Chefredakteur der Presse Rainer Nowak: "Unangemessener Tonfall und unangemessene Nähe"

In den Chatnachrichten, die zum Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler geführt haben, kommt auch "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak vor. Der entschuldigt sich heute in einem "Intern" bei Lesern und Redaktion.

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Rainer Nowak, Chefredakteur, Herausgeber und Geschaeftsfuehrer der „Presse“
Rainer Nowak, Chefredakteur und Herausgeber "Die Presse" © „Die Presse“ / Peter Riguard
 

In den Chatnachrichten, die zum Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler geführt haben, kommt auch "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak vor. Unter anderem geht es dabei auch um eine Umfrage rund um den ÖVP-Parteitag 2016. Nowak hat betont, dass die "getürkten Umfragen, um die es hier geht, nicht in der Zeitung gelandet sind."

Heute ist in der "Presse" ein "Intern" erschienen, in dem  Nowak noch einmal betont, dass "keiner der Interventionsversuche in dieser Zeitung inhaltlich Niederschlag gefunden hat." Und "obwohl sich die in den Chats behaupteten Interventionen  nicht inhaltlich in der Berichterstattung niederschlugen", entschuldigt er sich bei den Lesern und bei der Redaktion dafür, "dass ich mit einem unangemessenen Tonfall und unangemessener Nähe in manchen der Chats selbst in Erscheinung trete."

Der Text im Wortlaut:

Liebe Leserinnen und Leser!

Im Zuge der Chataffäre, die zum Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler geführt hat, sind auch Nachrichten bekannt geworden, in denen ich und damit „Die Presse“ eine Rolle spielen. Ein unabhängiges Team der Redaktion hat in der vergangenen Woche in einer ersten Durchsicht zeitnah jene Chats zwischen 2016 und 2018 geprüft, in denen der Eindruck erweckt wurde, es seien Inhalte aus anderen als redaktionellen Erwägungen in die „Presse“ gelangt.

Diese erste Überprüfung hat klar ergeben, dass keiner der Interventionsversuche in dieser Zeitung inhaltlich Niederschlag gefunden hat. Ebenso wenig wurden bestimmte Inhalte oder Umfragen nach TV-Duellen publiziert, wie dies ÖVP-Sprecher behauptet haben. In einem Fall, in dem in Chats zwischen Finanzministeriumsmitarbeitern versprochen wurde, dass von mir zugesagt wurde, eine Geschichte nicht als Seitenaufmacher zu bringen, erschien sie als Seitenaufmacher. Über Umfragen des betroffenen Meinungsforschungsinstituts wurde im Zeitraum von 2016 bis 2021 zwar in der „Presse“ – wie über die vieler anderer Institute – an verschiedener Stelle berichtet, allerdings nie als größerer Artikel. Fast immer ging es um Sachthemen. Freilich: Ob auch diese Umfragen das Finanzministerium finanziert hat, wissen wir nicht. Das wird die Justiz klären.

Ausschließen können wir Zahlungsflüsse mit diesem Institut. Den Umstand, dass die SPÖ Anzahl und Aufmachung der Umfragen hinterfragt hat, habe ich in einem meiner Newsletter im September 2017 ironisch behandelt, allerdings mit dem klaren Hinweis, dass sich diese Umfragen tatsächlich wie PR für das Finanzressort lesen. Leider sind weder ich noch andere diesem Thema damals weiter nachgegangen.

Zu meinen Aufgaben als Chefredakteur gehört es auch, in Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern und deren Büros zu sein, Auge und Ohr an strategischen Entwicklungen zu haben. Kontakte auch zu den (politisch) Mächtigen oder jenen, die es sein wollen, zu halten, ist bei aller kritischen Distanz notwendig, wenn man eine gute Zeitung machen will. Dass dieser Diskurs, diese Kontakte – meist verstümmelt – in Chats Niederschlag finden, ist wenig verwunderlich.

