisch ist zu erwarten, dass, wenn der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung steigt, auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass unter den Covid-19-Fällen Geimpfte sind. Das erklärt sich daraus, dass obwohl die Impfung sehr gut wirkt, nicht alle Infektionen vermieden werden können. Impfdurchbrüche kommen nicht nur bei der Covid-Impfung vor, auch bei anderen Impfstoffen gibt es diese: Etwa bei der Influenza-Impfung, der Masern-Impfung, der Keuchhusten-Impfung, der Hepatitis-Impfung, der Windpocken-Impfung oder auch der FSME-Impfung. 

Einige Grafiken auf der AGES-Homepage veranschaulichen dieses statistische Phänomen zusätzlich: "Der prozentuale Anteil an Impfdurchbrüchen steigt, die Anzahl an Erkrankungen in der Bevölkerung insgesamt sinkt aber durch die Schutzwirkung der Impfung." Die Anzahl der Impfdurchbrüche ist demnach auch vom Infektionsgeschehen abhängig.

Impfdurchbrueche, Österreich
Auf der Website der AGES wird das statistische Problem der Impfdurchbrüche erklärt Foto © AGES

Corona-Fälle in Tiroler Spitälern

Als weiteren Beleg für die vermeintlich unzureichende Impfwirksamkeit nennen Kritiker zuletzt oft die vom FPÖ-Politiker Peter Wurm genannten Zahlen zu Geimpften in Tiroler Krankenhäusern. "Kritischen Medizinern" zufolge seien mit Stand 22. September 67 Prozent der Corona-Patienten in Innsbruck doppelt geimpft gewesen, auf der Intensivstation 30 Prozent. In Tirol habe der Anteil der doppelt Geimpften auf Normalstationen 46 Prozent betragen, auf Intensivstationen 34 Prozent.

Die Tiroler Landesregierung erhebt keine offiziellen Zahlen zu Impfdurchbrüchen und auch die AGES hat keine genauen Daten zu Tirol, da Krankenhäuser gesetzlich nicht verpflichtet seien, diese Fälle zu melden. Aussagen einzelner Ärzte sind daher mit Vorsicht zu genießen. Einzelne Krankenhäuser nennen allerdings Zahlen. Nach Angaben der Tiroler Kliniken etwa seien an der Uniklinik Innsbruck mit Stand 6. Oktober fünf der acht Corona-Patientinnen und Patienten auf der Normalstation geimpft gewesen (62,5 Prozent). Drei der zehn Corona-Patienten auf der Intensivstation waren demnach geimpft (30 Prozent). Mit Stand 22.9. seien sogar acht der zehn Corona-Patienten auf der Normalstation geimpft gewesen (80 Prozent). Bei den Intensivpatienten ist das Verhältnis gleich geblieben.

Die scheinbar hohen Zahlen bedeuten nicht, dass die Corona-Impfung unzureichend wirkt, betonen sowohl die Tiroler Landesregierung, die AGES als auch die Tiroler Kliniken gegenüber der Austria Presse Agentur. Zum einen gilt hierbei nämlich zu beachten, dass es sich bei geimpften Patienten in Krankenhäusern, die positiv getestet werden, nicht automatisch um Impfdurchbrüche handelt. In Tirol können etwa laut dem Kliniksprecher auch Patienten wegen beispielsweise Nierenversagen auf der Intensivstation liegen, die zufällig positiv auf Corona getestet werden. Diese zählen dann zwar als Coronafälle, aber nicht als Impfdurchbrüche.

Häufig Patienten mit Vorerkrankungen betroffen

Beim Anführen reiner Prozentzahlen Geimpfter auf Intensivstationen wird häufig außer Acht gelassen, wie groß bzw. klein die Gruppe der Corona-Intensivpatienten insgesamt ist. Viele Menschen, die früher wegen Corona auf Intensivstationen gelandet wären, müssen jetzt aufgrund ihres Impfschutzes nicht mehr dorthin. Gerade in Tirol bewegt sich die Zahl der Intensivpatienten auf den einzelnen Stationen derzeit im einstelligen Bereich, es ist also eine relativ kleine Gesamtmenge. Dadurch können sich Prozentwerte durch einzelne Zuwächse oder Abnahmen stark ändern.

