Wieder OPs verschobenKollateralschäden in Spitälern wegen mangelnder Impfquote

Ein Normalbetrieb ist ab einem Zehn-Prozent-Intensivbelag nicht möglich, so ÖGARI-Präsident Hasibeder.

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© APA/THEMENBILD
 

Aus Krankenhäusern in mehreren Bundesländern gibt es wegen der Corona-Pandemie wieder Berichte über verschobene Operationen. "Wir haben in den Spitälern die Kollateralschäden der mangelnden Impfquote, die der Grund für die stark ansteigenden Zahlen von Covid-Intensivpatienten ist", warnte Walter Hasibeder, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), gegenüber der APA. Es brauche höhere Impfzahlen - wie, sei Aufgabe der Politik.

"Es gab in der ersten Welle immer wieder eine Diskussion, welche sogenannten Kollateralschäden gesundheitlicher Natur die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung verursachen könnten, u.a. durch verschobene Operationen. Jetzt haben wir eine ganz andere Debatte, was Kollateralschäden betrifft", betonte Hasibeder zur Vermeidbarkeit der Überlastung der Spitäler, wenn sich mehr Menschen impfen lassen würden.

Kollateralschäden auf verschiedenen Ebenen

Die Kollateralschäden bestehen laut dem Ärztlichen Leiter der Anästhesie und Operativen Intensivmedizin am Tiroler Krankenhaus St. Vinzenz in Zams auf verschiedenen Ebenen. "Zum Beispiel müssen Patienten mit schwerer Gelenksarthrose länger auf den Eingriff warten. Für Patienten, die aus anderen Gründen als Covid-19 intensivpflichtig werden, zum Beispiel nach einem Unfall, haben wir dann weniger Ressourcen; und wir sehen auch in den Intensivstationen Covid-Patienten mit beeinträchtigtem Immunsystem, zum Beispiel onkologische Patienten, die trotz Impfung angesteckt werden - auch sie sind Opfer einer zu geringen Impfquote in der Bevölkerung", kritisierte Hasibeder.

Dass es diesbezüglich Berichte aus mehreren Bundesländern gibt, ist laut dem ÖGARI-Präsidenten nicht verwunderlich, zumal österreichweit aktuell rund 220 Covid-Intensivpatienten betreut werden und damit die Zehn-Prozent-Marke bei der Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Infizierten erreicht ist, "ab der bekanntlich der Normalbetrieb nicht mehr möglich ist". Eine Überschreitung der Marke ist derzeit laut AGES-Dashboard in Wien (17 Prozent), Ober- (zwölf Prozent) und Niederösterreich (elf Prozent) der Fall. Nicht-Covid-Patienten belegen demnach 50 Prozent aller rund 2.100 Intensivbetten in Österreich.

Schleichender Prozess

Diese Beeinträchtigung des Normalbetriebes ist ein "schleichender" Prozess, erklärte Hasibeder. "Je höher der Belegungsgrad durch Covid-Intensivpatienten im Bereich von zehn bis 50 Prozent der maximalen Belagskapazitäten, desto mehr und desto längerfristig müssen geplante Operationen verschoben, Personal aus anderen Bereichen, vor allem aus der Anästhesie, auf die Intensivstationen verlegt, OPs für den Routinebetrieb gesperrt und zusätzliche Dienste geleistet werden", berichtete er.

"Zunächst werden planbare, nicht lebensnotwendige Operationen wie orthopädische, sowie andere elektive Eingriffe verschoben. Dadurch werden anästhesiologisches Pflegefachpersonal, Fachärztinnen und- ärzte für Anästhesie und Intensivmedizin freigespielt, die dann Intensivpatientinnen und -patienten auf zusätzlich geschaffenen Intensivplätzen medizinisch versorgen", erklärte Hasibeder. Je nach Belagssituation der Intensivstationen müssten aber auch onkologische, herzchirurgische und neurochirurgische Planeingriffe verschoben werden.