Obwohl die in den Chats behaupteten Interventionen sich nicht inhaltlich in der Berichterstattung niederschlugen, sondern in der Chefredaktion endeten und die Unabhängigkeit der „Presse“ nicht beeinträchtigt wurde, bedauere ich sehr, dass ich mit einem unangemessenen Tonfall und unangemessener Nähe in manchen der Chats selbst in Erscheinung trete (in den meisten Fällen sprechen Dritte über mich). Dafür möchte ich mich bei Ihnen und bei meiner Redaktion ausdrücklich entschuldigen.

Hochachtungsvoll, Ihr

Rainer Nowak

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Danke für Ihr Verständnis.

HannesK
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ÖVP-Nähe klären

Es wäre ja keine Problem, zu klären, ob dieser Nowak ein besonderes Verhältnis zur ÖvP hat oder gar Mitglied war? Gewisse VP-freundliche Kommentare lassen ja einiges vermuten/ befürchten....

rouge
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Jetzt auf einmal Distanz?

Als ÖVP-fernes Blatt ist die Presse ja nicht wirklich bekannt.
Die Handlungen von Kurz@Co. wurden selten kritisch betrachtet.
Jetzt, wo der CR auf einmal in den Jahrhundert-Chats vorkommt, wird ein Brief an die Leser verfasst. Ein Brief, dessen Botschaft sich mir nicht erschließt.

GanzObjektivGesehen
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Es ist so eine Sache mit Eisbergen.

Man sieht ihre Spitze und glaubt alles zu wissen. Wie sich vor einiger Zeit manche Menschen zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Einzelfälle. Heute wissen wir, dass es anders war und ist. Einer outet sich, und alle rufen: wie schrecklich!
Wenn alle gehen würden, die gehen müssten, dann hätten wir in der Politik und der Medienwirtschaft bald eine ähnliche Situation wie bei den Pflegekräften oder in der Transportwirtschaft.

Kaum jemand fragt sich, wer das Gewand oder die Schuhe gefertigt hat, die er trägt.
Kinder - und Sklavenarbeit werden von vielen Menschenin Kauf genommen, damit sie ihre Bedürfnisse befriedigen können. Wichtig ist, dass das “System” funktioniert, damit es uns subjektiv gut geht. Das gilt auch für die Politik.

Ausnahmen bestätigen die Regel und natürlich gilt für alle die Unschuldsvermutung.

scionescio
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Dass eine so problematische Figur wie Herr Nowak nicht sofort zurücktritt…

… obwohl er gerade mit den Fingern in der Zuckerllade ertappt wurde, spricht Bände - aber er hat ja auch die Geschichten mit Martín Ho und Kurz ausgesessen, obwohl die Bilder davon kaum Interpretationsspielraum zulassen!

Einfach nach Pratersauna, Nowak, Kurz und Ho googeln - und sich selbst ein Bild von der Seriösität des Herrn Nowak machen!

Überlegen
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Sauerei

Es ist wirklich eine Sauerei .... was und wem sollte man überhaupt noch glauben? Da wird in den "seriösen" Medien immer von den fakenews in irgendwelchen Internetseiten geschimpft, aber sie selbst schreiben was bezahlt wird.... bravo. Wer zahlt schafft an. Vielleicht geht dem einen anderen halt doch mal a Licht auf und schaut sich mal an, wen diese soziale Medien gehören... ist nicht uninteressant. Vorallem erwartet man dann nicht wirklich mehr eine ehrliche und unabhängige Berichterstattung!! Wie es da wohl mit den Berichten zu anderen Themen ausschaut🤔

bernhardw
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Österreichischer Brauch

Es gehört wohl zum Sittenbild hierzulande , dass ein derartig agierender CR nicht sofort freiwillig zurück tritt. Offenbar ist man der Auffassung, dass ein kleiner "es tut mir leid" Artikel reicht und alles ist ok.

mangogue
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Hochinteressanter Brief an die Leser

Ein hochinteressanter und wohlformulierter Brief vom Herrn Nowak. Ich frage mich nach mehrmaligem Lesen nur, was will er uns sagen der Herr Nowak?