Die bloße Angabe von Impfquoten bei hospitalisierten PatientInnen ohne die damit in Verbindung stehenden individuellen Krankenanamnesen ergibt ein völlig verzerrtes Bild

Günther Weiss, Infektiologe

Eine unreflektierte Verwendung solcher Prozentzahlen monieren die Tiroler Kliniken: "Bei den geimpften PatientInnen handelt es sich größtenteils um immunsupprimierte (Transplantation, Autoimmunerkrankung), onkologische oder sehr betagte PatientInnen. Bei diesem Patientenkollektiv kann die Impfung entweder ihren vollen Schutz nicht entfalten, oder der Impfschutz lässt schneller nach und muss dementsprechend aufgefrischt werden", sagt etwa der Sprecher der Tiroler Kliniken. Ihm zufolge sind die Tiroler Zahlen ein Beleg, dass die Impfung gut helfe, weil sie schwere Verläufe verhindere. "Die bloße Angabe von Impfquoten bei hospitalisierten PatientInnen ohne die damit in Verbindung stehenden individuellen Krankenanamnesen ergibt ein völlig verzerrtes Bild", sagt der Infektiologe und Universitätsprofessor Günter Weiss.

Studienlage zur nachlassenden Schutzwirkung der Impfung

Zutreffend ist, dass es Hinweise gibt, dass die Schutzwirkung der Corona-Impfung bei bestimmten Gruppen mit der Zeit nachlässt, wie u.a. aus einem internen Dokument der Ampel-Kommission hervorgeht, das der APA vorliegt. Demzufolge sei die Zahl der voll immunisierten Patienten auf Intensivstationen leicht im Steigen. Vor allem für die ältere Personengruppe wird aus diesem Grund eine Auffrischungsimpfung empfohlen, die sehr gute Antikörperantworten nach sich zieht.

Darauf deuten auch mehrere Studien hin. Einer Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC (September 2021) zufolge sank die Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs innerhalb von ein paar Monaten auf 77 Prozent. Moderna blieb demnach mit seiner Wirksamkeit bei 92 Prozent. Auch eine britische Preprint-Studie (August 2021) ergab, dass die Wirksamkeit der Corona-Impfung bei der zuletzt stark aufgetretenen Delta-Variante mit der Zeit nachlässt. Zwei Studien (hier und hier) des renommierten "New England Journal of Medicine" (Oktober 2021) zufolge war die Immunantwort sechs Monate nach Erhalt der zweiten Dosis "deutlich verringert". In der zweiten Studie wird allerdings beschrieben, dass der Schutz vor Hospitalisierung und Tod auf einem stabilen Niveau geblieben war.

Zahlen und Daten belegen, dass die Covid-Impfung wirksam ist: Eine Modellrechnung des Gesundheitsministerium geht Berichten zufolge davon aus, dass durch die Covid-Impfung bis Ende Juli fast 2.200 Todesfälle verhindert werden konnten. Bei fast 5.800 Personen habe durch die Impfung ein Krankenhausaufenthalt verhindert werden können.

Kommentare (15)
Isidor9
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Alles revidiert

Mein Bekannter war überzeugter Impfgegner. Nach einem schweren Covidverlauf hat er seine Meinung.geändert. " Ich war ein verirrter Idiot" sagt er. Hat alles was er früher vertrat revidiert.

microfib
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Zahl der Geimpften auf den Intensivstationen in Deutschland steigt

Der Anteil geimpfter Corona-Patienten auf Intensivstationen ist einem Medienbericht zufolge angestiegen. Wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten, waren von den 1.186 Corona-Patienten, die in Deutschland Mitte August bis Anfang September "intensivmedizinisch versorgt" werden mussten, 119 gegen das Virus geimpft. Dies entspricht einer Quote von rund zehn Prozent. Im Zeitraum von Anfang Februar bis Anfang September lag der Anteil der geimpften Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen bei 1,84 Prozent (210 von 11.419 Fällen).
Die Zeitungen berufen sich dabei auf eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die Daten stammen vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Mg01
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Was ist Wissenschaft oder Marketing

