Meine FamiliengeschichteCaroline Pilhatsch: "Der Sport hat uns vieles gelehrt"

Schwimmerin Caroline Pilhatsch spricht über Sport als Erziehungsmittel, ihre fünf Geschwister und sportliche Eltern.

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Caroline Pilhatsch
Caroline Pilhatsch © GEPA pictures
 

Wir sind mit dem Sport groß geworden. Ich und alle meine fünf Geschwister haben spätestens ab dem sechsten Lebensjahr eine Sportart ausgeübt. Das wurde uns von unseren Eltern so mitgegeben in unser Leben, sie waren ja selbst sportlich aktiv – mein Vater als Schwimmer, meine Mutter als rhythmische Gymnastin. Der Sport hat uns vieles gelehrt, jedem von uns. Disziplin zum Beispiel. Du musst pünktlich beim Training sein, gewisse Dinge machen und konsequent sein, damit sich etwas weiterentwickelt – das konnten wir vom Sport auch auf andere Bereiche im Leben übertragen. Uns Kinder hat es in der Schule bestimmt geholfen, dass wir einen recht strukturierten Ablauf gehabt haben und etwa nach dem Unterricht direkt zum Training gefahren sind. Man lernt, alles geordnet und richtig anzugehen und gut zu planen.

Wir hatten das Glück, dass uns unsere Eltern in jeder Hinsicht unterstützt haben, ganz egal, was wir machen wollten. Wir hatten die Möglichkeit, dass sie uns zu den Trainings gebracht haben. Dass sie unsere Sportlerleben verstehen und immer schon verstanden haben, ist natürlich nützlich, sie haben das ja alles selbst durchgemacht. Sie haben uns mit den Sportarten, die sie selbst ausgeübt haben, in Verbindung gebracht, einen Zwang gab es allerdings nie. Meine Schwestern waren rhythmische Gymnastinnen, der ältere Bruder Schwimmer, mein kleiner Bruder ist mittlerweile auch im Schwimmsport.

"Hatten alles, was man begehren konnte"

Bei uns zu Hause war immer etwas los. In einer Familie mit sechs Kindern gibt es, wie man sich vorstellen kann, selten eine Minute, in der es ruhig ist. Das Tolle war: Jeder konnte sich mit jedem beschäftigen, die Großen wollten auch immer etwas mit den Kleinen machen. Ich hatte das Glück, dass ich nicht die Jüngste im Bunde bin – der kleine Bruder musste doch mehr über sich ergehen lassen. Es gab immer Action in unserem Haus. Es war viel Platz, auch für sechs Kinder. Wir hatten ein großes Haus, einen großen Garten mit einem Schwimmbad. Das ist nicht so groß wie die olympische Langbahn, aber immerhin vier Mal zehn Meter lang. Wir hatten als Kinder alles, was man begehren konnte.

Ich habe, wie meine großen Schwestern, auch mit der rhythmischen Gymnastik begonnen. Irgendwann kam der Zeitpunkt, da haben die Trainer aber gemeint, dass die Gruppen-Ästhetik nicht mehr passt, weil ich größer war als andere Mädchen. Und dann war es mir den Aufwand nicht mehr wert und mein Vater meinte: Na ja, von der Statur her würde das Schwimmen doch ganz gut passen. So wurde aus mir dann eine Schwimmerin. Aus Erzählungen von der Mutter weiß ich, dass ich das Schwimmen erst gar nicht so gemocht habe, ich soll mich anfangs beschwert haben, dass das doch ein Sport für Buben sei und geweint haben. Erinnern kann ich mich daran aber nicht.

Zur Person

Caroline Pilhatsch ist am 1. März 1999 in Graz geboren.
Karriere: Sie ist professionelle Schwimmerin und feierte im Dezember 2018 mit der Silbermedaille über 50 Meter Rücken bei der Kurzbahn-WM in China ihren bislang größten Karriere-Erfolg.
Privat: Caroline Pilhatsch hat fünf Geschwister, auch die Eltern waren Leistungssportler.

Als ich jung war, hatte ich Traumberufe. Ich habe immer viel gelesen und mache das noch immer gerne. Ich erinnere mich gut, dass es einmal den Gedanken gab, vielleicht selbst einmal etwas zu schreiben. Nicht nur zu lesen, sondern selbst etwas zu erfinden. Doch den Wunsch, Schwimmerin zu werden, den gab es dann eben auch, das hat sich so ergeben. Nur Sportlerin zu sein, reicht natürlich nicht. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich zusätzlich machen könnte, worin ich mich weiterbilden möchte. Ich habe mich für die Polizeischule entschieden – es ist toll, dass das so gut klappt für Menschen, die im Leistungssport sind. Diese Ausbildung interessiert mich sehr, es gibt so viele Themenbereiche.
Mit rund fünf Jahren habe ich begonnen, regelmäßig ein Training zu besuchen. Am Anfang noch mäßig häufig, wenn ich mich richtig erinnere, so zwei- bis dreimal pro Woche. Vater und Mutter haben mich schon als Kind immer unterstützt, wo es nötig war. Dann hat sich der Trainingsaufwand gesteigert. Im Gymnasium bin ich direkt nach dem Unterricht mit der Straßenbahn zum Training gefahren, die Aufgaben habe ich immer erst danach erledigt. Wir Kinder hatten so einen Rhythmus in unserem Leben, der uns allen gefallen hat.

Eine schrecklich sportliche Familie
Eine schrecklich sportliche Familie Foto © Markus Leodolter

Über den Sport habe ich viele Freundschaften geschlossen. Anfangs, in der rhythmischen Gymnastik, turnte ich mit vielen Mädchen, leider verliert man sich mit vielen aus den Augen. Im Schwimmsport habe ich aber viele Freunde gefunden, von denen ich weiß, dass die Verbindung nicht reißt, würde jemand von uns mit dem Sport aufhören. Diese Freundschaften halten, entwickeln sich weiter, das weiß ich. Den letzten Urlaub an der Adria erst habe ich mit Freunden verbracht, die fast alle aus dem Wassersport kommen. Dass da nur Schwimmer im Meer sind, hätte man als Außenstehender nicht geahnt. Ich bin da mehr die typische Urlauberin, die zusieht, dass die Haare nicht nass werden.

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