DauertestWie sich Seats SUV Tarraco geschlagen hat

Der Seat Tarraco FR wird uns lange in Erinnerung bleiben. Schließlich war er der Dauerläufer, der uns sicher und verlässlich durch die Pandemie trug.

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Der Seat Tarraco ist ein Raumwunder auf Rädern © OLIVER WOLF
 

Das Auto stand heuer als geschützter Raum hoch im Kurs. Das empfanden wir auch so. Das Flaggschiff von Seat, das sich ziemlich genau zum Ausbruch der Pandemie in unserer Garage eingenistet hatte, wuchs uns deshalb in der Covid-19-Krise zügig ans Herz.

Im Raum-Riesen Tarraco duckten wir uns vor der unsichtbaren und gegenwärtigen Gefahr draußen und während der neun Monate kam keine Sekunde  der Gedanke auf, ein anderes Verkehrsmittel zu benutzen: weder Bus noch Bahn und schon gar nicht die Bim, selbst um die U-Bahn in Wien machten wir mit dem Tarraco einen großen Bogen.

Modellvorstellung: Seat Tarraco

Ateca, Arona – jetzt der Tarraco: Als drittes SUV schickt Seat den Tarraco ins Rennen. Weil er mit einer Länge von 4735 Millimetern auch das größte ist, nimmt er gleichzeitig die Position des Flaggschiffs der Marke ein.

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Und er ist auch ein Vorreiter, weil er als erstes Modell die neue Designsprache der Spanier ausführt, die man unter andere, am markanteren Kühlergrill, flankiert von LED-Scheinwerfern mit dreieckiger Lichtsignatur erkennt. Beim Heck potenziellen Siebensitzers lag das Augenmerk auf einer niedrigen, leicht zugänglichen Ladefläche, aber die Blechschneider haben auch dort mit LED-Lichtern und dynamischen Blinkern optische Höhepunkte gesetzt.

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Egal, ob der Innenraum mit fünf oder sieben Sitzen bestückt ist: Darin prangt das volldigitale das virtuelle Cockpit aus dem Technikbaukasten des Volkswagen-Konzerns. Die individuell konfigurierbare Anzeige liefert dem Fahrer über ein hochauflösendes 10,25-Zoll-Display stets die wichtigsten Informationen direkt in sein unmittelbares Blickfeld. Zusätzlich prangt in der Mitte des Armaturenbretts ein Acht-Zoll-Display, über das die Insassen Zugriff auf die Konnektivitätsfunktionen haben.

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Folgende Motorisierungen werden den Tarraco antreiben: Da wäre ein 1.5-Liter-Benziner mit vier Zylindern und 150 PS, der in Verbindung mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe und Vorderradantrieb gereicht wird. Darüber rangiert 2-Liter mit 190 PS, der an ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb gekoppelt ist.

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Außerdem wird Seat das SUV mit einem 2-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen mit 150 und 190 PS anbieten. Die schwächere Variante kann mit Vorderradantrieb, Sechs-Gang-Schaltgetriebe oder Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und Allrad verbandelt werden, mit denen die stärkere Version standardmäßig vorfährt. Später wird es für den Tarraco auch alternative Antriebstechnologien geben – wir denken da zum Beispiel an Erdgas.

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Zudem bringt das neue Flaggschiff eine adaptive Fahrwerksregelung und zahlreiche elektronische Schutzengel mit. Bekannte Systeme wie Spurhalteassistent und das Umfeldbeobachtungssystem mit Notbremsfunktion, inklusive Radfahrer- und Fußgängererkennung, sind serienmäßig an Bord.

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Während Systeme wie der Toter-Winkel-Warner, die Verkehrszeichenerkennung, der Stauassistent, die automatische Distanzregelung sowie der Fernlicht- und der Notfallassistent optional erhältlich sind.

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Der mittelgroße SUV der Spanier bescherte uns auf unserer Reise eine gute Zeit. Das hat natürlich damit zu tun, dass wir mit dem Topmodell der Baureihe unterwegs waren und uns der sportliche FR mit der Bestausstattung, der 190-PS-Diesel-Maschine, Allrad und Sieben-Gang-DSG das Leben an Bord ausgesprochen angenehm gestaltete.

Damit meinen wir die Ergonomie des Hochsitzers, die perfekte Übersicht, aber auch die Langstreckentauglichkeit, die eine Spezialität des Allradlers ist. Mit 4,73 Metern Länge geht das Seat-SUV noch als sozial verträglich durch, dass er ein wahres Raumwunder ist, lässt er von außen kaum erahnen.