Ist die Farbe Schwarz oder Weiß darüber braucht man nicht zu Diskutieren. Haben wir Menschen ein Immun System.... ich habe eins, warum muss ich mich für etwas Impfen lassen weil es Sozialer ist als alles andere ?? Die meisten Menschen sind den Handys und bezahlten Werbe Medien ausgeliefert um nicht selber Denken zu müssen. Wie Herdentiere :-) Schafe und ähnliches Danke Nein, es wird in Beziehungen und Familien darüber gestritten. Was ist Familie heute noch wert wenn man sich für die Pharmaindustrie und das liebe Geld - Gold Verkauft. Was ist das Leben eines Menschen noch Wert, die Menschen schaffen sich selber ab. Wofür.......

umo10
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Für impfgegner müsste der Artikel anders herum aufgezäumt werden

Der letzte Satz zuerst. Die Impfung wirkt, muss aber aufgefrischt werden

Kulak
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Was, wenn es gar keine Impfdurchbrüche sind?

Es gibt unter den Fachleuten welche, die meinen, die Zunahme symptomatischer Infektionen im zeitlichen Abstand zur Impfung sei nicht auf nachlassenden Impfschutz zurückzufühten, sondern eine Manifestation von ADE (vor dem sog. Verschwörungstheoretiker immer gewarnt hsben).

Kleine Zeitung
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Good Point!

Vielen Dank für den Hinweis, haben wir im Artikel angepasst.
LG,
Martina Marx

Horstreinhard
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An alle Impfgegner und -Skeptiker und Ungeimpfte

Macht eine Patientenverfügung, dass ihr auf eine Behandlung im Krankenhaus, insbesondere auf der Intensivstation, verzichtet. Das wäre eurer Eigenverantwortung entsprechend.

uomo23
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Horst...

... dann bitte auch gleich unterschreiben, wenn Sie beim Schifahren stürzen und sich das Bein brechen, daß Sie den Abtransport, die Op und Therapie selber zahlen.
Unser Gesundheitssystem ist so aufgebaut, jeder zahlt ein und der es braucht wird unterstützt.

ritus
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Zuerst denken...

...dann schreiben/reden.
Ein Schisportler löst in der Regel durch seinen Unfall nicht serienweise weitere Unfälle aus. Das ist der Unterschied.

Horstreinhard
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Der Unterschied ist, dass es auch eine Sorgfaltspflicht gibt

Und die wird bei Nichtimpfen tatsächlich nicht eingehalten. Und die Impfignoranten belegen Kapazitäten in den Krankenhäusern für lange Zeit!

vpower
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Impfung nicht harmlos

Es geht nicht nur um Impfdurchbrueche, sondern vorallem um Impfschaeden. Somit stimmt der Satz, dass die Impfung auf jeden Fall wirkt. Nicht bei jedem nach Wunsch. Impfung? Individuelle Entscheidung. Wann wird das endlich akzeptiert?

owlet123
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Wenn man sich manche Kommentare...

...hier aber vor allem in sozialen Medien ansieht, könnte man meinen, es gibt in Österreich schon mehr Impftote und schwerst impfgeschädigte Personen als überhaupt Geimpfte...

Horstreinhard
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Haben Sie eine Zeckenimpfung?

Das würde mich interessieren.

Kulak
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Modellrechnung

Meine Modellrechnung besagt, dass durch meine ausgeklügelte Knpblauchtherapie österreichweit 5.324 Vampirangriffe verhindert werden konnten.

Was, es gibt gar keine Vampirangriffe?

Meine Therapie wirkt, das ist doch der Beweis.

SANDOKAN13
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Kruzifix

und Holzpflock tuns auch