Im TestWas der elektrische Renault Twingo auf dem Stromkasten hat

Nach rund sechs Jahren stattet Renault seine dritte Twingo-Generation endlich mit einem Elektro-Antrieb aus.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der elektrische Renault Twingo betreibt charmanten Minimalismus © RENAULT
 

Schön war er nicht unbedingt. Spaß machte er aber seit seiner Einführung im Jahr 1993. Bis heute zählt der Renault Twingo zu den meistverkauften Serienmodellen der Auto-Welt. Vom Kult-Kleinstwagen können sich vergleichbare Pkws auch im Jahr 2021 noch eine Scheibe abschneiden.

Rund sechs Jahre nach der Präsentation der dritten Generation trauen sich die französischen Autobauer nun auch eine Elektroversion des Stadtflitzers zu. Warum erst jetzt, muss man sich fragen. Denn der Twingo wurde nicht erfunden, um unendlich perfekt, sondern praktisch in der Stadt zu sein.

Modellvorstellung: Renault Twingo Z.E.

Renault schickt den Twingo an die Steckdose. Der ist allerdings kein bloßer Technikzwilling des Smart Forfour, mit dem er sich die Plattform teilt: Bei den Komponenten des elektrischen Antriebsstrang gehen die Franzosen eigene Wege.

RENAULT

Der 3,62 Meter kurze Fünftürer hat statt des Benziners einen Elektromotor im Heck, der maximal 60 kW (82 PS) und 160 Newtonmeter Drehmoment abspult.

RENAULT

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h huscht das Zwergerl auch locker über die Autobahn.

RENAULT

Die Lithium-Ionen-Batterie sitzt unter den Vordersitzen und hat eine Kapazität von 22 kWh, was gemessen nach dem realitätsnäheren WLTP-Testzyklus eine Reichweite von bis zu 180 Kilometern ermöglichen soll. Im reinen Stadtverkehr stehen sogar bis zu 250 in der Auslage.

RENAULT

Zum Aufladen hat der Twingo das Batterieladesystem der Renault-Nissan-Allianz an Bord, den sogenannten „Chameleon Charger“. Damit saugt er Wechselstrom in Stärken von 230 und 400 Volt sowie mit Ladeleistungen bis 22 kW. In letzterem Fall reicht eine halbstündige Pause, um Saft für 80 Kilometer zu tanken.

RENAULT

Wie man es schon vom größeren Renault Zoe kennt, kann man den Kleinwagen im so genannten B-Modus fahren. Das Fahrprogramm lässt die Wahl zwischen drei Stufen der Rekuperation. In der höchsten Stufe ist das Ein-Pedal-Fahren möglich.

RENAULT

Zwischen 1 und 30 km/h muss das von der EU vorgeschriebenen akustische Warnsystem erklingen, um Fußgänger und Radfahrer auf den Stromer aufmerksam zu machen. Der Fahrer kann zwischen drei verschiedenen Signaltönen wählen, deren Intensität je nach Geschwindigkeit variiert.

RENAULT

Äußerlich ist der Elektro-Twingo je nach Ausstattung unter anderem an blauen Zierelementen an den Radnabenabdeckungen oder Felgen zu erkennen. Hinzu kommen Stripings an den Fahrzeugflanken und die Spangen des Kühlergrills in der gleichen Farbe.

RENAULT

Je nach Ausstattung steckt im Armaturenbrett des Twingo Z.E. ein Infotainmentsystem mit 7-Zoll-Touchscreen, das Smartphone-Integration über Apple CarPlay und Android Auto ermöglicht.

RENAULT

Die speziell an die Anforderungen von Elektrofahrzeugen angepasste Navigation ermittelt bei der Routenwahl die verbleibende Restreichweite und informiert über die nächstgelegenen Ladestationen.

RENAULT
1/10

Auch der 3,62 Meter lange Twingo-Electric folgt diesem charmanten Minimalismus. Mittels Heckantrieb und einer Reichweite von 190 Kilometern möchte der „Kleinste“, anders als seine Schwester „Zoe“ (390 Kilometer), ausschließlich das urbane Pflaster erobern.