Ein Tanzsaal, beschrieb es Walter Röhrl. Er lobte auch die saubere Abstimmung und das superbe Antriebspaket. Unser Cheftester sagt unverändert Gutes über den Diesel, wir übrigens auch.

Als die Zeit mit dem Tarraco abgelaufen war, hatten wir exakt 31.163 Kilometer am Tacho. Die Rückgabe fiel zusammen mit dem Jahresservice, bei dem bloß die üblichen Wartungsarbeiten (siehe Ausriss) zu erledigen waren. Kosten: 307,20 Euro.

Und ja: Adblue schluckte der Seat wie Houdini das Feuer. Während des Dauerlaufs gönnte sich der Tarraco fast 50 Liter des Harnstoffs (ein 10-Liter-Kanister steht mit 10,99 Euro zu Buche), dazu verspeiste der Zweiliter-TDI zwei Liter Öl. Beim Verbrauch kamen wir im Schnitt mit 7,5 Litern über die Runden.

Plus & Minus

+ Styling. Markante Front, selbstbewusster und dynamischer Auftritt
+ Platzangebot/Ergonomie. Grandios, viel Luft in alle Richtungen, tolle Beinfreiheit im Fond; vorbildlich, gute Übersicht, präzise in der Bedienung.
+ Performance. Fahrsicherer, souveräner Gleiter.

- Motor. Kraftvoll, aber etwas zögerlicher
Anfahrtsmoment.

Die einzigen Macken, die sich der Tarraco leistete, sind eigentlich nicht der Rede wert. So machten sich einige Male die Kontrollleuchten der Motorsteuerung und Abgasreinigungsanlagen sowie die Luftdruckkontrolle wichtig, um dann jeweils beim Neustart wieder zu verschwinden. Elektronische Schwächeanfälle sind ein ewiges Leiden und kommen auch in viel besseren Familien vor.

Seat Tarraco FR

Preis: ab 52.640 Euro.
Motor: Vierzylinder-TDI, 1968 ccm, 190 PS bei 3500 bis 4000 U/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 1750 bis 3250 U/min.
Antrieb: Allrad, Sieben-Gang-DSG.
Testverbrauch: 7,5 Liter.
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 8 Sekunden, Spitze 210 km/h.
Abmessungen/Gewichte: 4735/1839/1658 mm L/B/H, 1816 kg, Wendekreis 11,9 m, Tankinhalt 60 l.
Ausstattung: 7 Airbags, digitales Cockpit, Media-System inkl. 8-Zoll-Touchscreen, Notbrems-/Spurhalte-Assistent, Abstandsregel-Tempomat, Licht-/Regensensor etc.

Zuletzt noch, was uns besonders aufgefallen ist: Die Leute drehen sich nach dem Seat um. Und stellen Fragen. Auch das spricht für den Tarraco.

Fazit: ein fesches und praktisches SUV ohne Protz, perfekt als Krisen-Mobil und durchaus auf Augenhöhe mit so manchen Premiumkollegen. So ist der Top-Tarraco auch ein Aufsteiger beim Preis: Er lässt sich mit 52.640 Euro bezahlen. Schon in Ordnung, finden wir.

Kommentare (2)
Kristianjarnig
1
13
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Hmmm...

...als Diesel Fahrer bin ich schon ein bißchen verwundert über diese "Eckdaten" die hier so beiläufig miterwähnt werden.

-Verbrauch: 7.5 Liter sind VIEL für einen 190 PS Diesel der, wenn man "normal" und rechtskonform fährt sich bei einem modernen Diesel dieser Leistungsstufe(2 Liter, 190-200PS) um die 6,5 Liter einpendeln sollte.
Vermutlich alles, dank SUV Bauweise, viel zu schwer.

-AdBlu: 50 Liter auf 31.000km? Interessant. Schon ein bißchen arg viel.

-Ölverbrauch. Detto. Meine Autos (deutscher Hersteller) kommen zwischen den Service Intervallen OHNE Ölnachdosis aus.

Irgendwie erweckt das alles den Eindruck als ob der Spanier hier schöngeschrieben werden sollte. 53.000 Euro für so etwas? Naja.

Carlo62
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So ist es!

6-Zylinder Diesel mit 282 PS, Langzeitverbrauch 7,2 Liter / 100km, kein Öl nachfüllen bei 30.000km Wartungsintervall, Adblueverbrauch deutlich weniger als die Hälfte.