Lebensnotwendige Eingriffe haben Priorität

"Natürlich haben lebensnotwendige Eingriffe Priorität, die Abwägung muss immer im Einzelfall unter Berücksichtigung individueller Faktoren wie Gesamtzustand, Krankheitsverlauf etc. getroffen werden. Aber generell gilt, dass kurzzeitige OP-Verschiebungen im Bereich der Onkologie zwar für die Patientinnen und Patienten sehr belastend sind, aber auf die Prognose der Erkrankung keinen Einfluss haben", versicherte Hasibeder in Richtung von Krebspatienten.

Der ÖGARI-Präsident warnte vor einer Zuspitzung der Lage. Das Prognosekonsortiums gehe von einem Anstieg des Intensiv-Belags auf 326 am 29. September aus (mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit zwischen 266 und 399 Patienten). "Entsprechend intensiv werden die organisatorischen Antworten ausfallen", betonte er zur weiteren Situation in den Spitälern.

Impfquote muss erhöht werden

"Wenn wir nicht wieder in eine zunehmende dramatische Versorgungssituation kommen wollen und Menschen, die selbst geimpft keinen Immunschutz aufbauen können, schützen wollen, müssen wir eine höhere Impfquote erreichen. Ob dies über Motivation oder eine Impfpflicht erfolgt, muss die Politik entscheiden", betonte Hasibeder auf APA-Nachfrage. "Ich persönlich finde es schon bemerkenswert, dass in Italien nach einer sehr deutlichen Ausweitung der 3G-Regelung jetzt die ohnehin schon recht hohe Impfquote weiter ansteigt", merkte er an.

"Wenn wir aber über die aktuelle akute Phase hinaus denken, ist auch wichtig, dass wir unsere Intensivmedizin nachhaltig 'pandemiefit' gestalten. Das schließt auch ein, die Basis zu schaffen, dass wir die Kapazitäten im Bedarfsfall auf hohem Qualitätsniveau erweitern können", forderte der Intensivmediziner. Die ÖGARI erarbeite dazu gerade ein Papier, das die Intensivmedizin-Gesellschaft "zum gegebene Zeitpunkt mit Gesundheitspolitik und -planung besprechen" wolle.


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haraldk1969
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Seit Jahren zu wenig

Intensivbetten, keiner hat etwas dafür gemacht.
Nicht Corona ist Schuld , sondern die unfähigen überbezahlten Politiker.
Vielleicht wacht das Volk jetzt einmal auf,und wählt das nächste mal richtig.

Mein Graz
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@haraldk1969

Intensiv Betten würden vor Jahren schon gestrichen...
Im "Normalfall" reichen sie höchstwahrscheinlich aus, m. W. gab es vor Corona keine gravierenden Engpässe.
Würden sich die Leute impfen lassen sänke auch die Belegung der Intensivbetten und die Auslastung käme wieder dem Vor-Corona-Niveau nahe.

Zudem helfen mehr Betten nichts, da das Personal dafür fehlt. Und das kann man nicht aus dem Ärmel schütteln.

blackpanther
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Vielleicht

könnten Kickl und seine Freunde aushelfen, sie wissen ja eh alles besser als die Ärzte… da könnten sie einmal zeigen, was sie können.

Ragnar Lodbrok
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Für Ungeimpfte keine

Intensiv - wie kommen die anderen dazu?

tubaman58
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Versteh ich nicht

Die Geimpften brauchen ja eh keine Intensivbetten, wenn die Impfung so wirkt wie versprochen wurde.

Nebelspalter
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Es werden..

auch Intensivbetten nach Operationen oder nach Unfällen, zum leichteren verstehen für sie!

Mein Graz
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@tubaman58

Schon mal dran gedacht, dass nicht nur Corona-Patienten Intensivbetten brauchen?

neuernickname
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Aber generell gilt, dass kurzzeitige OP-Verschiebungen im Bereich der Onkologie zwar für die Patientinnen und Patienten sehr belastend sind, aber auf die Prognose der Erkrankung keinen Einfluss haben"

Da ich selber auf eine Krebs-OP gewaretet habe, vor 11 Jahren - das waren die zwei Wochen wirklich laaaang - ja das stimmt schon. Aber die psychische Belastung ist enorm. Und daher - wenn jemand unschlüssig ist ober er impfen gehen soll, überlegt einmal wo die Informationen herkommen, die euch unschlüssig machen.

