Covid-19''Immunität ist mit der Anzahl der Antikörper nicht gleichbedeutend''

Sars-CoV-2 wird mit zunehmender Immunität der Bevölkerung zu einem in Europa heimischen Erkältungsvirus werden, sagt Neuroimmunologe Florian Deisenhammer.

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Immunität, Impfung, Covid-19, Genesen
Florian Deisenhammer untersuchte Probandinnen, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben © MUI/Bullock
 

Sie haben über den Verlauf eines Jahres die Immunität von an Covid-19-Genesenen analysiert. Was war aus Ihrer Sicht die positive Erkenntnis aus dieser Studie?
FLORIAN DEISENHAMMER: Dass das Immunsystem das macht, was von ihm erwartet wird. 500 Millionen Jahre Evolution haben unser Immunsystem geschult, es funktioniert, das hat auch das Sars-CoV-2 nicht geändert. Eine wichtige Erkenntnis anderer Studien wurde auch in unserer bestätigt. Es gib einen deutlichen Unterschied in der Immunantwort bei Personen, die genesen sind und eine Impfung erhalten haben und bei jenen, die lediglich eine Vollimmunisierung durch die Impfung erhalten haben und die Krankheit nicht durchgemacht haben.

Wie genau äußert sich dieser Unterschied?
Es zeigt sich, dass jene Genesene, die eine Impfdosis erhalten haben, eine qualitativ sowie quantitativ breitere Immunantwort gebildet haben. Die Immunantwort, die alleine durch die Impfung hervorgerufen wird, ist eine zielgerichterte.

Sie haben im Detail analysiert, wie viele Antikörper die Probanden gebildet haben. Lässt sich aufgrund Ihrer Studie ein Rückschluss auf ein allgemeingültiges Schutzkorrelat, also auf jenen Wert an Antikörpern, die sicher vor einer Infektion schützen, ziehen?
Auch wenn es erste Berichte in diese Richtung gibt, nein, das ist noch nicht allgemeingültig möglich. Immunität ist mit der Anzahl der Antikörper nicht gleichbedeutend. Es gibt unterschiedliche Antikörper. Werte, die mit unterschiedlichen Testverfahren ermittelt werden, können nicht verglichen werden. Es ist, als würden sie Autoquartett spielen, die Werte zu vergleichen macht Spaß, die Aussagekraft dieses einzelnen Wertes hält sich aber in Grenzen.

Wie oft wurden die 27 Probanden auf Antikörper untersucht?
Die 27 Personen, die in die Studie aufgenommen wurden, haben sich in der ersten Welle infiziert. Die erste Bestimmung war zwei bis acht Wochen danach, weitere Runde gab es nach drei, sechs und zwölf Monaten.

Ihre Studie zeigt, dass die Immunität mindestens ein Jahr lang bestehen bleibt – zumindest nach durchgemachter Infektion. Gibt das auch einen Hinweis darauf, in welchen Abständen Auffrischungsimpfungen stattfinden müssen?
Nein, auch dafür ist es zu früh. Denn man muss zwischen Genesenen sowie Covid-Naiven, also Menschen, deren Immunsystem noch keinen Kontakt mit dem Virus hatte, unterscheiden. Covid-Naive werden sicher früher eine Auffrischung brauchen als Genesene. Aber gerade in dieser Hinsicht braucht es noch mehr Untersuchungen und Daten, da es auch international noch keinen Konsens gibt.

Welche Aussagekraft hat Ihre Studie in Bezug auf die Immunität gegenüber der sogenannten Delta-Variante?
Wir konnten die Immunität in Bezug auf die Alpha- sowie die Beta-Variante untersuchen. Es zeigt sich, dass die Probanden gegenüber beiden Varianten gut geschützt waren, wobei der Schutz vor Infektion bei der Alpha-Variante stärker ist. Die Delta-Variante konnten wir in dieser Studie nicht einschließen, aber es gibt neueste internationale Studien, die ganz klar zeigen, dass für Genesene Personen, die eine Dosis erhalten haben, sowie für Geimpfte kein großes Risiko besteht. Auch bei der Delta-Variante ist die Impfung wirkungsvoll.

Gibt es Erkenntnisse aus dieser Studie, die Ihnen Kopfzerbrechen bereiten?
Nein. Wir konnten zeigen, dass die Immunität erhalten bleibt. Diese führt – wie in den Impfstudien und Verlaufskontrollen von Genesenen bewiesen – zu einer massiven Reduktion des Infektionsgeschehens. Das wird diese Krankheit in weiterer Folge transformieren – hin zu einem endemischen Erkältungsvirus. Hier lässt sich ein Vergleich zu anderen Coronaviren ziehen. Gegen diese müssen wir uns nicht impfen lassen, da wir uns schon als Kleinkinder immer wieder infizieren und so eine Immunität aufbauen. Bei Sars-CoV-2 hatten wir als Gesamtgesellschaft zum ersten Mal Kontakt mit diesem Virus, wir waren nicht immun. Aus diesem Grund war die Situation derart dramatisch. Mit der fortschreitenden Immunisierung wird aber diese Krankheit weniger gefährlich.

Kommentare (5)
Stemocell
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Und wer setzt dem Herrn jetzt

den goldenen Aluhut auf? Wo bleibt der Aufschrei?
Nicht falsch verstehen, er hat natürlich recht, mit dem, was er sagt.
Aber immerhin vergleicht er das Killervirus mit anderen Erkältungsviren und preist die Effektivität des körpereigenen Immunsystems an. Ganz zu schweigen davon, dass er der Meinung ist, dass das Virus bleiben wird, völlig egal, wie lange wir uns einsperren und maskieren.
Vielleicht verstehen das unsere Politiker dann irgendwann während der 21. Welle in 6 Jahren.

fenderinchen
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Stemocell

....sinnerfassendes Lesen: Nicht Genügend

Stony8762
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Stemocell

Es WIRD irgendwann zu einem Erkältungsvirus werden, aber nur bei ausreichendem Schutz! Lies genau!

Stemocell
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Wie auch immer Sie es formulieren,

von einem ‚Sieg über das Virus‘ kann somit wohl keine Rede mehr sein, dass es etwas derartiges nicht gibt beweisen all die unzähligen anderen Erkältungsviren, die so herumschwirren.
Die Politik täte gut daran, dieses Märchen nicht weiter zu verbreiten.

Stony8762
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Stemo

Märchen höre bzw. lese ich aber immer nur von deiner Seite! Wenn wir es schaffen, Covid-19 zu einem Erkältungsvirus zu degradieren, IST DAS EIN SIEG! Ob es dir passt oder nicht!