Ein Katzenjammer"Cats": Verfilmung ist ein Debakel auf digitalen Samtpfoten

Trotz hochkarätiger Besetzung ist die Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical „Cats“ missglückt – ab 25. Dezember im Kino.

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Wie man ein Erfolgsmusical vermasselt - mit digitalem Pelz © Universal Pictures
 

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Katerstimmung unter Kritikern. Zu sagen, die Verfilmung des Hit-Musicals „Cats“ wird verrissen, ist eine glatt gebürstete Untertreibung. Die Adaption knapp 39 Jahre nach der Weltpremiere in London sei laut „Variety“ „dazu bestimmt, eine jener seltenen Enttäuschungen zu werden, die einen Schandfleck im Lebenslauf großartiger Schauspieler werden.“ Und „The Beat“ schreibt: „Cats ist das Schlimmste, was Katzen seit Hunden passiert ist.“ Mi-Autsch!


Im „Rolling Stone“ ist gar vom „Horrorfilm des Jahres“ die Rede, und die „New York Times“ wünscht sich „eine Doktorarbeit darüber, wie dieser Fehlschlag“ zu einem fertigen Kinofilm werden konnte. Eine Persiflage hätte wohl noch am ehesten die Chance, sich zum Kultfilm hoch zu schnurren.


Trotz Top-Besetzung mit Judi Dench, Taylor Swift, Jennifer Hudson, Idris Elba, James Cordon oder Rebel Wilson hagelt es seit der Veröffentlichung des ersten Trailers Häme im Netz für die Hybridkatzen und ihren digitalen Pelz. Daraufhin orderte Regisseur Tom Hooper ( „Les Miserables“) noch einmal eine Überarbeitung an: die Rundungen schmolzen, die Katzen wurden geschlechtloser. Mehr noch: "Cats" ist nun der erste Film der ein Update bekommt, noch während er im Kino läuft.


Das Aussehen befremdet nach wie vor. Vor allem die Tatsache, dass echte Gesichter mit großer Randunschärfe in einen felligen CGI-Körper gesetzt werden, der so aussieht, als wären wir in die technisch unterentwickelten 80er zurück geschickt worden. Noch ein paar Schnurrbarthaare und zuckende Ohren angeklebt – und fertig ist die „Cats“-Figur. Zweites Ärgernis: Den Proportionen fehlt es an Passgenauigkeit im Verhältnis zu ihrer Umgebung oder anderen Tieren wie Mäusen. Hinzu kommt ein nächtliches CGI-London, das sich anfühlt wie nach einer Nuklear-Katastrophe: menschenleer und tot.
Vom Training der Darsteller in einer „Cat School“ ist wenig zu sehen, dafür umso mehr sexuell aufgeladenes Rekeln, Reiben und Tänzeln. Die Samtpfoten schweben dabei aber unerklärlicherweise in der Luft.


Die Handlung? Fehlt ebenso. Wie im Musical bekanntlich auch. Im Gegensatz zu einer Live-Situation auf der Bühne ist das aber im Kinosaal in langen, erlebnisarmen 111 Minuten weitaus dramatischer.
Wichtigste Erkenntnis: Judi Dench kann selbst unter lächerlichsten Umständen (als Katze im Pelzmantel) würdevoll aussehen. Ungelöste Frage: Wann hört die Aufwärmerei, Fortsetzerei und Erinnerungszerstörung der Traumfabrik auf? Den Rest von „Cats“ erlebt man am besten auf einer Bühne – aktuell im Ronacher in Wien.

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