Das erste MalEine Fahrlehrerin berichtet wie es ist, ein Stück Freiheit zu schenken

Frau am Steuer, Ungeheuer? Von wegen! Fahrlehrerin Irene Weiss über erste Autobahnfahrten, Männerweisheiten und eine ganz besondere Fahrschülerin.

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Beruf und Bildung - Irene Weiss Fahrschule Weiss - Sankt Veit Dezember 2018
© Markus Traussnig
 

Dass sie einmal Fahrlehrerin wird, stand für Irene Weiss als Tochter von Fahrschulbesitzern schon immer fest. Ihr Antrieb: der Kontakt zu den Menschen und der Umstand, Fahrschülern aller Altersklassen mit dem Führerschein ein Stück Freiheit schenken zu können. Trotzdem ist der 40-Jährigen vor allem eine besondere Fahrschülerin im Gedächtnis geblieben.

Die Dame war um die 60 Jahre alt und überraschend zur Witwe geworden. Sie hatte zwar den Führerschein, aber ihr Mann ist immer gefahren. Sie wohnte im Kärntner Unterland, nach seinem Tod war sie wie von der Außenwelt abgeschnitten. Als wir mit den Fahrstunden begannen, war sie sehr verhalten und schüchtern, aber mit jeder Fahrstunde hat man gemerkt, dass es ihr besser geht und sie an Selbstvertrauen gewinnt. Einmal erzählte sie mir, dass es schon immer ihr Traum war, einen Smart zu haben. Die Tochter hat ihr einen organisiert, sie hatte so eine Freude, sie wollte einfach nur selbstständig sein. Wenn ich das erzähle, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut, weil sie die Trauer so für einen Moment vergessen konnte. Mittlerweile fährt sie nach Graz oder Wien. Wir geben mit dem Führerschein ein Stück Freiheit. Das habe ich hier besonders stark gespürt.

Es werden aber vor allem junge Menschen zu Ihnen kommen.

Schon ja, aber nachdem wir in St. Veit sind und es bei uns sehr ländlich ist, ist es schön, wenn man ihnen helfen kann, mobil zu werden.

Wie geht es Ihnen bei ersten Autobahnfahrten?

Das ist immer spannend. Der Fahrlehrer muss fast hellseherisch agieren und die Gefahren voraussehen können.

Hat man es als Frau in diesem Beruf schwerer?

Ich schaffe es schnell, die Herren zu überzeugen. Meiner Erfahrung nach sind junge Frauen die besseren Autofahrer, weil sie darüber nachdenken, wer noch im Auto sitzt. Den Burschen geht es mehr um die PS.

Womit tun sich Fahrschüler am schwersten?

Momentan mit der Theorie, weil sie sehr umfangreich ist. Zur Praxis: Am Land probiert man eher vorher mit jemandem irgendwo auf einer Wiese eine Runde zu fahren.

Zur Person

Irene Weiss (40) stammt aus einer Fahrschulfamilie und betreibt seit vier Jahren ihre eigene Fahrschule in St. Veit an der Glan.
Sie ist verheiratet und Mutter von drei Buben (13, 11 Jahre, 8 Monate).
Ausbildung über Wifi oder Bfi möglich.

 

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