Nicht von Experten - sondern von selbsternannten Experten.
Das, liebe Impfunschlüssigen, überlegt euch mal bitte. WOHER kommen die Informationen, die euch skeptisch sein lassen.
Hinterfragt nicht nur diejenigen, die für das Impfen sind, hinterfragt auch jene, die euch davon abhalten wollen.

blackpanther
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Und es sollten sich diese Personen

dann auch von den selbsternannten Experten behandeln lassen, nachdem sie ja den Ärzten ohnehin nicht vertrauen!

Nebelspalter
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Am besten..

mit Klickl's Bitterstoffen!

Hapi67
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Scheinbar haben

trotz der Megaausgaben im Gesundheitssystem derart desolate Zustände, dass bereits bei zusätzlichen 10% alles zusammenbricht.

Bei den 90%, wo beim Grossteil sicher durch entsprechende Lebensführung und Verhaltensweisen weitestgehend Abhilfe geschaffen werden könnte, ist keine Änderung vonnöten, schließlich muss das Werkl am Laufen gehalten werden.

Sie müssen es nur glauben.

Vielen Dank

leonlele
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Das ist natürlich nicht zu Ende gedacht

Ein Covid Patient bracht wahrscheinlich alleine durch das dauernde An- und Ablegen der Schutzkleidung doppeltes Personal…

Waldner1
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Freiheit der Entscheidung muss auch heissen Verantwortung für die Folgen tragen

Impfverweigerer einfach rückreihen nach andere OPs.

Fertig.

...wie kommen Krebspatienten dazu wegen ein paar Irren ihre OP später zu bekommen?

neuernickname
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@anda Nirgendwo in dem Artikel steht, dass "alles zusammenbricht"

Vielen Dank

kuwa
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Transparenz

Es gibt also einen Kollateralschaden ( ein Kriegsausdruck ! ), verursacht durch eine mangelnde Impfquote (?). Warum ist es nicht endlich möglich hier die nötige Transparenz zu schaffen - oder ist das nicht gewünscht ?- , um inhaltlich nicht korrekte Schuldzuweisungen ( wer ist an was Schuld ) zu verhindern. Da eben 2 Primarii des Klinikum Klgft. und der AGES Graz unlängst im TV eine korrekte(!) Zählweise und Meldung der Intensivbettenauslastung mit sogenannten "Covid-Patienten"forderten. Nur dann sei ihrer Meinung nach eine stabile und korrekte IntensivBetten-AuslastungPlanung möglich. Das geschieht laut den Primarii dzt. nicht, denn es wird ein auf eine Intensivstation ursächlich mit zB Beinbruch Eingelieferter, dann zB mit Corona Viren Infizierter auch als ein ursächlich Intensivbetten verantwortlich -Auslastender CovidKranker gezählt, obwohl eben die Belegung des Intensivbettes ursächlich mit "Corona" nichts zu tun hat. Das heißt dann Kollateralschaden ? Eine weitere Aussage, daß auf Intensiv.stat. "Covid Patienten" sind, die trotz Impfung angesteckt wurden und Opfer einer zu geringen Impfquote sind, ist gänzlich nicht nachvollziehbar. Nachdem es mittlerweile durch internat. Experten belegt ist, daß auch Geimpfte andere ,ob geimpft oder ungeimpft, anstecken können, wie ist es dann eruierbar, daß in diesem Fall , die niedrige Impfquote ( also folglich Ungeimpfte ) dafür verantwortlich sind. Zu simpel, dieser Versuch einer erneuten Schuldzuweisung.

Avro
24
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Kollateralschaden?

