Neuer Roman von Dave Eggers"Every" und der Kampf im Datenwald

Die Försterin, die auszog, tapfer die Welt zu retten: Mit „Every“ setzt US-Autor Dave Eggers seinen Bestseller „The Circle“ fort. Warum eigentlich?

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Wagt nun die Fortsetzung seines Bestsellers: Dave Eggers © Kiepenheuer & Witsch/Tom Pilston
 

So ein Künstlerpech. Wenige Tage vor der Veröffentlichung der deutschsprachigen Version von „Every“ zerlegte die Facebook-Ex-Mitarbeiterin Frances Hagen den Technologie-Riesen samt Instagram und WhatsApp nach Strich und Faden. Just die Zerstörung eines Datenkraken ist allerdings ein wesentlicher Bestandteil von „Every“, Dave Eggers’ Fortsetzung des Bestsellers „The Circle“, 2013 erschienen.
Schon der Erstling war als angebliche „Horrorvision“ eher grotesk, weil der vermeintliche, schauderhafte Blick nach vorne links und rechts durch die Realität getrübt wurde. Bei „Every„ wird die Angelegenheit jetzt noch grotesker. Der 51-Jährige aus Boston, dem einige hervorragende Romane zu verdanken sind, betont gerne und häufig, dass er über keinerlei Internetzugänge verfügt, auch ein Smartphone lehnt er entschieden ab. Warum auch nicht? Nur: Wer mit relativ wenig Sachkenntnissen in die Welt der Algorithmen eintaucht, um dann, zurück an der Oberfläche, keuchend und entsetzt Alarm zu schlagen, weil da ungeheuerliche Dinge im Gange seien, vor allem dazu da, Kontrolle über die Menschen zu gewinnen und diese zu manipulieren, der läuft Gefahr, sich doch ein wenig lächerlich zu machen.

Eine Försterin im Imperium

Aber unermüdlich und mit dem redlichen Bemühen, für Spannung zu sorgen, will Eggers die Welt vor dem Schlimmsten bewahren. Denn in seinem neuen Werk fusioniert sich der Datengigant mit dem weltweit größten Onlinehändler. Ein ungeheuerliches Machtimperium entsteht.
Eggers schleust, eher überraschend, eine ehemalige Försterin, die schlau und ausgefuchst ist, in den Bauch des Riesens ein. Sie, also die einstige Försterlisl mit emsig erworbenen Fachkenntnissen, soll all dem heimtückischen Fortschrittswahn durch Destruktivität ein Ende setzen und den Mega-Moloch zerstören.

Wobei, auch da ist Eggers recht nahe an der Wirklichkeit, die Mehrheit der Menschen das gar nicht will. Ein Mehrfrontenkampf im gigantischen Datenwald also. „Every“ wird als Psychothriller angepriesen, gerät aber unter zynischen, aber nicht ganz freiwilligen Parodie-Verdacht. Der könnte sich noch erhärten. Angeblich plant Eggers einen dritten Teil. Muss nicht sein.

Buchtipp

Dave Eggers. Every. Kiepenheuer & Witsch,
592 Seiten, 24,95 Euro.

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