Was sofort auffällt: Ein phänomenaler Wendekreis von 8,60 Metern verwandelt vermeintliche Moped-Stellplätze im Nu zu Auto-Terrain.
Klar hat der elektrische Twingo dank seines E-Motors reichlich Drehmoment, vor allem die kurzen Zwischensprints fallen flink aus. Bis zum 100er geht ihm freilich fast die Luft aus (0 auf 100 km/h in rund 13 Sekunden), aber hey, wir sind in der Stadt, in den 30er- und 50er-Zonen.

Da spielt er seine Stärken aus. Vor allem, weil man brav im Stadtverkehr mitschwimmend auch die Reichweite ausdehnen kann. Wenn man den Schalthebel nach links schiebt, kann man außerdem Rekuperationsstufen aktivieren und schlau Energie rückgewinnen. Mit Übung und Vorraussicht geht dieser Fahrmodus sogar als One-Pedal-Driving durch.

Wer auf die Autobahn, auf den Berg oder mit einem 100er und etwas darüber unterwegs sein will, wird nicht so weit kommen: Die Akkuleistung sinkt trotz aktiviertem Eco-Modus rapide. Selbst die in einer Stunde zu 80 Prozent geladene Batterie (21,4 Kilowattstunden), tröstet darüber nicht hinweg. Im Klartext: In der Stadt wird man bei passender Fahrweise über 200 Kilometer kommen, überland und flotter sind 150 Kilometer schon eine Hürde.

Renault Twingo Electric

Grundpreis: ab 20.590 Euro
E-Motor-Leistung: 60 kW (82 PS)
Reichweite: 190 km
Antrieb: Hinterrad
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Ladeleistung: 22 kW

Also bleiben wir lieber in der Stadt. Passagiere, die wir mitnehmen, müssen gut schlichtbar sein, als Gepäckraum für den schnellen Einkauf sind die hinteren Sitze aber perfekt. Als Statement darf die Innenausstattung bezeichnet werden. Der Twingo Electric versucht erst gar nicht, via Infotainment den Minimalismus des Fahrzeugs zu durchbrechen. Analog und digital geben einander die Hand. Es gibt alles, aber nicht mehr.

Kommentare (7)
scionescio
21
7
Lesenswert?

Wie viele Jahreskarten gehen sich für 20.000 Euro aus?

Wenn tatsächlich etwas zu transportiern ist (allzu groß und schwer darf es ja auch nicht sein ...), reicht für diese Gelegenheiten Car-Sharing - insgesamt spart man damit auf 10 Jahre vermutlich um die 15.000 Euro!

Absolut sinnentleertes und überteuertes Spielzeug, das unnötig zum Akku-Sondermüll Problem beiträgt.

Pablo63
2
4
Lesenswert?

Scio sieht sie Welt wieder einmal durch seine Bobo Brille

Wo lebt der nur? Car sharing? Fahrrad? Taxi? Zur arbeitenden Landbevölkerung gehört er jedenfalls nicht.

scionescio
5
2
Lesenswert?

@Pauli: und du glaubst wirklich, dass die arbeitende Landbevölkerung sich so ein nutzloses Drittauto leisten kann?

Damit kommen sie nicht einmal in die nächste größere Stadt zum Einkaufen und eine Kiste Bier neben anderen Einkäufen transportieren wird schon schwierig ... ich frage mich, wer da der ahnungslose Bobo und naive BEV Fanatiker ist ;-)

joektn
2
0
Lesenswert?

Komisch

Dass die meisten Neuzulassungen von E-Fahrzeugen am Land sind und nicht in der Stadt…

scionescio
0
1
Lesenswert?

@Seppi: für dich ist das vielleicht komisch…

… aber denk einmal scharf nach, wie viele Eigengeimbesitzer mit PV Anlage und Garage es in der Stadt gibt - dämmerts?

Aber die kaufen sich auch kein Spielzeug als Drittauto!

pescador
2
19
Lesenswert?

Überall ist Car-Sharing

nicht verfügbar. Bisschen über den eigenen Tellerrand hinaussehen lohnt sich!

scionescio
16
5
Lesenswert?

@Fischer: wenn die Stadt so klein ist, dass es kein Car-Sharing gibt, wird vermutlich auch ein Fahrrad für die Entfernungen reichen ...

... und Taxis gibt es ja auch noch.

So eine Ressourcenverschwendung für ein rollendes Verkehrshindernis ohne nennenswerte Reichweite und Stauraum ist ein ökologischer (und auch finanzieller) Wahnsinn!