Unser LieblingskrimiSolo für eine furiose Frontfrau

Liza Cody räumt in "Gimme More" zynisch mit der Musikmafia auf. Die Fetzen fliegen, die Saiten reißen, purer Wort-Rock.

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Gastauftritt bei Liza Cody: David Bowie © APA
 


Sie hat die Patentrechte für einen mitreißenden Sprachsound, sie dröhnt ihrer Leserschaft den Kopf voll mit ihren Zynismen und fegt aus dem Weg, was hinweggefegt gehört. Liza Cody ist eine Berserkerin, im besten Sinne des Wortes. Und sie bläst seit vielen Jahren all den Oberfuzzis gehörig den Marsch, in der Politik ebenso wie in der Kultur.
Einige Zeit verdiente sich die Londoner Literatin, die keineswegs nur hervorragende Krimis schreibt, ein paar Cent als, so ihre Selbstangabe, „Roadie einer der schlechtesten Bands von London“. Die Erfahrungen fanden ein wortmächtiges Echo – in ihrem schon vor 20 Jahren verfassten Roman „Gimme More“. Schon damals gaben in der Musikbranche die Verlogenheit und die Heuchelei den Ton an, Liza Cody bittet die Mafiosi der Plattenbranche zum Rock’n’Roll, bei dem jeder Ausfallschritt erlaubt ist. Mit enorm viel Insiderwissen und Feeling für Töne, die richtig wehtun. Eine Frontfrau räumt auf.
Ins Geschehen schickt Liza Cody eine Protagonistin namens Birdie Walker, die so nebenbei auch auf damalige Helden der Popbranche trifft, darunter auch David Bowie. Birdie kämpft um die immer wieder versprochene, nie eingelöste Würdigung ihres vor 25 Jahren verstorbenen Mannes Jack. Er steht zwar bei den Fans als Rocklegende hoch im Kurs, aber seine Plattenfirmen haben ihn längst abgehakt und zeigen keinerlei Ambitionen, das noch reichlich vorhandene Musikmaterial auf den Markt zu bringen. Dies hat ziemlich fatale Konsequenzen.
„Gimme More“ mag als Krimi durchgehen, weil es um kriminelle Machenschaften und um Rache geht, aber es ist vor allem ein wichtiges Werk über die skrupellose Musikbranche, verfasst von einer wunderbaren Autorin, die nicht nur weiß, wie man eine Gitarre richtig würgt.

Werner Krause

Liza Cody. Gimme More. Ariadne, 340 Seiten, 22,10 Euro.

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