Und wer hat bis dato für eine Auslastung der Intensiv gesorgt?
Geben sie die Prozente an, welche Aufgrund von Fettleibigkeit, Alkoholmissbrauch, Raucherleiden oder einfach nur wegen einem Sportunfall bei ihnen liegen.
Wie viele sind denn tatsächlich "unverschuldet" auf der Intensiv?
Und von den Covid Patienten, wie viele haben nur Covid und keine andere Erkrankung?
Von doppelt geimpften brauchen wir da noch gar nicht reden.

neuernickname
11
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Und da sind sie wieder - die Hetzposter, die von dem Bockmist den ihr Führer verzapft ablenken müssen, weil der offenbar nicht so ganz den Erfolg gebracht hat, der erwünscht war.

Wenn ich was verachte, dann Leute, die Kranke mit "Schuldzuweisungen" diffamieren müssen.

SELBER sind diese Typen aber NICHT bereit, ihre eigene Einstellung zu überdenken, denn diese Typen halten sich ja selbst für "gesund".

Findet den Fehler.

dude
2
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Liebe Redaktion!

Bitte stellen Sie den Kommentar von Herrn Dr. Sprenger, den Sie in der heutigen Printausgabe auf Seite 8 veröffentlicht haben, ebenfalls online! Er gibt sehr gute Denkanstöße, mit welcher zielgerichteten Impfkampagne man die Krankenhäuser und insb. die Intensivstationen entlasten könnte!

neuernickname
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dude - also wirklich, wir sind da in Österreich ... zielgerichtet die Risikogruppen ansprechen?

Bitte - in Österreich muss noch der letzte Parteisekretär miteingebunden sein in der Gießkannenpolitik. Wie soll man denn da fesch gekampelt zum Volk sprechen, als kanzlernder Pandemiebezwinger oder pandemiebezwingender Kanzler, wenn man z.B. den HausärztInnen am End noch was bezahlen muss, damit sie ihre Pappenheimer aktiv ansprechen und sagen - liebe Adipöse, liebe Kettenraucher oder andere Risikogruppenmitglieder - gehts impfen - bei euch sind die Nebenwirkungen und (mit aller Gewalt) herbeivermuteten "Folgeschäden" völlig powidl.

Und auch in dem Punkt, dass sich diese Gruppen auf Auffrischungsimpfungen einstellen müssen (so wie bei der Grippe ja auch) hat Sprenger recht.

Aber - wir sind in Österreich, bei uns werden zielgerichtete Maßnahmen gefürchtet - die sind ja gegen den "Gleichheitsgrundsatz".....

DavidgegenGoliath
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Geimpfte+Kinder+Genesene

Machen 82% der Bevölkerung aus, die nicht mehr von Corona betroffen sind, warum werden die Maßnahmen sofort beendet?

Nebelspalter
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Kinder..

sind sehr wohl betroffen!!

Avro
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Weil die Kuh weiter gemolken werden muss

Pharmaindustrie, Testindustrie, Impfärzte oder ausgewählte Medien wollen einfach noch weiter Geld scheffeln.
Zahlt eh der Steuerzahler! Also wurscht, was kümmert uns Morgen oder die Pensionen in der Zukunft.

Mein Graz
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@Avro

Wieder einmal sprüht dein Kommentar vor Missgunst, Hass und Neid.

selbstdenker70
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..

Danke für die Diskussion. Wenn schon bei 10%. Auslastung eine normaler Betrieb nicht mehr möglich ist, dann Gute Nacht Gesundheitssystem Österreich. Oder will man uns jetzt erklären, die Intensivstationen wären nonstop weit uber 90% belegt? Auch wenn das der Fall wäre, Gute Nacht Gesundheitssystem.

umo10
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Langsam wird es eng für die Kichls und co

Wenn dann die privaten Krankenanstalten ihre Kassapatienten nach missglückten OPs nicht mehr in Landeskrankenhäuser schicken können, kommen sicher auch die ersten Klagen

POB
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?

Könnten Sie mir bitte Ihren Gedankengang erklären?

 
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